out of mind | out of time | out of kilter | out of tune | out of order | out of place | all-out, all-out, all-out

  • kostenlos mitmachen

Meine Nickpage



die Luft // Ouse // die Umlaufbahn


Privatnotiz.
Die Luft ist zu dick, um geatmet zu werden.

Alles steht still, und schief; da ist kein Himmel über den Straßen, keine Menschen, keine Automobile oder Aeroplane, keine ratternden Züge, - nur ein bisschen Asche, und Tabakkrümel, die unberührt neben ein paar abgebrannten Streichhölzern liegen; nur die Regentropfen, die an den Fensterscheiben abperlen, - wispernd erzählen sie von den Wolken, die nicht mehr existieren, - und der Wind, der lautlos die Vorhänge bauscht.
Die ganze Welt ist nun mehr eine Notiz. Eine flüchtige Skizze. Nur ein Traum von zwei Freunden Fremden, die sich nicht [mehr] sehen. Eine Erinnerung an eine Schaukel, die den Horizont mit der Erde vereint, in dem sie schwingt, in dem sie hoch eilt, und immer höher, in dem sie die Gravitation besiegt, und sich schließlich überschlägt, und sich verheddert und verdreht, bis sie noch ein bisschen wackelt, bis sie wieder stumm und still in der Schwerkraft hängt. Bis das Holz morsch wird, bis es zerfällt. [Ja, du liebst mich einfach nicht].

Die Kinder sind fort. Der Rasen ist leer.

Eine Erinnerung an ein Heute, das besser aussah als das Gestern: voller Wehmut schaut man zurück. Die Seiten der Tagebücher sind mit Worten gefüllt, mit Bildern, Gerüchen, mit den Melodien der Väter, Umarmungen der Mütter, mit den Küssen und Berührungen der Liebenden, - und es verblasst mit der Zeit. Je länger man diese Tage lebt, je länger man aufsteht und sich hinsetzt, je häufiger man liebt und geliebt wird, je stärker man hasst, je verzweifelter und glücklicher die Zeiten vergehen, desto unschärfer wird man selbst. Die Grenzen geben nach; sie drücken ein, sie werden durchlässig, und lösen sich schließlich irgendwann ganz auf. [Schläfst du gut, - nachts, wenn die Träume wiederkehren? .]

*

An der Ouse blühen keine Krokusse.
Die Ouse ist jetzt ein reißender Fluß.
Sind meine Gleise ihre Gewässer?

*

Wer bin ich?

Ich bin heute morgen aufgewacht, und habe es vergessen. Habe ich geliebt? Hatte ich Freunde? Wer ist dieser Mensch, der hinter diesem Gesicht steckt? Hinter blauen Augen, hinter dem Dreitagebart, - was ist da, außer Poren und Fleisch? [Man möchte sich freikratzen].
Luca verschiebt meine Grenzen der Wahrnehmung recht drastisch. In seiner Gegenwart, und sei sie momentan nur virtuell, fühle mich wie ein Vampir, lichtscheu und blass, mit zu großer Nase und zu wenig Kanten und Ecken: wie ein Wesen, das sich an ihm labt, an seiner Kreativität, an seinem musenhaften Wesen, und ich kann das alles nicht mehr filtern, - ich ertrinke in der Flut. Ständig rammen mich Ideen und werfen mich aus der Umlaufbahn meines nahezu geregelten Lebens: HIER: schreib schnell einen Text über Klaustrophobie [und das werde ich auch demnächst]; HIER: beende den Artikel über Virginias Missbrauch [und das werde ich auch demnächst]; und hier und da und überall: das ist gerade so, als gehe man aus der dunklen Höhle hinaus ins Freie und starre direkt ins Sonnenlicht: man erblindet.
[Das klingt jetzt negativer als es ist].
Die Analyse lautet wie folgt: Mein Job laugt mich aus. Ich habe ständig Durst. Die Unruhe wächst. [Ich kann mich schlecht an meine eingegrenzte Privatsphäre gewöhnen]. Ich wippe mit dem Knie und kaue auf meinen Lippen herum, reibe mir nervös die Augen, verwuschle mir alle fünf Minuten die Haare und habe schlimme Phasen des Wahnsinns. [Wahnvorstellungen]. Ich fühle mich bedrängt, gehetzt, - von meinem Halbbruder J., der mir die Arbeit zugeteilt hat [er glänzt durch Abwesenheit]; von meiner Mutter, irgendwie, und ohne Grund, obwohl sie mir wirklich versucht, Freiheiten einzuräumen; von Luca, der mir allerlei Anspielungen vor die Füße wirft, lauter Anzüglichkeiten, [usw.], die mich nicht nur irritieren, - manches gefällt mir auch, zugegeben; von der Gesamtsituation Uni[versum], und die Reisepläne nach Berlin stressen mich auch ein wenig [es ist noch rein gar nichts geklärt]. Ich komme mit meiner Geschichte nicht voran, weil ich meine Aufzeichnungen alle in rottencom gelassen habe, und die Hausarbeit schreibt sich leider immer noch nicht von alleine. [Und ja, irgendwie gefällt mir das auch alles, ja ja ja, muhahahar].

Ich werde nun alles ein bisschen eingrenzen. Alles nach der Reihe; das rät mir jeder [Fernseh]Therapeut. Ich muss ein paar Fragen für mich selbst klären:

1. Was kann ich von mir selbst in dieser kurzen Zeit erwarten?
2. Will ich die ménage à trois nicht in Wirklichkeit? Und falls ja: was würde das für mich bedeuten?

Ich muss erst diese Hure von Job beenden, dann den Artikel, dann die Essays, die auf mich warten, und die Hausarbeit. [Die Kreativität für andere Dinge kann ich eh nicht drosseln; wenn ich kreativ bin, dann bin ich es]. Ich muss die Reiseziele klar vor Augen haben, und auch das, was ich mir davon verspreche. Blablabla.

[Ich komme mir plötzlich dumm vor, das alles zu schreiben].

Ich muss hiermit pausieren.
[Ich habe noch nie so viel in so kurzer Zeit publiziert; die zwei Blogs hier, das andere Blog auf twoday; die ganzen Notizbucheinträge, usw. - aber nichts ist wirklich produktiv. Bisher nur egoistisches Geschwätz. Selten wirkliche Inhalte, - außer ich und ich und ... ich. Das langweilt mich selbst, diese ganzen Wiederholungen, die nicht nötig wären. Das muss sich wieder ändern. Ich plane einige Übungen, Schreibübungen, - an die werde ich mich im Laufe des nächsten Monats wagen, - alles Private wandert in mein Notizbuch. Ich vermisse meine eigene Radikalität, - das ist absurd. Also mehr experimentelles, mehr Versuche, mehr Perspektiven, usw].

Sonst verliere ich mich [weiter] selbst aus den Händen,
und die Träume,
diese Träume
werden nicht nur Teil meines Verstandes,
sondern mein Verstand selbst.



<< vorheriger Eintragnächster Eintrag >>

Kommentare

morbus! [Tb: out of mind] - 02.03.2007 12:14
danke. das ist fast wie ein ritterschlag. [& sind wir nicht die eigentlichen stars hier im tagebuchland? ich meine, schau uns interne kleine clique doch mal an, wir werden geliebt, begehrt, vergessen, & dann doch wieder hervorgekramt. wie die großen]. :D ich werde improvisieren.

lethe - 02.03.2007 12:06
Also ich finde das sehr produktiv, befinden wir uns ja schließlich auch im Tagebuchland, wo sich alles um das berühmte Ich dreht. Wenigstens einmal sind wir so Stars, sozusagen*grinsigrins*. Ich will also nur sagen: schreib ruhig weiter so viel, mir macht das lesen großen Spaß.

Kommentar schreiben

Du musst dich Einloggen oder kostenlos anmelden um Kommentare zu schreiben