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ist dass alles normal?


Ein Onlinetagebuch.

Ich hab oft davon gehört und mir doch nie vorstellen können, selbst mal eins zu führen.

Aber jetzt bin ich hier, und mir gehen 1000 Gedanken durch den Kopf. 

Vor kurzem las ich einen Artikel über die Generation zwischen 20 und 30. Der Artikel handelte davon, dass diese Generation äußerst unsicher ist. Darüber dass wir es so gut haben. Natürlich, zuerst mal, wir haben genug zu essen. Wir leben in einem Land in dem es Gesetze gibt. Kein Krieg. In Deutschland muss man nicht verhungern. Wenn man krank ist kann man zum Arzt gehen. 

Natürlich, man könnte darüber  diskutieren, dass das Gesundheitssystem möglicherweise den Bach runtergeht, und das Gesetze auch dazu da sind, dauernd gebrochen zu werden. Dass und vieles mehr, und trotzdem, wir haben es gut.

Und trotzdem sind wir stark verunsichert. Plötzlich ist man nicht mehr ganz jung. Stellt sich Fragen. Entscheidet sich für einen Weg, und frägt sich immer wieder ob es der richtige Weg ist. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Man hat noch so viele Träume, und irgendwann stellt sich einem die Frage, ob man denn noch die Zeit hat diese zu verwirklichen. Irgendwann fängt  man an tatsächlich an über FAmilienplanung nachzudenken.

Ich bin 27 und  wohne seit einem Jahr mit meinem Freund zusammen. Ich hab ihn im Ausland kennengelernt. Diese Geschichte ist wirklich romantisch, kitschiger als so ziemlich jeder kitschige Hollywoodfilm. Wir sind glücklich.

Ich hab schon andere Beziehungen gehabt, aber diesmal ist es anders. Früher hab ich meine Freunde 3, 4 Mal die Woche gesehen.  Für mich war es ok, 2-3 Mal die Woche zu übernachten, aber den Rest der Woche wollte ich lieber allein schlafen. Ich hab ständig meine Freundinnen getroffen. Wenn meine Freunde mir gesagt haben, sie würden sich mit Freunden treffen, hab ich mich manchmal richtig darüber gefreut weil ich Zeit für andere Dinge hatte. Wenn mein Exfreund mir gesagt hat, dass er 3 Wochen nicht da ist war es für mich ok.  Ich bin immer irgendwie eigenständig geblieben. 

Diesmal aber ist es ganz anders. Wenn mein Freund nicht da ist, vermiss ich ihn. Ich freu mich jeden Tag darauf ihn abends wieder zusehen. Ich vermiss ihn. Wenn er 2 Tage weg ist oder ich 2 Tage weg bin, vermiss ich ihn wirklich. Ich achte darauf dass wir genug Zeit miteinander verbringen. . Wenn er nicht mehr hier wäre, wüsste ich wirklich nicht was ich tun würde. Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Ich brauch ihn.  Auf einmal bin ich nicht mehr eigenständig. 

Bevor ich ihn hatte, war ich ständig mit Freunden in Bars. Jetzt lieg ich lieber dicht neben ihm auf dem Sofa oder im Bett und halt ihn fest. Ist dass alles noch normal? Oder ist es einfach nur Liebe? 

Am Verhalten meiner besten Freundin kann ich zumindest erkennen, dass sie ebenfalls regestriert hat, dass diese Beziehung anders ist als die vergangenen. Seit mein Freund in Deutschland lebt, zickt sie mich nur noch an. Natürlich, ich hab sie darauf angesprochen. Natürlich bekam ich die Antwort, dass ich nur Wahnvorstellungen hab. Aber diesmal hab ich keine Wahnvorstellungen. Und ich geb zu,  ich hab tatsächlich weniger Zeit für sie. Ich hab keine Zeit mehr jeden Abend stundenlang mit ihr zu telefonieren. Ich mach mehr Ausflüge mit meinem Freund und weniger mit ihr. Natürlich hab ich ihr jedesmal angeboten, mitzukommen, aber natürlich lehnt sie dies ab. Wenn ich einen ganzen Tag nur mit ihr verbring, mit ihr wandern geh, irgendwohinfahr...und meinen Freund schon gar nicht mehr erwähn, wird sie schon sauer wenn er mir auch nur eine Sms schreibt. Dann kommt die Frage:" Was will ER denn schon wieder?"  Ich versteh selbst nicht ganz wie es dazu kommen konnte, dass ich so eine Beziehung führ. Es ist einfach so und ziemlich schnell passiert und ich bin glücklich darüber. Es gab Zeiten in denen ich mich gefragt hab, ob ich überhaupt fähig bin, eine solche Beziehung zu führen. 

Früher hab ich selbst nicht verstanden, wieso andere Freundinnen auf einmal weniger Zeit haben, sobald es einen Freund gab. Warum sie nicht mehr dauernd in Bars waren. Jetzt versteh ich es. 

Und in gewisser Weise versteh ich auch das Verhalten meiner besten Freundin. Sie ist sauer darüber dass ich nicht mehr ausschliesslich nur Zeit für sie hab. Und wir sind beide nicht mehr 18, oder 20.  Wir gehen auf die 30 zu. Und jetzt hab ich den Mann gefunden, den ich heiraten will und sie nicht. Es war einfach nur Glück aber auf einmal haben sich Abgründe zwischen uns aufgetan. Dass alles klingt albern aber dass passiert ständig in der Generation zwischen 20 und 30.  

Jaaaa, dass ist albern. Und trotzdem frag ich mich, ob die Freundschaft zwischen meiner besten Freundin und mir diese Zeit überstehen wird.  Ich versteh sie,  und trotzdem...

Ich bin auch nicht sauer auf sie, weil sie jetzt fast mit ihrem Medizinstudium bin, und ich jetzt mein Abitur nachhol. Ich war früher faul, und jetzt hab ich weniger Geld und muss dauernd lernen, und sie ist fast fertige Ärztin. Ich freu mich für sie...sie hat es verdient. Sie kann stolz auf sich sein!

aber langsam bin ich es leid mich ständig von ihr anzicken zu lassen. Egal was ich tu, sie ist sauer auf mich. Ständig bekom ich Vorwürfe. Wenn wir uns morgens um 10 treffen und ich sag ich hab nur bis 4 Zeit wirft sie mir vor, dass das Zeitdruck ist. Die Liste lies sich endlos weiterführen, und langsam wird es anstrengend.  Langsam erreicht es einen Punkt an dem es mir langsam egal wird...ist dass nicht das gefährlichste an einer Freundschaft?

dass sind alles nur absolute Wohlstandsprobleme. Wären wir in Syrien oder im Gaza oder Mali oder oder oder...kein Mensch hat dort die Zeit das Verhalten der besten Freundin so zu interpretieren. Oder ständig über 1000 verschiedene Möglichkeiten nachzudenken oder oder oder....

ich weiss dass. Ich wollte es nur aufschreiben weil in letzter Zeit so dermaßen viel auf einmal passiert.  Und weil die Zeit so dermaßen rast...so unkontrollierbar wird, je älter man wird. Als ich 18 war, dachte ich zum Beispiel mit 23 ist man alt...hat einen Mann ein Haus einen Hund und ein Kind....:>

die Zeit rast und ich hab noch so viele Träume...ein Buch veröffentlichen zum Beispiel, studieren, kinder, um die welt fliegen und und und....

 

Kommentare

Dabi - 23.11.2012 22:07
Hallo rainbow,

bei mir ist die Situation ähnlich. Mit meiner besten (obwohl ich sie fast nicht mehr so nennen kann) Freundin hatte ich von 24-27 die besten Jahre meines Lebens. Wir kannten alles voneinander, bis ich meinen jetzigen Mann kennen lernte und wir vor 2 Jahren dann geheiratet haben. Ab da gings bergab. Ich war schwanger und durfte vor ihr am besten nichts von dem Baby erzählen. (ging ihr auf den Nerv) Ich konnte nicht mehr Wochenende weg, war nicht mehr spontan und so weiter. Mittlerweile sehen wir uns, ja mal überlegen, alle 4-5 Monate mal und das letzte Mal hat sie sich ein paar so unfassbare Sachen und Kommentare geleistet, dass ich beschlossen habe, von mir aus keinen Kontakt mehr zu wollen. Sie war meine Trauzeugin und es tut mir echt weh, dass die Freundschaft so dahin ist, aber unsere Leben sind komplett auseinander. Sie studiert mit 35 immernoch, hat also schön viel Zeit. So ist das eben manchmal. Traurig, aber immer wieder nachrennen oder schlecht fühlen ist keine Option.

LG

Dabi


elfe16 [Tb: Alles streßt !] - 22.11.2012 20:15
Hallo rainbow und willkommen :-)

Vor ein paar Tagen bin ich 20 geworden und musste mit Erschrecken feststellen, dass ich mir auch schon über die kleinsten Dinge im Leben Sorgen mache,einfach, weil ich zuviel hineininterpretiere.

Auch die Problematik mit den Freunden und dem Partner kenne ich gut. Aber ich sehe es so : Wenn deine Freundin dich nicht verstehen will ,soll es eben so sein. Ihr wird es wohl irgendwann auch nicht anders gehen. Manche werden eben schneller erwachsen.


Lg und nochmals herzlich willkommen

Elfe


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