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5. Tag. 5.7. Mayotte


Mi. 05.07.  Mayotte/Mahore


Morgens wankten die "Überlebenden" an Deck, denn es kam die Insel Mayotte in Sicht. Die gehört als einzige der Komoren zu Frankreich, denn die Bewohner hatten an ihre Brieftasche gedacht, als sie gefragt wurden, ob sie selbstständig werden oder weiter zu Frankreich gehören wollten. Die 4 oder 5 anderen Insel müssen jetzt selbst zusehen, wie sie mit dem Export von Vanille und Ylang-Ylang über die Runden kommen. Moheli, eine Nachbarinsel, wollte deshalb wieder Kolonie werden, aber in Paris winkte man ab.


Wir legten im Hauptort der Insel an. In Mamoudzou. Sr. Moreno hatte uns vor den Taxifahrern gewarnt: Sie würden 4 Std. Inseltour anbieten für 60 $ und schon nach 2 Std. die Touristen wieder am Schiff absetzen. Sie hätten ja nicht gesagt, wo angehalten werden soll und so habe die Tour eben nur 2 Std gedauert. Für unverändert 60 $ versteht sich. Die Schlauberger machen sich zunutze, daß kein deutscher Tourist Französisch spricht. 


Solchermaßen vorgewarnt, nahmen wir teil am offiziellen Bordprogramm und wurden mit 12 Minibussen über die Insel gescheucht. Pausen dauerten selten länger als 10 Minuten und waren ausgefüllt mit Erklärungen der Reiseleiterinnen, die, kaum 20 Jahre alt, ihre Schulaufsätze vortrugen. Streng eurozentrisch. Etwa so: "Die Eingeborenen hier sprechen noch Arabisch..." Ja mei, sollen die vielleicht uns zuliebe Deutsch sprechen? Übrigens sind es französische Staatsbürger mit Paß der EU, also keine "Eingeborenen", auch wenn sie mit ihren gelb geschminkten Gesichtern exotisch daherkommen...


Mit der Botanik waren sie auch großzügig. Im Zweifel ist alles ein Leberwurstbaum. Der wächst hier und seine Früchte ähneln wirklich langen Leber- würsten. Eine Akazie aber hat flache Hülsen, keine - na gut, egal.


Die Geschichte vom Affenrotbaum, dem Baobab, die war nett: der hatte bei der Erschaffung der Welt ständig Nachbesserungswünsche vorgetragen. Er verlangte vom Lieben Gott größere Blätter, süßere Früchte etc. Schwer genervt, habe der Liebe Gott, also in dieser Weltgegend wohl Allah, den Baum schließlich herausgerissen und ihn verkehrt herum wieder in die Erde gesteckt. Und so sieht er heute noch aus. 


Auch die Hochzeitsbräuche der "Eingeborenen" sind sehr charmant: drei Monate vor der Hochzeit wird die Braut eingeschlossen, damit die Haut heller wird und sie wird gefüttert, was die Haushaltskasse hergibt. Drei Monate nach der Hochzeit dann besucht sie der Vater und er trägt eine Waage unter dem Arm. Ist die Tochter zu dünn geworden, nimmt er sie wieder mit. Denn entweder kann der Mann sie nicht ernähren oder die Ärmste ist totunglücklich und verweigert die Nahrung.


Lady Midnight grübelte schon die ganze Zeit über ein von der EU gefördertes Projekt zur Vermarktung von Ylang-Ylang. Sie suche nach einer größeren Fabrik, wo die Destillation nicht hinter dem Haus betrieben werde. Dazu seilte sie sich nach dem Ausflug ab, Herr F und ich kamen mit. Per Taxi wagten wir uns ins Stadtinnere von Mamoudzou. Natürlich war unter den angegebenen Adressen keine Fabrik zu finden. Einzig ein Händler, der uns nach Nosy Be weiterempfahl. Im Cafe am Fähranleger sprach mich ein Typ auf Deutsch an, seine Großmutter stammte aus Hannover. Er sei Redakteur der Lokalzeitung und wenn ich noch einmal nach Mayotte käme, könnte ich bei ihm wohnen. Das wäre auch bitter nötig, denn das einzige Hotel, das "Jardin Mahorais", kostet 200 $ die Nacht inkl. zwei Mahlzeiten. Die Kolonial-Franzosen flüchten nach Nosy Be, machen dort Urlaub, weil es viel billiger ist. Wie günstig, das wird unser nächster Landgang:


6. Tag Do. 06.07. Nosy Be - Madagaskar 


   


 

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