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Tradition im Gepäck


Bevor ich mich nun morgen in eine der schönsten Hauptstädte Europas begebe, philosphiere ich noch schnell über Traditionen.

Ich rede nicht von Weihnachtsbräuchen oder Bergfesten...ich rede davon, was Menschen ihren Kindern und Kindeskindern an "Verhaltenstraditionen" mit auf den Weg geben...

Es ist erstaunlich, was ein Mensch von seinem engsten Umfeld mit ins Leben gepackt bekommt und wie er dieses Gepäck weitergibt, ohne sich dessen bewußt zu sein...und doch ist es irgendwie logisch.

Mütter zum Beispiel können ihren Kindern mit auf den Weg geben, dass die Mutter, Gattin und Frau viel aushält.

Sie versteht sich vlt nicht mit dem Gatten, bleibt aber bei ihm. Sie kümmert sich um Haushalt, Garten, Kinder und geht vlt noch einem kleinen Job nach...steht am Morgen vor allen anderen auf und geht als Letzte am Abend ins Bett...den ganzen Tag beschäftigt und am Ende ihrer Kraft...dennoch funktioniert sie weiter; jeden Tag.

Sie wirkt nicht glücklich, scheint es aber anspruchslos zu tragen, ohne zu klagen...weil sie viel aushält.

Väter können ihren Kindern mit auf den Weg geben, dass Ehre und Ansehen sehr wichtig sind, dass auf den männlichen Schultern die Verantwortung der finanziellen Versorgung liegt, und es wichtig ist, hocherhobenen Hauptes durch die Straßen gehen zu können, weil man ein anständiger und aufrechter Bürger ist.

Er arbeitet von früh bis spät und legt noch ein paar Überstunden drauf, auch am Wochenende, weil die finanzielle Sicherheit ständig bedroht scheint.

Oberste Priorität ist die Arbeit, denn mit ihr allein steht und fällt das Leben der Familie. Darum ist die Arbeit auch wichtiger als die Familie.

Auch er wirkt nicht glücklich und dennoch tut er es jeden Tag wieder...

 

Und die Kinder werden es so oder ähnlich an ihre Kinder weiterreichen...

So werden Kinder groß, die glauben, Väter sind für alles verantwortlich und haben die Last der Existenzsicherung allein oder hauptsächlich zu tragen und Mütter sind für den reibungslosen Ablauf zu Hause zuständig und schaffen nebenbei noch ein kleines Zubrot ran.

Beide schackern vom Morgen bis zum Abend, sind erschöpft und kraftlos und das ist vollkommen normal.

Liebe...Zuwendung...RAUM für Kinder in ihren Köpfen und Herzen...dafür fehlt die Zeit, die Kraft und: es scheint zweitrangig.

 

Wir waren Kinder solcher Eltern und wurden solche Eltern von Kindern.

Wie schrecklich, als mir bewußt wurde, wir geben die Tradition unserer Familien weiter...

Es ist möglich, mit diesen Traditionen zu brechen. Nicht einfach, aber möglich.

Wie gern hätte ich es als Wir getan...es war mir aber nur möglich, es als Ich zu tun.

So breche ich allein mit meiner Tradition...das Pendant lebt seine Tradition weiter.

Hätten wir unseren Kindern gemeinsam eine neue Tradition mit ins Leben gepackt, wäre es vielleicht besser gewesen, aber vermutlich ist ein Teil neuer Tradition besser als keiner.

So versuche ich meinen Kindern in ihren Lebenskoffer zu packen, dass Mutter und Frau und Gattin nicht aushalten muss, sondern ein Mensch ist, mit Gefühlen, Grenzen und Prioritäten.

Dass sie notfalls auch allein das Leben meistert und für die Familie sorgt; dass es Raum gibt für Kinder mit Sorgen und Nöten...denn das Wichtigste ist nicht, dass man durch die Straßen geht und die Leute denken: Schau, denen geht es gut, das sind aufrechte Bürger.

Sondern dass die Leute ruhig denken können: Schau mal, die, in welchen Verhältnissen leben die denn?

Denn das Wichtigste ist, dass wir, als Familie, uns lieben und die Zeit und den Raum in unseren Köpfen und Herzen haben, diese Liebe zu leben.

Ein aufrechter Mensch ist nicht der, der sich abstrampelt, um nach Außen gut da zu stehen...das ist vielleicht ein aufrechter Bürger...

Ein aufrechter Mensch ist der, der die Gefühle, die ihn ausmachen, lebt. Der lebt, was er ist und was ihn ausmacht. Der WEISS was er ist, sich keine Rolle aufzwingen lässt und zu seinem Sein stehen kann.

 

DAS möchte ich meinen Kindern in ihren Koffer packen und ich hoffe, sie nehmen es mit und packen es später aus, um es ihren Kindern mit ins Gepäck des Lebens zu geben.

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Kommentare

lucky2 [Tb: nur keine hektik] - 01.10.2009 02:17
"Denn das Wichtigste ist, dass wir, als Familie, uns lieben und die Zeit und den Raum in unseren Köpfen und Herzen haben, diese Liebe zu leben."
yep!
Good luck! :-)



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