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The mystery of me


Jeder Mensch hat gewisse Eigenarten und Hobbies, die ihn zu der Person machen, die er ist. Ich für meinen Teil bin dafür bekannt alles und jeden zu analysieren. Viele sagen, dass ich gute Menschenkenntnis habe und die Leute verstehe. Inzwischen glaube ich, dass das ähnlich ist wie mit den Sinnen. Wenn man einen Sinn verliert und nicht sehen kann, wird man dafür besser im fühlen und hören. In meinem Fall verstehe ich andere Leute besonders gut, weil ich es nicht schaffe, mich selbst auch nur ansatzweise zu verstehen.
Dinge, die ich denke, Dinge die ich mache, ich versteh sie einfach nicht. Genauso die Dinge, die ich nicht mache, wie zum Beispiel meine Gefühle vor anderen Zeigen, mich den Leuten öffnen. Warum kann ich das nicht? Das ergibt doch keinen Sinn. Letztendlich will ich es doch eigentlich. Weshalb also bin ich immer wieder so hart nach außen, wenn ich innerlich völlig kaputt bin? Warum ist es so schwer für mich, vor anderen zu weinen. 
Ich weiß noch, als ich in Uruguay war und Raúl nur von mir hören wollte 'te quiero', das heißt so viel ich mag dich sehr, grenzt an lieben aber heißt nicht ich liebe dich, denn das wäre 'te amo' auf spanisch. Aber ich hab es nicht gesagt, zumindest nicht oft, dabei war er mir so wichtig zu der Zeit. Er war alles was ich hatte und alles was ich brauchte. Ohne ihn war ich bloß eine Hülle, wobei ich mir nicht mehr ganz sicher bin ob ich denn überhaupt irgendwas anderes als das war in den zehn Monaten. 
Er hat mich oft gefragt was ich fühle und wenn ich traurig war, wollte er, dass ich ihm den Grund dafür nenne. Doch all das, ich habs nie richtig hinbekommen. Ich fand einfach keine Worte. Wenn ich mich mal wieder schlecht fühlte, weil ich mich so unwillkommen in der Familie fühlte, habe ich es ihm nie erzählt, wenn ich traurig war, behielt ich es für mich, wenn mir alles so unfair erschien und ich mich fühlte wie ein Zombie, ich behielt alles in mir.
Dabei hätte es mir mit sicherheit geholfen, ich hätte mich jeden anvertrauen können, da waren genügend nette Leute und alle meinten nur zu mir 'July, warum redest du denn immer so wenig, was ist los?'. Und von mir kam so etwas wie 'Nichts ist los. Ich hab einfach wenig zu erzählen'. Wobei das in den Momenten nie gelogen war. Ich dachte mir nur, was sollte ich denn erzählen? Dass meine Gastmutter ein bisschen zickig ist? Die würden doch nur denken ich mache einen auf drama. Dabei war es nie so unwichtig, das weiß ich jetzt. Meine Gastmutter hatte etwas aus mir gemacht, was einem Psychischen Wrack äußerst nahe kam. Und dieses ständige Gefühl, niemanden zu haben, der für mich da sein konnte und die Panik, die immer in mir aufstieg, wenn ich eigentlich jemandem erzählen wollte, was mit mir los war, aber nie die passenden Worte fand machte mich fertig. 
Manchmal, wenn ich so darüber nachdenke, was in den zehn Monaten war überlege ich so, ob ich vieleicht einfach übertrieben habe. Aber dann denke ich an die Albträume, die ich wirklich bekommen hab, Wochen, nachdem ich schon wieder zurück war, in denen ich mich wieder in dieser hilflosen Situation befand und all die unterdrückte Panik und Wut und Trauer wieder spüre, wird mir klar, was die Zeit eigentlich mit mir angestellt hat. 
Ich kann nicht sagen, dass es mir jetzt besser gehen würde, wenn ich nie weg gewesen wäre, denn ich bin im vergleich zu vorher jetzt viel aufgeschlossener und wirke selbstbewusster und ich gehe davon aus das Auslandjahr hat viel dazu beigetragen. 
Trotzdem habe ich mich gegenüber gewissen Dingen jetzt nur noch mehr verschlossen. Ich weiß nicht, ob es an den zehn Monaten in Uruguay liegt oder schon immer so war und mir nur jetzt erst richtig auffällt. 
Ich denke dass meine verschlossenheit auch viel damit zusammenhängt, dass ich immer denke, andere verstehen mich nicht. Sobald ich versuche mich auszudrücken klingt alles schon so absurd und ich erinner mich an meine Freundin, die von ihrem Ex geschlagen wurde und ihre Mutter sie nicht akzeptiert und dann meine andere Freundin, die herausgefunden hat, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist und ihre Mutter es verleugnet und dieser sie auch noch schlägt und auch da die Mutter nicht eingreift und sich bei allen so viel anhäuft und ich steh da und bin fertig weil mein Vater am rumschreien ist und denke mir nur, ich hab garkein Recht traurig zu sein...
Aber letztendlich bin ich es trotzdem und ich will einfach nur dass es aufhört. Ich wünschte ich wüsste einfach immer genau, wie ich mich zu verhalten habe und genau weiß, dass es auch gut rüberkommt und mich niemand für komisch hält. Aber das ist vermutlich einfach menschlich, ich meine, wenn man denkt man jemanden gefunden der perfekt ist, hat man nur noch nicht die tiefere Sict gehabt, denn jeder hat irgendwelche Leichen im Keller. Manche haben einfach nur das bessere Versteck gewählt.
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