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zweite Szene, erster Akt


Ich will mich erschöpfen. Ganz ausschöpfen. Ich will alles, gar alles! aus diesem Kopf bekommen, das ganze Innere, - all die Wüsten und Meere, das Gestrige, das nicht im Heute ankommt, das Herz, das schlägt und hämmert und sich im Kreise dreht, mich und alles; ich will überlaufen, in glänzenden Kaskaden möchte ich zerfließen, in bunten Feuerzungen explodieren, nur raus damit! Ich will mich in dieser Sehnsucht verlieren, will mich in diesem Liebeslied verbrauchen, ich will ewig werden, ewig, und doch flüchtig wie ein Wolkenbruch. Ich will Sterne weinen, ununterbrochen und tagelang, - ich will ganz und gar in dieser kometengleichen Traurigkeit verschwinden, die am Himmel aufblitzt, um zu verglühen.

Ich will schmelzen, in einem einzelnen Lächeln will ich zum Geschmack deiner Lippen werden und auf deiner Zunge zergehen. Ich will ein Blinzeln deiner Augen sein, - oder eine einzelne deiner Wimpern. Ich will dich verlieren, tausend Jahre lang und mehr, - will wie der Wind sein, der die Wolken jagt, um sie doch nie zu fangen, wie die Wellen, die gegen die Ufer schlagen und immer Sand und Erde mit in die Fluten reißen ohne sich selbst zu berühren.

Ich will der Gott sein, für den die Zeit bedeutungslos ist. In Sphären goldenen Lichts will ich wachen, und in blendender Schönheit das Leid der Menschen in silbernen Kelchen genießen; ich will mich am Tod wie auch am Leben laben. Ich will brandschatzend Blut und Rache vergießen, dunkel grollend und tückisch wie die See, und niemals schlafen während die Menschen ihr Leben träumen. Wenn die Männer kalt sind und die Frauen alt, will ich meinen Hohn über sie schütten, und dann die Zeit mit einem Kuss aus den Fugen reißen, damit sie einmal glücklich werden.
Und an den fernen Gestaden sitzend, will ich zur Ewigkeit werden. Zum Glutfeuer zerberstender Sonnen, die die Menschen von Planet zu Planet treiben, immer ruhelos, immer in das expandierende Universum hinein, weiter, weiter, bis es keine Grenzen mehr gibt, und strudelnd, grausam Licht mit Finsternis verschmilzt.
[Xibalba].




Ich will ausbrechen.

Ich will schweigen.

[Die Welt ist nicht genug].



doch die hand schließt sich um die gurgel und ächzend entflieht die luft den lippen. der schnitter bekommt mich am ende doch, und alles, was ich gesagt habe, wird verloren gehen. niemand wird sich an mich erinnern, niemand wird mich vermissen, alles wird ungebunden zu asche zerfallen, mit den jahren, und jede seite, jedes wort, wird ungehört auf kachelböden fallen, - wie münzen, die keinen klang erzeugen. ich? was bin ich, - ich bin nichts als der zweifel, und das rote licht hinter den fenstern im dritten stock eines wohnblocks. ich bin die sterblichkeit, ich bin flüchtig, ich bin nutzlos, ich bin im wind verloren, ...
ich wäre gerne vieles, viel mehr als ich sein kann, aber mit großen gedanken kehrt auch die müdigkeit wieder. die erschöpflichkeit des verstandes, und der ekel. schätzen die menschen ein werk dieses ausmaßes? haben sie es verdient? oder ist es nicht besser, die zeilen wieder zu tilgen, bevor ihre augen sie erfassen?

das alles ist nur ein moment.
nur ein augenblick.
ein einzelner herzschlag.

dann verlassen die zuschauer den saal in ratlosem vergessen und denken an morgen, und an die einkäufe und das bisschen unterhaltung, das sie auf dem weg zwischen hier und dort auf den straßen finden. die erinnerungen betrügen sie am ende. alle. und wenn unsere leichen vermodert sind, und die grabsteine verwittert, und sich niemand mehr an uns erinnern kann, an uns, die wir uns liebten und hassten, die wir kämpften und die kämpfen verloren haben, dann, ... dann? war denn dann alles vergebens?




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