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ein Spiel aus Licht und Schatten


Privatnotiz.
Das Lagerfeuer spuckt knisternd Funken in die Luft, die dann als Sterne rückwärts fallend im Himmel verglühen. [Über uns flieht die Nacht]. Wenn es eine Ewigkeit gibt, oder gäbe, - sie wäre nicht nur im Tod zu finden, - sie läge auch im Feuer, das rot und gelb und orange aufsteigt, zur Säule aufsteigt, zum Flammensturm, um dann zur kalten Glut zu werden, und im Rauch, der wirbelnd Asche mit Asche vereint, um sie dann einander zu entreißen; sie liegt im Holz, das geschlagen und gespaltet zu unseren Füßen liegt, an dem gierig die Flammen lecken, die über es zügeln, ohne je den Sinn dahinter zu erkennen. Die Ewigkeit liegt in uns, verborgen, in einem Moment der Eile, und dunkel dürstend, wie das Feuer selbst: im Herzen, das unseren Willen speist, ...

Wir saßen am Lagerfeuer: Jo spielte Gitarre und sang dazu, - Carrie begleitete ihn, - und Tom, Trish und ich saßen unweit daneben und hörten zu. Starway to Heaven. [Der Abend möchte mir ewig erscheinen].

Jetzt, im Nachhinein, weiß ich, dass ich wieder glücklich war. Irgendwie. Unbrauchbar glücklich, - wie ein Duracell-Häschen, dem endlich die Puste ausgeht, oder wie die zwei Parallelen, die sich endlich in der Ewigkeit berühren. Als ich nach Tubinga gekommen bin, war ich allein, und jetzt? Jetzt nicht mehr. Etwas daran, so logisch es auch sein mag, finde ich erstaunlich. Diese Leben, die sich verbinden und vernetzen, -- Und es ist soweit weg von dem, so weit weg, von dem, was ich hatte. Und es ist egal, wie fade und oberflächliche Avalon mir heute erscheint: es gab auch schöne Momente; mit Narziss und Andrea, mit Vincent und Helayn, - mit vielen Menschen, zu denen ich den Kontakt verloren habe, oder immer noch verliere, weil es nicht geht, - weil es nicht passt. [Weil die Konsequenz die schiefe Ebene der Vergangenheit nicht mehr ertragen kann]. Und dennoch ist es so fremd, das hier, und gleichzeitig so, als würde ich es schon mein ganzes Leben lang kennen.
Es fällt auf, dass ich die Lieder nicht kann, die sie alle anstimmen, - es ist so ähnlich wie der Pittiplatsch-Skandal [:D] in Berlin, - oder dass ich wenige Lagerfeuermomente in meinem Leben hatte, wenig Grillfleisch, wenig sternenklare Nächte, weniger Sorgen. Deshalb wurde ich auch nicht gehört, als ich von meinen Ideen bezüglich 1984 [der Name des neuen Projektes] sprach. Sie wollten es nicht an einem Abend wie diesem hören, - diese Predigt, das alles möglich ist, das man eben nicht optimiert denken soll, sondern handeln muss, und das es Zeit braucht, um es zu organisieren. Nur Trish hat mir zugehört, und sie scheint es sich zu überlegen, wohingegen ich Tom fast wieder an die Gurgel gesprungen wäre, wegen seinen argumentativ-abgeschliffenen Phrasen, - aber das werde ich wannanders analysieren. [Das regt mich jetzt nur wieder zu sehr auf, - und außerdem ging es gestern auch nicht darum].

Mir fehlen solche Momente. Ich habe sie nie erlebt, weil ich ruhelos bin, und nie, niemals, lange an einem einzelnen Ort verweilen kann. Deshalb selten Freunde fürs Leben, deshalb Instant-Beziehungen, deshalb schnellen Sex und ein bisschen Melodrama für unterwegs.
Und immer, wenn ich jetzt daran zurückdenke, dann fällt es mir auf, - wie eine Schramme, oder nein: wie ein Pixelfehler, überdeutlich, nicht schmerzhaft, sondern störend. Ich bin nicht so wie ihr. Ich. Ich. Ich. Ein Mann ohne Eigenschaften, ein Leben ohne Besonderheiten, - eine leere Leinwand. Darum saß ich gestern schweigend da, zum Ende hin, und habe sie beobachtet, - wie natürlich sie sich in dieser Sphäre bewegen, wie selbstverständlich ihnen alles erscheint, ohne dass es seine Schönheit verliert, oder ihre Bewunderung. Ich muss mich anstrengen, taue erst langsam auf, ... Das ist seltsam. Und ich kann es schlecht erklären.
Vielleicht brennen sich deshalb solche Tage/Abende so heftig in meine Erinnerung: so klar, fast überdeutlich, samt jeder Geste und jedem Wort, ineinander gereihte Augenblicke, denen man so selten habhaft wird. Und vielleicht stimmt es: zusammen ist man weniger allein. Und vielleicht macht es alles besser. Egal wie schlimm es noch wird. Egal, egal wie es kommt.

*

[Es ist, als würde ewig brennend, ewig fließend, alles, alles, was geboren wurde, um zu sterben, eins werden. Als würde jeder Nichtigkeit und jedem Versehen eine Bedeutung beigemessen, die sich letztlich doch zum Guten wendet. Als würde jede Bürde mit einem Kuss verblassen und jede Last mit freundschaftliche Güte getragen, irgendwann einmal doch ihr Ziel und ihre Bestimmung finden. Es ist, als würde es stimmen, als würde alles passen, als würde alles einen Sinn ergeben.

Doch jedes Licht kennt seine Schatten.
Die Dunkelheit verliert nicht ihren Schrecken.

Sie kommt zwischen den Stunden des Lichts, und dann, dann, wenn man es am wenigsten von ihr erwartet, zieht sie auf. Mit dunklen Trommeln, und Blitzen, die den Himmel zerreißen. Und sie saugt dem Leben die Farben aus, und die Hoffnung auf Besserung, - sie weckt den Ekel in unseren Herzen und die Eifersucht. Sie leckt und spuckt mit Einsamkeit: in Verliesen ist sie das Gitterfenster, durch das der Himmel seine Unendlichkeit verliert; in den Köpfen ist sie das Gestern, das kein Morgen kennt. Sie ist das Gift, das Liebende mit Wollust trinken, und das Schwert, das die Krieger doppelseitig sticht. Sie ist der Wahnsinn, der im Stillen brennt und der sich dann zur Flammenwand erhebt, die niederbrennt und frisst und schlingt, und nichts mehr, nicht einmal Vergebung, übrig lässt. Nur Schuld. Nur Bürde. Nur Leid und Schmerz, und Blut, das neues Blut gebärt.

Und nichts, und nichts will Sinn ergeben, weil die Welt ins Dunkel sinkt.

Fürchtet das Dunkel.
Fürchtet die Finsternis.

Sie nimmt euch alles.
]

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