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12. Februar 2007


D.,


Vielleicht war ich auch einmal da, wo du jetzt bist. Tief, tief unten im dunklen Abgrund. Und vielleicht habe ich geschrieen. Laut und immer lauter. Aber niemand hat mich gehört. Ich fluchte und weinte. Aber es gab kein Echo.


„Mit jedem Tag wurden die Schatten länger, die Tage kürzer, die Kreise enger. Freunde gingen. Die Einsamkeit kam. Ja, selbst die Engel verschwanden irgendwann. Denn mein Leben lag in Scherben hatte seinen Sinn verloren. Ich spürte nur gefrorene Leere, Ich fühlte mich wie tot geboren...“
(BO / H)


Ich war allein. Gefangen im Abgrund. Und alle anderen waren weit über mir. Ich saß in meinem Gefühlsvakuum, das nichts raus- und nichts reinließ. Und vielleicht habe ich irgendwann angefangen, nach oben zu klettern. Da oben war Wärme und Licht. Da oben war das Leben.
Und die Kraft, zu klettern, fand ich irgendwo in mir drin. Sie war immer da. Ich hatte nur vergessen, wie viel Kraft und Mut und Stolz in mir stecken.


„Ich bin hoch geflogen. Tief gefallen. Ich war ganz oben und hab Gott bei der Arbeit gesehen. Ich schmorte in der Hölle, küsste dem Teufel den Arsch. Ich sah in den Himmel und in mein eigenes Grab. Ich trieb’s  mit Engeln, ich feierte Siege. Ich triumphierte und verlor. Ich starb aus Liebe...“
(BO / Leere Worte)


Das alles ist lange her. Aber ich bewege mich heute noch nah am Abgrund. Das ist Teil meines Lebens. Das gehört zu mir. Und ich akzeptiere das.
Aber wenn dann jemand wie du kommt, dann gerate ich ins stolpern und wanken. Das Vakuum baut sich wieder auf und ich kann nicht atmen. Du bist bereits dabei gewesen, nach unten zu stürzen und hast dich an meinem Fuß festgehalten. Hast alles auf mich projiziert, das in deinem Leben gerade nicht stimmte. Du warst unzufrieden, also musste ich es auch sein. Du hast mir deine Gefühle vor die Füße gekotzt (entschuldige die überzogenen Worte) und ich sollte zurückkotzen. Aber wie hätte ich kotzen sollen? Ich war bereits wieder im Vakuum. Du hast geredet und geredet und geredet. Du hättest eben so gut in einer anderen Sprache zu mir sprechen können, ich hätte dich nicht verstanden.


„Ich sehe Fetzen meines Lebens, Fragmente meines Seins. Wie Messer, die mein Herz durchbohren, Stummes Schreien. Hier gibt es keine Namen. Ich weiß nicht wer ich bin. Alles von Bedeutung verliert seinen Sinn.“
(BO / Koma)


Ich glaube, du hast mich nie verstanden. Du konntest nie nachvollziehen, wieso ich mich auf andere Sachen konzentrieren mußte. Wie solltest du auch? Unbewusst war es dir wichtiger, mich zu bedrängen und immer weiter runter zu ziehen. Wie hättest du verstehen sollen, dass meine Arbeit mir so wichtig ist. Dass ich nur durch meine Arbeit mein Selbstwertgefühl wiedergefunden habe. Dass dort mein ganzes Herzblut drin steckt. Das selbe gilt für meinen Hund. Durch Kyra habe ich damals wieder leben gelernt und als sie starb, starb auch etwas in mir. Aber durch Zorro wurde die Welt wieder bunter, lebendiger und liebenswerter. Er nimmt mich so, wie ich bin. Er verlangt nichts, fordert nicht und stellt keine Bedingungen.
Ich musste dich ausblenden. Aus meinen Alltag. Musste mich auf andere Sachen konzentrieren. Nur so konnte ich weitermachen. Jede sms, jeder Brief weckte die Angst in mir, was du wieder ausgebrütet hast in deinem depressiven Gehirn. Und du hast immer wieder Sachen kompliziert gemacht, hast jede Freude zerpflückt und zerredet. Nichts konnte einfach im Raum stehen bleiben. Alles musste analysiert und hinterfragt werden. Jede Handlung von mir wurde gescannt und gegen mich verwendet.


„Ich laufe, doch ich komme nicht voran. Mein Herz treibt mich zum Untergang...“
(BO / Stand der Dinge)


Du hast dich aufgegeben? Ja, D. Aber ich habe das alles nie verlangt.
Ich wollte, dass du du selbst bleibst. Und ich wollte auch nur Julia sein dürfen.


„Die Hölle ist in Dir und kein Ort, an den man geht. Unsere Hölle schaffen wir und nicht der, der vor uns steht...“
(BO / Das Problem bist du)


Heute sind die Dinge klarer. Ich kann im Abstand darauf blicken und verstehen. Hinterher ist man immer klüger. Trotzdem müssen wir vorwärts leben.
Ich musste dich verlassen, weil du mir die Sicht genommen hast. Ich musste mich selbst retten. Nenn es Egoismus oder Selbsterhaltungstrieb.
Ich wusste, dass ich meine Entscheidung wieder hätte rückgängig machen können. Aber meine Entscheidung war richtig. Ich kann wieder atmen, D.!Ich habe meine Leichtigkeit wieder. Die Worte fließen und das Leben wärmt mich.
Es war ein langer Weg, den wir zusammen gingen. Eine gefühlte halbe Ewigkeit. Und wir nehmen beide viel mit. Es bleibt nur ein bitterer Nachgeschmack.
Du hast auch endlich verstanden. Das ist deine Kraft, die dich nun zwingt, wieder ans Licht zu klettern. Vor dir liegt eine beschwerliche Zeit.
Und ich wünsche dir Mut und Sonne im Herzen. Verständnis und Kraft. Gib niemals auf und denk immer dran, dass es immer einen Schritt nach vorne und zwei zurück geht. Das ist das Gesetz des Lebens.


„Laß’ es zu, dass die Zeit sich um Dich kümmert. Hör mir zu, und mach es nicht noch schlimmer. Denn es gibt ’nen neuen Morgen, ’nen neuen Tag, ein neues Jahr. Der Schmerz hat Dich belogen: Nichts ist für immer da...“
(BO / Nichts ist für immer da)


Bis bald und alles Gute...

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Kommentare

hope [Tb: Coffee Break] - 16.03.2007 20:24
Hallo meine Liebe, Dein Text hat mich total nachdenklich gestimmt, aber ich finde es gut, dass Du Dich aus dem Klammergriff von D. geloest hast, manchmal ist es gar nicht leicht etwas / jemand aufzugeben, selbst wenn man weiss, dass es einem dadurch besser geht. Alles Liebe,

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