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Werbezombie von Toni M. Nutter


Das Geständnis – First Blood

 

Hi, ich bin 32 Jahre alt und ab heute werde ich keinen Tag älter. Das ist mein Geständnis und wenn Sie wollen meine letzte Erzählung. Ich habe lange genug dieses ungerechte Leben ertragen. Seit dem letzten Brief vom Verlagshaus quälen mich solche Zukunftsängste, dass ich mich nun entschlossen habe, meinem Leben ein Ende zu setzen. Auf meinem Schreibtisch liegt eine volle Schachtel Schlaftabletten. Doch bevor ich sie einnehme, möchte ich erzählen.

 

Wieso? Weil für die Tat, die ich begangen habe, auch das Verlagshaus mitverantwortlich ist. Diese Erzählung dürfen Sie, liebe Leser und Leserinnen, nicht mit anderen Erzählungen verwechseln, die Sie sonst lesen. Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und stellt die Entscheidung dar, wieso ich dem Leben der Schreiberei den Rücken gekehrt und mich für den Freitod entschieden habe.

 

Bevor ich zu meiner Haupterzählung komme, möchte ich Ihnen vorab einen kurzen Einblick in mein Leben gewähren. Sie können sich so ein besseres Bild von mir machen. Ich bin russischer Abstam-mung, lebe jedoch seit meinem 8. Lebensjahr in Deutschland. Meine Eltern kamen als Migranten in dieses Land. Eine einfache Kindheit ist für mich ein Fremdwort. Mein Vater, ein ehemaliger Soldat bei der Roten Armee, war dem Alkohol verfallen. Er trank oft über seinen Durst hinaus und genauso oft und unbarmherzig prügelte er dann auf mich und meine Mutter ein. Meine Mutter war eine einfache und naive Hausfrau, die sich der Tyrannei meines Vaters beugte und alles stumm ertrug. Sie war sehr hübsch, und einmal hörte ich sogar einen Bekannten sagen, dass ich ihre schönen blauen Augen geerbt hätte.

 

Noch etwas teilten meine Mutter und ich gemeinsam: das Bett meines Vaters, ihres Ehemannes. Wir beide mussten die kranken sexuellen Vorlieben dieses Mistkerls befriedigen. Ich mehr als meine Mutter, da mein Vater von kleinen Mädchen mehr angetan war. Er war ein perverses russisches Schwein, der ununterbrochen nach Wodka und Schweiß stank. Wie schon erwähnt, diente mein Vater in der kommunistischen Armee, bis zum Fall der Sowjetunion. Nach der Teilung musste er das Land verlassen. Er hatte die Position eines Ermittlers inne, der Staatsfeinde verhörte. Anders ausgedrückt: Er war eine Art Henker, der durch Folter Geständnisse von Verdächtigen erzwang. Meine Mutter erzählte manchmal, dass er drüben bei den Roten sehr hoch angesehen war und für seine besonderen Verhörmethoden gefürchtet wurde. Diese Bekanntheit wurde ihm schließlich zum Verhängnis und er musste ins Exil. „Einen so brutalen Mann“, sagte meine Mutter, „kann die neue Regierung nicht dulden.“ Nicht dass man im neuen Russland die Folter abgeschafft hätte (Russland ohne Folter? Guter Witz!), es war das neue Image, das man wahren wollte. Der Henker, der meinen Vater ersetzte, war mindestens genauso brutal und erbarmungslos wie er, doch war er ein Nobody, der vorher nicht aufgefallen war.

 

Mit falschen Papieren ausgestattet kamen wir über Umwege nach Deutschland. Die erste Zeit hier in diesem fremden Land war sehr schwer. Wir beherrschten die Sprache nicht und hatten daher kaum sozialen Kontakt zu der Gesellschaft. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse waren unsere Bemühungen zur Integration von vornherein zum Scheitern verurteilt. Auch die Lebensumstände ermöglichten uns kein Einleben in diese fremde Kultur. In der Sowjetunion war mein Vater einer, den man nicht ignorieren konnte. Er war eine Persönlichkeit, eine Autorität, die man fürchtete. In Deutschland war er ein Niemand. In seiner Heimat kommandierte er Leute herum und hier im der Fremde bot man ihm die niedersten und schmutzigsten Jobs an. Er arbeitete für diverse Zeitarbeitsagenturen. Wer mit diesen Agenturen noch keine Erfahrung gesammelt hat, denen könnte man diese Einrichtungen in der Tat als moderne Menschenhandelsorganisationen charakterisieren. Für eine schlechte Bezahlung arbeitet man hier und da. Das Geld, das man verdient, reicht meistens nicht zum Leben aus und so muss man zusätzlich beim Arbeitsamt Hilfe beantragen. Als Vorgesetzte bekam er Möchtegern-Männer, die keine Eier in der Hose hatten und die ihm in der Sowjetunion den Arsch geküsst hätten. Dieser Umstand band meinen Vater noch mehr an den Spiritusteufel. Der Alkohol betäubte gering seinen Lebensfrust und wir waren ein weiteres Ventil, womit er seiner inneren Wut Luft verschaffte. Entdecke die Möglichkeiten! Er konnte sich nicht gegen Deutschland wehren und war diesem Land hilflos ausgeliefert. Meine Mutter und ich konnten uns gegen meinen Vater nicht wehren und waren ihm hilflos ausgeliefert. Ich hasse meine Mutter heute immer noch dafür, dass sie mich nie in Schutz genommen hat. Sie sah stumm zu, wie ich weinte und brutal vom eigenen Vater vergewaltigt wurde. Er war sehr barbarisch und unnachgiebig, wenn es darum ging, seine Triebe an mir zu befriedigen. Meine Mama schritt niemals ein. Sie schwieg nur und schaute weg. Doch das Schicksal meinte es wohl gut mit mir, zumindest dachte ich es damals. Wenn ich heute zurückblicke, dann weiß ich, dass ich danebenlag. Was für ein Irrtum. Wie auch immer, es folgte ein Verkehrsunfall und beide, Mama und Papa, wurden zur Hölle geschickt. Seit ihrem Tod habe ich niemanden mehr, keine Verwandten und keine richtigen Freunde. Ich kam in ein Jugendheim, das ich mit 18 Jahren verließ. Mein Leben habe ich relativ früh dem Schreiben gewidmet und nun lebe ich mit den Konsequenzen. Ich bin arbeitslos und wohne in einer vom Staat unterstützten kleinen Sozialwohnung. Sie liegt in einem dreckigen Stadtteil voller arbeitsloser Asozialer, wo man nachts lieber keine Spaziergänge macht. Meine Lebensmittel bekomme ich von der Tafel oder ähnlichen Hilfsorganisationen. Wie Sie sehen, war mein Leben nicht gerade mit Glück gesegnet.

 

Mit 20 fing ich an, Literaturwissenschaften an der Bonner Universität zu studieren. Sie müssen wis-sen, dass ich leidenschaftlich gern lese. Die Bücher waren und sind immer meine einzigen Freunde gewesen, die mich nie im Stich ließen. In diese Fantasiewelten konnte ich flüchten, und genoss somit eine Art von Freiheit, die mir daheim fremd war. Ein Stück Zuhause. Sie sehen nun, dass wir als Familie sozusagen das Gegenteil der Cosby-Family waren. Wir waren weiß, mein Vater war nicht witzig und es herrschte eine Null-Toleranz-Regel. Die einzige Liebe, die ich zu Hause empfing, war die pervertierte körperliche Liebe, die mir vom eigenen Vater aufgezwungen wurde. Kommen wir wieder zu meinen Büchern. Zu meinen Lieblingslektüren zählen seit meiner frühesten Kindheit die Märchen der Brüder Grimm oder von Hans Christian Andersen. Ich lese auch Gruselromane und schaue leidenschaftlich gerne Horrorfilme, da ich auch in dieser Richtung schreibe. Zu meinen Lieblingsautoren zählen Stephen King, Jack Ketchum, Arthur Conan Doyle, Michael McDowell und einige weitere Vertreter der Horror-Belletristik. Diese Schriftsteller sind hervorragende Sprachkünstler und sowas von gut. Es sind echt geistreiche Geschichten. Dahinter steckt immer ein kluger Kopf. Leider konnte ich mich nicht genauso in die Klassiker der Literatur hineinträumen, wie es die Universität erwartete. Die Werke von Twain, Dickens, Kafka, Dürrenmatt, Schiller, Lessing, Goethe und wie sie sonst alle heißen mögen, verdarben mir die Freude am Studium. Und so beschloss ich mein Studium abzubrechen, um selbst zu schreiben. Die Geschichte ist voller erfolgreicher Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die alle auch ohne einen Hochschulabschluss die Karriereleiter emporgestiegen sind. Das Talent, so war ich überzeugt, wird mit in die Wiege gelegt. Eine chinesische Weisheit besagt, dass jeder noch so lange Weg mit dem ersten Schritt beginnt, und mein erster Schritt (zum Abgrund hin) begann mit dem Abbruch des Studiums. Die Vorstellung, mit dem Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten Geld zu verdienen, hatte mich in seinen Bann gezogen. Und so beschloss ich, mich voll und ganz meiner Bestimmung zu widmen. Ich träumte mir vor, dass ich schnell Ruhm, Anerkennung und Reichtum erlangen würde. Ich vertiefte mich in Tagträume: Jedes Buch, das ich schrieb, wurde ein Bestseller. Berühmte Regisseure rissen sich um meine Bücher, um sie verfilmen zu dürfen. In den Hollywoodfilmen (und vielleicht auch in den Bollywoodfilmen) mimten berühmte Stars die Hauptakteure meiner Werke. Mit meinen Büchern und Erzählungen erreichte ich Kultstatus. Kurz: Ich wurde reich und berühmt und alle Welt schaute zu mir auf. – Die Realität sah jedoch ganz anders aus. Seit dem Studienabbruch schrieb ich dutzende Kurzgeschichten. Wie schon erwähnt, stellten Horror und Mystery die Genres dar, die ich bevorzugte. Ich schickte meine Kurzgeschichten zu diversen Verlagshäusern und nahm an vielen Schreibwettbewerben teil. Einige meiner Manuskripte kamen mit der Post zurück, andere hingegen landeten gleich in den Papierkörben geldgieriger Verleger. Wie Sie sehen, habe ich eine lange Zeit auf den großen Durchbruch gewartet, vielleicht zu lange. Die Enttäuschung wurde von Tag zu Tag größer und die Zeit wetteiferte gegen mich. Etliche Jahre verstrichen ohne Erfolg und mit jedem abgelehnten Manuskript verlor ich ein Stück Hoffnung. Meine Träume rückten in unerreichbare Ferne, sie wurden wortwörtlich zu Sternen am Nachthimmel.

 

Ich verbrachte Tage, Wochen und Monate alleine zu Hause. Ich hörte auf zu lesen und saß nur noch vor dem Fernseher oder zockte an der Spielkonsole. Ich wandte mich vom gesellschaftlichen Leben ab. In einer medialen Welt war ich gefangen, die aus Talkshows, Gameshows, Serien aus den 80er Jahren, Daily Soaps und permanenter Werbung bestand. Oft verlor ich mich stundenlang in virtuellen Welten, wo ich als Terrorist oder Counter-Terrorist Leute erschoss oder in ähnlichen Killerspielen meine virtuellen Gegner, die meistens eine geringe KI besaßen, auf kunstvolle Art und Weise zu Hackfleisch verarbeitete. Test your Mind. Test your Sight. Test your Strike. Test your Luck. Auch das MMORPG war eine Leidenschaft, bei der ich online unzählige Stunden an meinen Figuren bastelte und immer darauf bedacht war, auf die nächste Stufe zu gelangen. Quest after Quest – unendliche Weiten. In einer dieser langen und einsamen Nächte besuchte mich ein sogenannter Freund. Er war vor Kurzem in die Wohnung unter mir eingezogen und kam gelegentlich vorbei. Er hatte ein sehr schwules Erscheinungsbild. Sein Name war Oguzhan Atacoglu oder so ähnlich. Er hatte einfach einen Namen, den ich nicht aussprechen konnte und so nannnte ich ihn einfach nur Atatürk. Es war eine nicht ernst gemeinte Anspielung auf den Volksführer und Gründer der türkischen Republik. Mein Atatürk jedoch glich diesem türkischen Volkshelden nicht im Geringsten, weder im Aussehen noch im Charakter. Ich liebe einfach nur Wortspiele. Just for fun. War der Volksheld der Türkei homosexuell veranlagt? Ich weiß es nicht, aber nichts ist unmöglich. Es überraschte mich sehr, als ich bemerkte, dass er von mir mehr erwartete, als nur eine nachbarschaftliche Freundschaft. Mit seinem billigen Parfüm, Bom Chika Wah Wah, mit diesem Duft kann dir alles passieren, kam er sich wohl sehr toll vor. Der Duft, der Frauen provoziert? Sorry, aber bei mir wirkte es nicht. Der eine hat’s, der andere nicht. Er hatte es nicht. Ich zeigte seinen Annäherungsversuchen die kalte Schulter. Um ehrlich zu sein, mochte ich ihn nicht sehr, doch brachte er eine gewisse Abwechslung in meinen tristen Alltag. Er war zudem derjenige, der mich auf diese teuflische Idee brachte.

 

An jenem Abend sagte Atatürk bei einer Tasse Kaffee:

 

„Du hast mir ja deine Kurzgeschichte gegeben. Also ganz ehrlich gesagt, finde ich deinen Schreibstil außergewöhnlich gut. Man wird jedoch den Eindruck nicht los, dass deine Geschichten jeder Realität fern sind, und daher werden sie etwas langatmig und unglaubwürdig. Vielleicht braucht es etwas mehr Realität. Life inspires.“

 

Wieso ich dem Typ eine Geschichte von mir zum Lesen gab, kann ich mir heute selbst nicht mehr erklären. Aber nach seiner scheinbar belanglosen Bemerkung haftete sich der Teufel persönlich an meine Fersen und lenkte meine Gedanken zu dieser fatalen Handlung hin. Immer wieder verschob ich den Gedanken auf den nächsten Tag, gemäß dem Motto „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe stets auf morgen.“ Aber war der Morgen nicht das Heute von gestern? Nach einigen schlaflosen Nächten entschloss ich mich, meiner nächsten Geschichte die fehlende Realität zu verleihen – also den Funken Wahrheit quasi, an dessen Fehlen mein Erfolg gescheitert war. Wer nicht spielt, hat schon verloren. Dieses Werk sollte meinen Durchbruch sichern.

 

In einem Moment aufkeimender Hoffnung auf eine ruhmreiche Zukunft zog ich mir einen schwarzen Mantel an, setzte eine dazu abgestimmte Wollmütze auf, zog lederne Handschuhe über und bedeckte mein Gesicht mit einem Schal, bevor ich in die kalte Nacht hinaustrat. Ziemlich starke Klamotten. Ich musste handeln, wenn ich in der Erzählkunst die Ruhmesleiter emporsteigen wollte. Keine Experimente. Zeit für Taten. Meine Hände tief in den Manteltaschen verborgen, machte ich mich auf den Weg durch die dunklen Straßen meiner Stadt. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Nach einer kurzen Zeit fand ich das, was ich suchte, die nächste Akteurin meines Romans. Sie war um die 15 Jahre alt, zierlich gebaut und hatte lange blonde Haare. Sie war ein Stereotyp in Horrorfilmen, das die Opferrolle übernimmt. Erst stirbt der Nigger – wer einen hat, kann sich freuen–, dann das hübsche blonde Mädchen. Da ich auf die Schnelle keinen Nigger – sorry, einen Farbigen– finden konnte, war sie für meine nächste Geschichte perfekt. The right choice. Ich folgte ihr unauffällig. Irgendwann bog sie in eine ruhige Straße ein. Links der Straße standen vereinzelt Einfamilienhäuser, rechts war ein kleiner Wald. Um diese späte Nachtstunde schliefen wohl die meisten Einwohner, denn in den Fenstern brannte kein Licht. Die Nacht war still und bedeckte mich mit Anonymität. Ich wusste, dass dies die beste Gelegenheit war, die sich mir bot. Just do it! Ich beschleunigte meine Schritte. Meine rechte Hand umklammerte fester den Griff des Küchenmessers, das sich in meiner Manteltasche befand. Don’t leave home without it. Ich kam immer näher an sie heran, ohne dass sie etwas bemerkte. Die Sneakers, kaum zu glauben Markenschuhe so günstig, dämpften meine Schritte. Und so glitt ich wie ein Geist auf sie zu. Plötzlich hielt sie inne und drehte sich um. In letzter Sekunde warf ich mich hinter ein parkendes Auto und horchte. Mein Herz raste wie wild. Ich hörte das Blut in meinen Schläfen pochen und der Schweiß rann mir über die Stirn. Ich lauschte. Mein hämmerndes Herz war das Einzige, das ich anfänglich vernahm. BUMM-BUMM. Can’t beat the feeling. Dann hörte ich ihre gleichmäßigen Schritte durch das betäubende Hämmern hindurch und wusste, dass sie mich nicht gesehen hatte. Ich stand vorsichtig auf und setzte mich wieder in Bewegung. Ich kam immer näher an sie heran. Nur noch wenige Schritte trennten uns voneinander. Alles, bloß nicht langweilig. Den Atem anhaltend beschleunigte ich meinen Gang. Das Küchenmesser glitt aus meiner Manteltasche, gleich einer Giftschlange aus ihrer Höhle. Diesmal jedoch drehte sie sich in Panik rasch um. Sie hatte meine Anwesenheit gespürt. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, mich zu verstecken. Es war aber auch nicht mehr nötig. No Risk, no Fun! Ich lief mit dem Messer in der Hand auf sie zu. Besser ankommen. Sie hatte wohl die lange Stahlklinge in meiner Hand bemerkt. Say hello to my little Friend! I will cut a Scar in your Face! Dermaßen unter Schock schrie sie nicht einmal um Hilfe. Ich stürzte mich auf sie, meine linke Hand umklammerte instinktiv ihren Mund, um sie vom Schreien abzuhalten. Meine rechte Hand stieß ihr das Messer in den Bauch. Sauber und diskret. Ultra Kill. Ihre Augen weiteten sich, als die stählerne Schlange seinen Weg durch die dünne Jacke riss und in den weichen Bauch biss. Spaß ist, was Ihr draus macht. Es bohrte sich in ihre Eingeweide hinein. Share moments. Share life. Ich zog sie zum Wald rüber. Come here. Meine linke Hand verhinderte weiterhin ein mögliches Aufschreien. Vielleicht hätte sie gar nicht geschrien, ich weiß es nicht. Ich zerrte sie auf den Waldboden, zog das Küchenmesser heraus und stach wieder zu. Ich liebe es. Holy Shit. Zog es heraus und stach erneut zu. Unstoppable. Godlike. Sie lebte noch. Wenn’s mal wieder länger dauert. Schalten Sie um auf Qualität! Fatality. Finish her. Ich geriet in Rage und stach immer wieder wild zu, bis sie blutüberströmt und leblos vor mir lag. It works. Monstaaahh Kill. Ihre Augen starrten weit offen in mein Gesicht. Der Lebensfunke war in ihnen entschwunden und sie starrte mich aus denselbigen an. Defeated. You win. Ich wollte aufstehen und weglaufen, doch ich unterdrückte diesen plötzlichen Trieb. Behalten Sie den Überblick! Meine Geschichte musste mehr bieten als nur einen gewöhnlichen Mord. Mit Sicherheit mehr Vergnügen. So entschloss ich mich kurzerhand zu improvisieren und setzte mein teuflisch geniales Werk fort, aus Liebe und Verantwortung. Ich schnitt ihre Jacke auf und riss ihr den Pullover runter. Und alles gelingt. Sie trug keinen BH. Sie sind frei. Meine kleine süße Akteurin lag mit nackten Brüsten vor mir. Es waren niedliche kleine Brüste, die sich noch im Wachstum befanden. So auf dem Rücken liegend, ruhten ihre Brüste flach auf ihrem Körper und erweckten den Anschein, als ob ein junger Knabe daliegen würde. Das Küchenmesser hatte tiefe Wunden in den zarten Körper gerissen. Red Passion. Combo Bleeding. Der Anblick erregte mich. Genieße jeden Augenblick. Ich spürte, wie es zwischen meinen Beinen kribbelte. So ein euphorisches Gefühl hatte ich vorher noch nie erlebt. Den Griff des Küchenmessers fest umklammert schnitt ich ihr kleine Stücke aus dem Körper. Die Privatfleischerei. Von den Rippen versuchte ich das Fleisch zu lösen, doch mit geringem Erfolg. Die Lust an der Schärfe. Ich ließ die Klinge an ihrem Bauch entlang gleiten und sah erregt zu, wie sich die sanfte, weiche Haut in entgegengesetzte Richtungen schob und rosafarbenes Fleisch freilegte. Schönheit von innen. Ich schnitt ihr die Brustwarzen ab und auch ein Stück vom Bauch. Sicher! Super! Sauber! Alles erregte mich. Mein Werk war nun vollendet. Nix wie weg! Etwas blutiges Fleisch in meine Manteltasche gesteckt, stand ich auf und machte mich auf den Heimweg. Freude am Gestalten. Level completed. Kills 1. Experience gained. Level up.

 

Zu Hause angekommen entledigte ich mich meiner blutigen Sachen und ging in die Küche. Jetzt sollte der nächste Höhepunkt meiner Geschichte folgen. Die neue Lust am Kochen. Ich wollte ein traditionelles russisches Gericht zubereiten. Gulasch a’la Russia. Ess(en) mit Lust und Liebe. Als Fleischbeilage nahm ich den Inhalt aus meiner Manteltasche. Das würde sich in der Erzählung toll anhören. Heute schon gut gegessen?

 

Noch in derselben Nacht lud ich Atakürt zu mir nach Hause ein. Er hatte mir den tollen Rat zu meiner Geschichte gegeben. Für die geniale Idee schuldete ich ihm etwas. Ich wollte mich erkenntlich zeigen und ihm danken. Er war etwas überrascht, zu jener späten Nachtstunde eingeladen zu werden. Doch ohne Fragen zu stellen, nahm er meine Einladung zum Essen an. Ich erwähnte ja schon, dass er Gefallen an mir fand. Atatürk und ich aßen gemeinsam zu Abend. Ich aß mit, denn ich wollte in dieser Geschichte die Realität einfangen, und so musste ich alles persönlich erleben, um es dann realitätsnah niederzuschreiben.

 

Das Gulasch war lecker und das Fleisch schmeckte überraschenderweise gut. Das Gute daran ist das Gute darin. Es war geschmacklich wie Hühnchen und nicht wie Schweinefleisch, was ich in einigen Büchern gelesen hatte. So isst man heute. Der mit dem Blubb. Nach dem Essen tranken wir noch einen Kaffee. Ich stand auf und ging auf meinen Nachbarn zu.

 

Eigentlich stehe ich selbst auf Frauen. Doch wollte ich heute ausnahmsweise über meinen eigenen Schatten springen und mich bei ihm bedanken. Ich wusste, was er begehrte und war bereit es ihm zu geben. Sie sollten wissen, alle Männer wollen nur das Eine. Dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. Atatürk saß auf dem Sofa. Ich kniete mich vor ihm hin und fing wortlos an seine Jeanshose aufzuknöpfen. Engineered Jeans. Er war sichtlich überrascht und wurde tomatenrot im Gesicht. Atatürk hob sein Gesäß etwas an, damit ich ihm die Hose runterziehen konnte. Der Mistkerl konnte sein Glück kaum fassen. Er trug blaue Boxershorts. Null Komma null neun Quadratmeter Paris. Ich griff hinein und holte seinen unbeschnittenen Schwanz heraus. Leg los, werd groß. Sein Penis pulsierte in meiner Hand und die Eichel wurde immer größer. In guten Händen. Sein Schwanz erigierte erst mithilfe meiner Zunge zu seiner vollen Größe. Schluss mit Schlaff. Ich spuckte drauf und massierte mit meiner Hand seinen Sack, während ich an seiner Eichel saugte und leckte. Eis am Stiel, lecker. Mit ‘ner Handvoll Haselnüsse. Ein echtes Stück Pause. Ich leckte und spielte wie wild mit seinem Lustknochen. Dieser Penner ergoss sich in meinen Mund und ich schmeckte das warme Sperma. Kommt schnell, kommt gut. Extra lang im Geschmack (ohne Zucker). Ich schaute ihn an und öffnete meinen Mund voll klebrigem Sperma, das meine Mundhöhle benetzte wie ein Spinnennetz. Für die Extraportion Milch. Ihm tief in die Augen blickend schloss ich meinen Mund und schluckte das Zeug runter. Vom Würstchen das Beste. Schmeckt immer wie beim Italiener. Oder eher wie beim Türken um die Ecke? Ich stand auf und ging ins Badezimmer.

 

Als ich wieder ins Wohnzimmer kam, war die Schwuchtel weg. Männer sind so. Somit ersparte er uns beiden die peinliche Situation, die unweigerlich gefolgt wäre. Und so setzte ich mich an meinen Schreibtisch, um mein Werk in Angriff zu nehmen. Das Meisterwerk. Ich schrieb wie besessen die Nacht hindurch und sogar in die nächste Nacht hinein.

 

Am darauf folgenden Morgen schickte ich meine Geschichte zu einem großen Verlagshaus. Die nächsten Tage verbrachte ich in Hochstimmung und erwartete jeden Moment meinen Durchbruch. Die Tat blieb natürlich nicht unentdeckt. Ich bin doch nicht blöd. Ich hatte es erwartet. Von dem Vorfall im Wald handelte die gesamte Presse, jedoch fand sich kein Motiv für den Mord und so gab es keine Verdächtigen. Die Medien berichteten von mir, und es war ein Genuss zu sehen, wie die dumme Polizei im Dunkeln tappte. Deutschland berichtete von mir. Du bist Deutschland. Ich war Deutschland. Ich fühlte mich integriert. Das war ein tolles Gefühl. Heute ein König.

 

Endlich kam der Tag, an dem ich das Schreiben vom Verlagshaus erhielt. Es war ein unscheinbarer Brief im Postkasten. Ich öffnete den Umschlag voller Erwartung und war über den kurzen Inhalt überrascht:

 

Ihr Manuskript

 

Vielen Dank,

 

zunächst einmal möchte ich Ihnen danken, dass Sie sich wegen der Veröffentlichung Ihres Manusk-ripts an uns gewandt haben. Leider sehen wir keine Möglichkeit, Ihr Projekt in unser Programm zu übernehmen.

 

Der ganzen Handlung fehlt es an Glaubwürdigkeit, daher kann es unsererseits nicht als Krimi ver-marktet werden. Die Leser erwarten eine gewisse Nachvollziehbarkeit der Handlung, die Ihre Geschichte leider nicht gewährleistet. Sie können Ihr Manuskript gerne überarbeiten und uns erneut zusenden.

 

Wir wünschen Ihnen für Ihre weitere schriftstellerische Zukunft viel Erfolg.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Mathilda von Zahnd

Lektoratsleiterin des Verlagshauses ‚Les-Cerisiers’

 

-Ende?-

 

Ihr wollt mehr? Ihr kriegt mehr!

(Mehr als Euch lieb ist!)

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Toni M. Nutter


Kommentare

awtwahl [Tb: arnowa 2013] - 29.08.2011 20:25
nun ja, warum auch nicht !

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