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beruhigende Alltäglichkeit


An Himbeersträuchern und Birken vorbei, am Waldrand unter Kiefern, da saß ich gestern lange. Meinen Blick auf den Horizont gerichtet. Melancholisch und sehnsüchtig.

Vor meinem inneren Auge immer noch dieses seltsame Bild. Wir beide auf dem Boden in der fremden Wohnung. Über uns die Stuckengel an der Decke. Wirklich seltsam. Auch jetzt noch. Im Nachklang.

"Es findet sich niemand, der passen will."
Dieser Satz schwebt über meinen Kopf. Ich habe ihn analysiert, zerpflückt. Habe versucht, ihn zu vertreiben. Aber er bleibt.

Letzte Woche hat jemand einfach so ein Gespräch mit mir angefangen. Ein Fremder. Aus dem Nichts heraus haben wir uns plötzlich über Italien, Bücher und Menschen unterhalten. Er saß neben mir auf einer Bank. Er erzählte mir von seiner Heimat. Und dass er es in Deutschland einfach zu kalt findet und er deshalb nur selten T-Shirts tragen kann. Dass er nur französische Bücher liest, weil er deutsche Redewendungen nicht versteht. Dass er die Touristen am Hackeschen Markt nicht mag, er aber trotzdem gerne da lebt. Dass er seit Jahren fast täglich zu dieser Bank kommt, Eis isst, mit den Leuten redet und das Treiben beobachtet. Wie störend war es dann als meine Verabredung kam. Ich hätte mich stattdessen gerne weiter mit ihm unterhalten. Hätte weiter dabei zugesehen, wie er sein Eispapier immer kleiner faltet. Das hatte etwas beruhigendes. Seine Alltäglichkeit.

"Jemand wiederholt eine Gewalttätigkeit, weil es beim ersten Mal dabei so einen schönen Klang gab." (aus "Das Gewicht der Welt" von Handke)
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