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Die Bar-Safari, später


Die "Bush-Bar" war eine Halle, eigentlich ein Garten, über den eine Plastikplane gespannt war. In der Mitte, etwas erhöht wie ein Boxring, eine Bühne. Versteckt zwischen Büschen, Hecken und Bambus-Zäunen verteilten sich Tisch und Stühle. Im Unterholz lauerten schwarze Aale in Netzstrümpfen, Kraken im gürtellangen Ledermini, aufgeqollene Quallen räkelten sich am Tresen und bewacht wurde die vertrauenerweckende Menagerie von einem Schwarm uns finster musternder Barrakudas. Wir waren ahnungslos wie die Mondfische, sahen uns sogleich eskortiert von vier Damen, die man neben uns plazierte. Eine war häßlicher als die andere. Ich drehte mich suchend um und entdeckte am Nebentisch knuffige Tintenfische mit eingeflochtenen Rasta-Zöpfen aus Kokosfasern. Zumindest hatten sie die Farbe. Sie zeigten sich allerdings desinteressiert, denn sie waren mit ihrer Beute beschäftigt. Von unseren Damen war eine so jung, daß ich die Managerin bat, sie doch zu entlassen, sie wisse offenkundig nicht, warum man sie engagiert habe. Meine Nachbarin wußte es dagegen viel zu genau und sie beklagte sich schon nach wenigen Schlucken cuba libre, ich würde mich nicht um sie kümmern. Unmöglich ihr zu gestehen, daß sie unteridisch häßlich war. Mit ihrem zusammengedrückten Gesicht und dem breiten Grinsen erinnerte sie mich fatal an einen Frosch. Dazu hatte sie eine Figur aus Kuchenteig und einen speckigen, blaugeäderten Bauch. Froschbauch. Naiv versuchte ich vier Cocktails später, ihr zu entkommen, aber sie verfolgte mich, umarmte mich, küßte mich, umschmeichelte mich mit süßen Liebesschwüren und so ergab ich mich in mein Schicksal, geliebt zu werden von Fräulein Froschgesicht. 


Die Managerin kündigte den Beginn der großen Abendshow an. Wir wurden in die große Halle, vor das Podest gesetzt. Der Kleine Hammerhai schlief tatsächlich ein. Neben seiner Dame, auf die Ellenbogen gestützt. Mein Frl. Froschgesicht vermutete, seine Gesellschaftsdame sei vielleicht ein wenig langweilig. Eine lobenswerte Einstellung, immerhin sind sie Dienstleister.  Herr F zog mal wieder das große Los. Ihm wurde die Schönheitskönigin des Abends zugeteilt. Die einzige, die nicht einem Gruselkabinett entlaufen war. Mini-Rock, tief ausgeschnittene Bluse mit Weste, lange, schlanke Beine, hübsche große Augen und keine Papaya-Titten. Sehr ansehnlich.


Während ich der hübscheste Hure des Abends noch die wohlverdiente Bewunderung zollte, begann die Show. Eine Person sprang aus der Kulisse, die etwa 1,40 m groß war, aus einem Gummiball modelliert schien, nur aus überdimensionierten Arsch und Kugeln bestand und unbeholfene Verrenkungen vor einem Wandspiegel zelebrierte. Sie trug ein gelbes T-Shirt zum schwarzen Mini und sie war früher Hofnarr gewesen. Uneigennützig und kollegialiter wollte ich meinem dümmsten Reisekumpel zu einem unvergeßlichen Erlebnis verhelfen und bedeutete daher dem Froschgesicht, der Kleine Hammerhai hätte Interesse an einer Bekanntschaft mit diesem absonderlichen Gnom. Sie nahmen dann auch Kontakt auf. Der Kleine Hammerhai ließ sein Lustobjekt auf den Knien aufreiten, einmal vorwärts, einmal rückwärts, dann hob er das laut quiekende Wesen mit beiden Händen in die Luft und setzte es auf dem Fußboden ab, um weiterzuschlafen. Allerdings wurde er bald wieder geweckt. Von einem ungeheuren Monster von etwa 1,90 Schulterhöhe und bestimmt mehr als 200 kg Lebendgewicht. Das Hippopotamo trug nichts weiter als einen Tanga mit Baströckchen und  fläzte sich bekifft bis unter die Kokosfaser-Zöpfe  auf dem Fußboden, begleitet von den Klängen einer undefinierbaren Musik. Ein grinsendes Mädchen lief herum und sammelte Shillinge für diese gelungene Darbietung. Es folgte der Publikumsteil. Das Ungeheuer sah sich suchend um und ich verstand keine Minute zu früh, sie suchte nach einem Freiwilligen. Mein Glas war zufällig leer. Ich wählte den Rückzug an die Bar und aus sicherer Entfernung nahm das Gemetztel seinen Lauf. Ein Fall für Amnesty Inernational.


 


  


 


 


 


 


 


 


 


   

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