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Der Himmel über Berlin"Eine Passantin, die mitten im Regen den Schirm zusammenklappte, und sich naß werden ließ... Ein Schüler, der seinem Lehrer beschrieb, wie ein Farn aus der Erde wächst, und der staunende Lehrer... Eine Blinde, die nach ihrer Uhr tastete, als sie mich spürte... Es ist herrlich, nur geistig zu leben und Tag für Tag für die Ewigkeit von den Leuten rein, was geistig ist, zu bezeugen - aber manchmal wird mir meine ewige Geistesexistenz zuviel. Ich möchte dann nicht mehr so ewig drüberschweben, ich möchte ein Gewicht an mir spüren, das die Grenzenlosigkeit an mir aufhebt und mich erdfest macht. Ich möchte bei jedem Schritt oder Windstoß "Jetzt" und "Jetzt" und "Jetzt" sagen können und nicht wie immer "seit je" und "in Ewigkeit". Sich an den freien Platz am Kartentisch setzen, begrüßt werden, auch bloß mit einem Nicken. Die ganze Zeit, wenn wir schon einmal mittaten, war es doch nur zum Schein: haben uns im nächtlichen Ringkampf mit einem von denen zum Schein die Hüfte ausrenken lassen, haben zum Schein einen Fisch mitgefangen, haben zum Schein an den Tafeln gesessen, haben getrunken... und gegessen zum Schein, haben uns Lämmer braten und Wein aufwarten lassen ... draußen bei den Zelten in der Wüste, nur zum Schein! Nicht, daß ich ja gleich ein Kind zeugen oder einen Baum pflanzen möchte, aber es wäre doch schon etwas, beim Nachhausekommen nach einem langen Tag wie Philip Marlowe die Katze zu füttern. Fieber haben, schwarze Finger vom Zeitungslesen, sich nicht immer nur am Geist begeistern, sondern endlich an einer Mahlzeit, einer Nackenlinie, einem Ohr. Lügen! Wie gedruckt! Beim Gehen das Knochengerüst an sich mitgehen spüren. Endlich ahnen, statt immer alles zu wissen. "Ach" und "Oh" und "Ah" und "Weh" sagen können, statt "Ja und amen"! Ja, und sich einmal auch begeistern können am Bösen. Von den Passanten im Vorbeigehen alle Dämonen der Erde auf sich übertragen und endlich hinaus in die Welt jagen... ein Wilder sein! Oder endlich spüren, wie es ist, unter dem Tisch die Schuhe auszuziehen und die Zehen auszustrecken, barfuß, so. Allein bleiben! Geschehen lassen! Ernst bleiben! Wild können wir in dem Maß sein, wie wir unbedingt ernst bleiben. Nichts weiter tun, als anschauen, sammeln, bezeugen, beglaubigen, wahren! Geist bleiben! Im Abstand blieben! Im Wort bleiben!" Cassiel und Damiel im "Himmel über Berlin" (Wenders / Handke) wolkenlos - am 22.08.2005 12:45 Kommentar schreibenDu musst dich Einloggen oder kostenlos anmelden um Kommentare zu schreiben |
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