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King for a day // 7th Arm of the Sun


Privatnotiz.
Ich höre Jack Johnsons Good People, und ich möchte mich in diesem Wohlgefühl verlieren, in diesem Regentag. Heute, das ist ein Montag Abend, und die ganze Welt erscheint mir losgelöst.

Wie die Dämmerung, die sich über das Bisschen Welt schiebt, das ich durch meine Jalousien sehen kann.

In der Wohnung brennt warmes Licht, es riecht nach Tee. Das Bett ist zerwühlt. Dieser ganze Tag besteht aus Alltäglichkeit. Ich bin länger im Bett liegen geblieben, weil ich mich nicht dazu aufraffen konnte, schon um fünf Uhr aufzustehen. [Fünf Uhr ist eine grausame Uhrzeit. Eine herzlose Uhrzeit. Um fünf Uhr morgens zwitschern zwar Vögel, aber in meinem Gesicht zwitschert nichts. Nur die Müdigkeit, - und das ist kein angenehmes Zwitschern. Eher ein Krächzen. So, als würden zwei Autos ineinander rasen. Das ist mein Gesicht? Ganz unmöglich]. Also: ich, wie ich mich unter der Zudecke versteckte, unsichtbar, kleinlaut, wie ein kleines Kind, das nicht zur Schule will, und denkt, es wäre unter dem Bisschen Stoff in Sicherheit. [Die Welt endet aber nicht mit dem Schließen der eigenen Augen]. Dann flapsige Bewegungen, weil der Wecker zwei Stunden später klingelt. Sicher, ich hatte das ja so eingestellt. Aber auch dann, nein, nein, dann auch nicht. Da draußen ist es kalt und nass, im Halbschlaf drückte ich den Wecker ab. Und verschlief auch die nächste Vorlesung. Und die nächste, und die nächste. Ja, genau so hab ich mir mein Studentenleben vorgestellt.
Irgendwann war ich dann doch draußen, - aber nur zum Einkaufen. Salat und Tomaten, und ein bisschen Brot, und Milch. Ein typischer Acht-Euro-Einkauf. Mehr brauch ich nicht, am Tag, und dann das Busfahren durch die windigen, von schweren Wolken verdüsterten Straßen. Zuhause dann ein bisschen Lesen, ein bisschen Filmeschauen, Telephonate mit dem Chaosmädchen, Amy, Luca und meiner Mom, und essen, und trinken, und Sport.

[Das ist eine Form von innerer Erlösung].

Ich mag die Tatsache, dass ich mir meine Zeit selbst einteilen kann. Das ist unglaublich befreiend, - erst recht an den Tagen, an denen man es so richtig erkennt. [Heute ist so einer von diesen Tagen]. Ich mag den Gedanken, im Bett liegen bleiben zu können, wenn ich es will, und auch den Gedanken, dafür später härter arbeiten zu müssen. [Ein Fehltag bedeutet zwei darauffolgende Arbeitstage, - im wahrsten Sinne des Wortes]. Ich muss nicht mehr über mich nachdenken, ich funktioniere einfach: alles, jede Bewegung, jedes Wort, alles wie ein Uhrwerk. Und manchmal setze ich auch einfach aus. Ein Kuss schmeckt süßer als vorher, ein Sonnenuntergang ist farbenprächtiger, und das Herz?

Ist federleicht.

*

Als ich im Schatten saß, da wusste ich plötzlich alles. Jede Möglichkeit, und jede Chance, - und ich wusste, ich würde nach all dem greifen. Ich würde das hier beenden, was immer ich zu beenden hatte, und dann würde ich wegziehen. Fort, ich sah die Kisten und das in Papier gewickelte Glas, die Kartons, mit schwarzem Filzstift beschrieben. Ich würde alles zurücklassen, und umziehen, - dorthin, wohin mein Herz mich führte. Und ich würde dort wohnen, eine Weile, vielleicht viele Jahre, dort, dort würde ich leben, mit anderen Menschen zusammen, und helfen, durchdrehen und vielleicht sogar Kapital daraus schlagen, ich würde versuchen, das Leben wie eine Urgewalt zu leben, - und alles würde sich fügen.

Jeder Tag breitete sich vor mir aus.

Bunt und laut, und wie das Rauschen von Wasser, das über Klippen in den Abgrund stürzte. Ich sah Menschen, die ich nicht sehen konnte, und Kinderaugen, die in den Gräsern Grillen fingen, und Bäume, die im Wind wogten, und eine Wohnung mit hölzernem Parkett und hohen Wänden. [Ein Traum? .] Straßen, ewig dieselben Straßen, aber lang und gerade und in goldenes Licht getaucht, - wie unter dem Leuchtfeuer Xibalbas. Im siebten Arm der Sonne, im brennend heißen Sand, und im Schnee, der die Welt zu Eis erstarrte.

[...] Auch die Kamera, die ich kaufen würde, sah ich, eine bessere, um die Bilder einzufangen, die ich nicht mit Worten greifen konnte, - eine Kamera, die mich dann später in den Krieg begleiten würde. Denn dahin würde ich letzten Endes gehen. In den Krieg, in fremden, fernen Ländern, an weiten, sandigen Gestaden und unter dem Funkenschlag zerberstender Raketen. Und vielleicht würde ich dort sterben, ängstlich, vielleicht, und alleine, und unmenschlich im Terror versunken. Ich würde rissige Hände bekommen und traurige Augen, aber das war bedeutungslos. Das war nicht weiter wichtig. Ich würde alles verlieren, aber dieses Nichts wäre reiner als alle anderen Güter, und die Angst würde an sich selbst zerbrechen. [...]

Ich wusste es plötzlich, ich sah es ganz klar.

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