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Eines Abends


 
 
Sollten es nun wirklich die Dämonen sein, die ihn straften? Jahrelang hielten sie seinen Kopf beschäftigt, hämmerten mit unritterlicher Härte auf seinen Kopf ein, ließen sein Gehirn fast zerspringen und kontrollierten seine Taten.
Straften sie ihn, als Vergeltung für seine Missachtung ihrer Belange oder strafte ihn sein Herz.
Strafte ihn sein Herz als Mahnung vor unkontrollierten Ausbrüchen und dem Schwinden des Verstandes?
Sollte sie es nun sein? Sie da im Dreck auf der Straße vor ihm kniete und ihren Stock suchte. Sie, die ihre bleichen Fingern über den Match fließen ließ, weil sie ohne diesen verdammten Stock nicht sehen konnte?
Warum fiel sie ausgerechnet vor seine Füße? Hatte er nicht schon genug gelitten und genug Leiden verursacht?
Wollte er nicht besser werden? Waren die Jahre der schmerzvollen Therapie völlig umsonst?
Er schniefte. Ich hätte in ein Kloster gehen sollen und um Vergebung beten sollen, das wäre besser gewesen. Dachte er.
Mit gemischten Gefühlen, sah er auf das Häufchen Elend hinab, das da vor ihm kauerte. Die Haare strähnig, das Kleid beschmutzt und Hilfe suchend chaotisch. Ja, sie war in Panik, in Panik, aus Angst vor dem Überleben.
Oh ja, er spürte es wieder, diesen leichten Anflug von Häme. Dieses Gefühl der Überlegenheit, diese männliche Kraft. Er spürte ihn, den Dämon, wie er sich langsam in seinem Inneren dahin wälzte und wie ein Tumor wucherte. Doch er musste sich zusammen reißen. Eine Chance hat er bekommen. Eine, nachdem er so vielen Frauen das Leben zur Hölle gemacht hatte. Deren Leben war zerstört, doch er durfte weiterleben, durfte alles vergessen, doch hatte er da mit ihr gerechnet?
Wohl aus Mitleid, half er ihr hoch. „Komm!  Hier dein Stock“, sprach er sanft und sein Verlangen sie mit zu nehmen wurde immer stärker. „Danke!“ So eine süße, zarte Stimme, dachte er. Wie wäre es früher ein Vergnügen gewesen sie zu brechen, ihren Willen zu fordern und ihr den Mut zu nehmen.
„Soll ich dich ein Stück begleiten? Wo willst du hin?“, stieß er hervor, doch wollte er es doch eigentlich gar nicht, sie sollte verschwinden und er wollte wieder zurück kriechen in sein Dreckloch, was andere wohl seine Behausung nannten.
„Ich, ich weiß nicht wo ich bin. Ich habe vollkommen die Orientierung verloren.“, schluchzte sie.
Oh. Ein Gefühl der Genugtuung machte sich breit. Sie wäre so ein einfaches Opfer. Blind, hilflos, orientierungslos, zutraulich, wimmernd vor Angst. Wie schön könnte er mit ihr spielen, ihr erst süße Worte ins Ohr flüstern und sie dann mit aller Härte strafen, strafen für die Untat ihn gefordert zu haben, ihn provoziert zu haben. Es wäre so einfach, kam es ihn immer wieder durch den Kopf. Ein breites Grinsen umspielte seine Mundwinkel, wenn er daran dachte wie sie seinen Namen schreien würde, wie ihre Stirn vor Angst glänzen sehen würde und wie dieses Gefühl der vollkommenen Lust ihn übermannen würde. Er könnte sie zu seiner Sklavin machen? Sicherlich ein paar Wochen, so schnell würde die Kleine niemand suchen, er könnte sämtliche Spiele mit ihr spielen. Alle Taten vergehen, die er in den Jahren nur noch in seinen Albträumen hatte.
„Ich wohne am anderen Ende der Stadt, am Ufer im roten Haus, würden sie mich nach Hause bringen? Bitte, sie scheinen nett zu sein, sie haben eine liebvolle Stimme.“
Und wieder musste er lachen, wenn sie doch wüsste dass sie schon lange vor dem roten Haus standen. Und die Art wie sie ins Leere starrte, weil sie dachte er wäre noch da. Sämtliche Körperteile schwellten an, er biss sich auf die Lippen, leckte den Schweiß der Stirn ab, rieb seine Hände an den Hosen ab, so schweißgebadet war er.
Nur einen Schritt müsste ich mit ihr tun und sie wäre mein, sprach die süßliche Stimme in seinem Kopf.
Bis er es nicht mehr aushielt. Er rannte auf sie zu, ohne Verstand nur noch der Teufel regierte seine Handlungen, seine Schuhe patschten in den Pfützen, seine Augen quollen aus den Höhlen, sein Gesicht wurde rot, sein Blut wallte in seinen Adern. Sein ganzer Körper brannte vor Hitze und Verlangen. Ja er würde nachgeben. Er würde sich lösen und den Dämonen endlich wieder das geben nach denen sie sich so lange gesehnt hatten. Endlich würde er wieder Erlösung finden, Befriedigung, Ruhe. Endlich stieß er immer wieder hervor. Er spuckte die Wörter aus seinem tropfnassen Mund, nur noch wenige Zentimeter trennten ihn von seinem Objekt, von seiner Lust, von seiner Gier.
Sie dreht sich um und….
 
 
Am nächsten Morgen
 
„Schon wieder so ein Schwein!“, stieß Officer Nancy hervor nachdem er seine Kippe in den Dreck neben den schrecklich verstümmelten Mann warf.

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