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Ein Märchen Teil I


                                                                         1
 
Es war einmal ein Prinz in einem Land vor längst vergangener Zeit. Er lebte in einem großen alten Schloss, dessen Dach undicht, Fenster kaputt und Mauern nass waren.
Es war ein armes Land seit der König vor vielen Jahren verstorben war. Einst hatten sie genug Geld, Essen und Tiere doch die Steifmutter des Prinzen, welche das Land seit dem Tod des Königs regierte herrschte mit Gier und verjubelte das ganze Vermögen. Sie stahl den Bauern das Vieh, feierte riesige Feste und ging viel zu oft auf teure Reisen in ferne Länder. Sie war eine gierige Frau und scherte sich nicht um das arme Volk. Wo es nur ging schikanierte sie ihre Untertanen, ließ kleine Kinder in die Kerker sperren, weil diese sich aus der königlichen Küche etwas zu essen stehlen wollten und ließ ihre Väter in den Mienen arbeiten um Gold und Juwelen zu finden. Ja sie war mit einem eiskalten Herzen bestückt.
Der Prinz saß oft alleine in seiner Kammer im Turm, in den ihn die Stiefmutter sperrte und sah von dort oben, all dieses Elend und Leid und konnte nichts tun.
Er sah wie sein einst wundervoll buntes Land, sich in eine karge, öde Wüste verwandelte. Er fühlte sich hilflos und allein gelassen, oft betete er zu seinem Vater und bat um Beistand, doch nichts regte sich.
So saß er Tag ein Tag aus seit zehn Jahren in diesem Turm und außer dem Lehrer und seiner Magd sah er niemanden anderes.
Umso mehr wunderte er sich als eines Tages ein schwarzer Rabe auf seinem Fensterbrett saß.
Es war ein trüber Tag und es regnete wie aus Eimern.
„Na kleiner.“, sagte der Prinz ganz zaghaft. „Hast du dich verflogen? Oder was willst du hier in dieser einsamen Gegend?“ Als der Prinz den Raben näher trat und ihn streicheln wollte, verschwand dieser Plötzlich und erhob sich in die Lüfte. „Bleib hier!“, schrie der Prinz. „Vielleicht kannst du mein Freund sein. Ich habe doch sonst niemanden.“ Doch der Vogel flog krächzend davon und der kleine Prinz sah ihm traurig nach, das einzige, was ihm blieb war eine schwarze Feder.
Es verstrichen noch viele solche trostlosen Tage, der Prinz wuchs zu einem kräftigen Mann heran und jeden Tag konnte er sehen wie sich mehr und mehr die Untertanen aufmachten in andere Länder, weil sie nichts mehr in seinem Land hielt.
Seine Stiefmutter wurde zunehmend zorniger über die leeren Staatskassen und so begab es sich, dass sie eines Tages zum Prinzen in die Kammer hinauf stieg.
Mit erhobenen Kopf und falschem Lächeln sprach sie auf ihren knieenden Stiefsohn herab:“Nun mein Prinz. 14 Jahre sind vergangen seit dem Tod meines Gemahles und deines Vaters. Gott habe ihn selig. Wie du siehst konnte ich das Land bis jetzt schützen und verteidigen, was eine nicht erheblich Menge unseres Besitzes verschlang. Glaub nicht es sei einfach für eine Frau, alleine zu regieren in den Zeiten des Hungers.“ Der Prinz schwieg und sah verstohlen zu seiner Stiefmutter hinauf, die aus dem Fenster sah. „Nun ich sehe mich gezwungen wohl abtreten zu müssen. Du bist nun 18 und sollst laut dem Willen deines Vaters das Land regieren.“, sie legte eine Pause ein „ doch dies ist eine wichtige und bedeutende Aufgabe und als Zeichen das du dieser würdig bist sollst du zwei Prüfungen bestehen. Komme nachher in die Halle. Der Kardinal wird dir diese vortragen.“
Danach drehte sie sich um und verließ die Kammer.
Dem Prinzen war mulmig zu mute. Ich Prüfungen bestehen? Davon hatte nie jemand etwas erzählt. Er beugte sich auf den Fenstersims und stierte in die Ferne. Wie kann ich denn schon Prüfungen bestehen, dachte er, ich der nie etwas anderes von der Welt gesehen hat als diesen Turm.
 

Als der Prinz die Halle betrat erschrak er, wie kahl die Wände geworden waren. Alle Gemälde und die goldenen Kerzenleuchter fehlten. Die Stiefmutter saß auf ihrem Thron und daneben kauerte ein alter zerbrechlicher Mann.
„Nun mein Prinz…,“ sprach dieser mit zittriger Stimme und verbeugte sich zu tiefst. „Wie ihr gewiss schon von eurer Stiefmutter erfahren habt, ist der Tag eurer Krönung nicht fern, doch sollt ihr laut dem Willen eures Vaters,“ der alte Mann in der roten Kutte holte ein großes Pergament heraus und rollte es aus,“ zwei Prüfungen bestehen, ehe ihr dieses ehrenwürdige Amt antreten könnt.“
Der Prinz wagte nichts zu sagen, in der Halle war es mucks Mäuschen still, dann fuhr der Kardinal fort und las aus dem Pergament vor.
„Ich der König, Wilhelm der 3. vermache hiermit meinem Sohn Wilhelm dem 4. das mir anvertraute Königreich mit all seinen Ländereien und Besitztümern, jedoch nicht ohne meinem Sohn die Prüfungen der Familie auf zu erlegen. Er soll hinaus ziehen in die Welt und zwei Aufgaben bestehen. Den Sinn des Lebens und die wahre Liebe finden, kommt er dann mit seinen Gaben binnen eines Jahres zurück an den Hof soll er König werden. Schafft er es nicht so muss ich leider davon ausgehen, dass mein Sohn weder Mut, noch Verstand, noch Herz besitzt und somit ungeeignet für den Posten des Königs ist. In diesem Falle fällt das Erbe in die Hände des Nachbarkönigs Gustav den 2.“  
Niemand sagte etwas. Der Kardinal rollte das Pergament zusammen und starrte stur auf den Prinzen. „Nun mein Prinz, ich schlage vor ihr brecht sofort auf, ehe der Winter Einzug hält. Die Magd hat euch etwas zu essen und ein Paar Taler eingepackt.“ Daraufhin bekam der Prinz einen Wanderstock mit einem Beutel dran und ein kleines Säckchen überreicht.
„Und nun geht und macht eurem verstorbenen Vater alle Ehre, wir werden euch in einem Jahr hier an den Stadtoren wieder erwarten.“
Der Kardinal wies dem Prinzen an die Tür zu verlasse und so zog der kleine Prinz Mutterseelen allein zum ersten Mal in die weite Welt hinaus.
 

 
                                                                       2                       
  
So spazierte der kleine Prinz, der nun gar nicht mehr so klein war hinaus zu den Stadttoren.
Da er nicht wusste wohin er sollte lief er einfach geradeaus immer der aufgehenden Sonne entgegen. Während er sein Land durchquerte bemerkte er dass fast alle Dörfer schon leer waren. Hier und da traf er noch auf ein paar alte Leute die auf Grund ihres Alters nicht mehr wegziehen wollten, doch diese redeten kaum sondern sahen den Sonderling in den feinen Sachen nur befremdet an.
Nachdem der Prinz den ganzen Tag gelaufen war kam er an die östliche Grenze seines Landes.
In der Ferne konnte er einen großen Wald erkennen, doch er beschloss Rast zu halten, ihm knurrte der Magen, also setzte er sich auf einen Stein an einem kleinen Bach und packte sein Proviant aus. Ein Stück Brot, ein Stück Käse und eine Flasche Wein, er schnitt sich von jedem eine dünne Scheibe ab und nahm einen kleinen Schluck, er wollte sich etwas aufsparen, dann dachte er an die Aufgaben.
Den Sinn des Lebens finden, was meinte Vater nur damit, überlegte er. Eine wahre Liebe finden so nahm er an, sei nicht so schwer, einen Prinzen würde wohl jedes Mädchen gerne heiraten wollen, aber was ist wohl der Sinn des Lebens? Und während der Prinz so grübelte bemerkte er, wie eine kleine, gebückte, alte Frau mit einer Kiepe auf dem Rücken und einem Gehstock in der Hand ans Wasser trat.
Sie musste sehr schwach sein und wollte sich wohl etwas am Wasser stärken, der Prinz stand auf und ging zu ihr. „Gute Frau“, rief er. „Lasst mich euch helfen, gebt mir eure Kiepe, damit ihr euch etwas frisch machen könnt.“  Die alte Frau sagte nichts, sondern nickte nur wenig und ließ sich vom Prinzen die Kiepe abnehmen. Beschwerlich beugte sie sich herab und wusch ihr altes, runzliges Gesicht. „Vielleicht…,“ fragte der Prinz, „möchtet ihr euch etwas stärken, kommt esst etwas und trinkt einen Schluck Wein.“
„Danke junger Herr, ihr müsst wohl ein guter Mensch sein, euch einer alten Bettlerin wie mich an zu nehmen“, entgegnete ihm die Alte. „Aber ist das nicht normal?“, fragte der Prinz erstaunt. „Ach, was ist schon normal:“ Die alte Frau setzte sich wackelig auf den Stein und nahm dankbar einen Schluck vom Wein. „Was sucht ihr hier, junger Herr. Verzeiht, aber ihr seht nicht aus wie ein Bettler oder Bauer, “ fragte die Alte. „Ich bin der Prinz, der Sohn des Königs und er hat mich hinaus geschickt zwei Aufgaben zu lösen, damit ich sein Nachfolger werde.“ „Der Sohn des Königs. So, so. Seit Jahren hat dich niemand gesehen. Die Menschen dachten tu seiest tot oder weggelaufen, hast dein Volk im Stich gelassen mit dieser herrischen Frau. Wo warst du wohl die ganze Zeit?“ „Meine Stiefmutter sperrte mich im Turm ein. Glaubt mir Alte es war nicht leicht von dort oben das Land verfallen zu sehen, doch ich konnte nichts tun.“ Die Alte schwieg einen Moment dann sagte sie. „So, so und jetzt willst du sie vertreiben und dein Land wieder zum erblühen bringen.“ „Ja, aber die Aufgaben…,“ der Prinz stockte und senkte seinen Kopf zu Boden. „Kannst du mir nicht einen Rat geben Alte?“
„Nun was sind das für Aufgaben junger Herr, ich will sehen ob ich dir als Dank für deine Hilfe meinen rat schenken kann.“ Der Prinz erzählte von seinen zwei Aufgaben, dann schwieg die Alte eine Weile, bis sie Aufstand und ihre Kiepe mühevoll umband.
„Nun junger Herr. Ich fürchte ich kann euch hierbei nicht raten. Ich bin nur ein einfaches Bauernweib, doch gehe hinein in den Wald, dort wohnt ein alter Köhler. Er lebt schon so lange allein, er wird wohl den Sinn des Lebens in seiner Einsamkeit erkannt haben.“
„Habt dank gute Frau,“ entgegnete der Prinz und wollte ihr ihren Stock reichen, doch als er sich umdrehte war sie spurlos verschwunden.
„Seltsam“, sprach der Prinz. Wer diese alte Frau wohl gewesen sein mochte wunderte er sich, dann packte er sein Essen wieder ein, nahm den Stock der Alten an sich und wanderte auf den großen, dunklen Wald zu.
    

                                                          
                                                                                  3
 
Lange irrte der Prinz nun schon im dunklen Wald umher. Es war so dunkel, dass man die Hand vor Augen kaum sehen konnte, nur anhand der Baumkronen konnte er sich orientieren, die etwas Licht des Himmels durchließen. Es muss Nacht geworden sein, denn oben konnte er ein paar wenige Sterne erkennen. Dann muss ich wohl ein Nachtlager aufschlagen, dachte der Prinz. Er fand ein kleines Dickicht im Dunkeln und legte sich dort auf das weiche Moos. Doch nur schwer konnte er Ruhe finden, überall knackte und knarrte es und in der Ferne heulten ein paar Wölfe. Doch wenn ich mich ganz still verhalte, werden sie mich nicht finden, überlegte er.
Dann kamen ihm wieder die Worte des Vaters in den Sinn und wieder grübelte er,  was wohl der Sinn des Lebens sei. Nun meinte er vielleicht ist es König zu sein und ein Volk zu regieren oder reich und gesund zu sein?
Da schreckte der Prinz hoch denn dicht neben ihm knackte etwas und er merkte wie sich von allen Seiten schleichend etwas näherte.
„Wer ist da“, flüsterte er ins Dunkel, doch er bekam keine Antwort nur ein leichtes bedrohliches knurren. „Grrrr…“, und wieder „Grrrr… .“ Der Prinz bekam es mit der Angst zu tun im schlotterten die Knie und Angstschweiß lief über seine Stirn. „Wer ist da?“, fragte er wieder, diesmal energischer. Dann sah er einen großen Schatten auf sich zu springen und glühende, rote Augen tauchten vor ihm auf. Das bisschen Licht was sich durch die Baumkronen brach reichte dem Prinzen um zu erkennen dass es sich um Wölfe handelte. Nicht nur einen Wolf, er war umzingelt von den Bestien. Was sollte er denn nun tun. Hatte er doch keine Waffen bei und nie gelernt einen Kampf zu fechten weder noch gegen wilde Tiere zu kämpfen. In seiner Verzweiflung nahm der Prinz den Stock der Alten und schlug wild um sich. „Haut ab!“, schrie er, „Ich will euch nichts tun, nur den Köhler suchen. Lasst mich in Ruh.“ Doch die Wölfe hörten nicht sie sprangen einer nach dem anderen mit fletschenden Zähnen auf den Prinzen herauf, dieser drehte sich im Kreis und schlug den Stock ziellos umher. Da!  Er hatte einen getroffen, dieser verzog sich, den Schwanz eingeklemmt und wimmernd. Da! der Nächste, doch da kam auch schon wieder einer von hinten, er biss dem Prinzen in den Rücken es brannte wie Feuer, der Prinz warf sich umher und schüttelte den Wolf ab, als dieser auf dem Boden lag versetzte er ihm einen so kräftigen Hieb mit dem Stock, das der Wolf bewusstlos zu Boden fiel und mit einem Mal war alles still, er hatte es wohl geschafft, er hatte die Wölfe vertrieben. „Danke, lieber Stock“, flüsterte er und drückte ihn fest an sich. Dann merkte er wieder den Schmerz in seinem Rücken, er fasste nach der Wunde und merkte etwas nasses, eine dunkle Flüssigkeit rannte über seine Hände. „Oh mein Gott ich blu….“, der Prinz fiel in Ohnmacht und das letzte was er sah waren die paar wenigen Sterne zwischen den Baumkronen.
 

 
                                                                       4
Als er wieder zu sich kam lag er erstaunlicher Weise in einem Bett in einer kleinen verfallenen Hütte. Es stank nach Rauch, Asche und Ruß. Die Fenster waren dunkel verschmiert und nur ein spärliches Feuer war in dem kleinen Kamin gemacht. Der Prinz wollte aufstehen doch seine Schulter zog schmerhaft. Er sah an ihr hinab und erblickte einen fachgerecht angelegten, sauberen Verband.
In der Mitte des miefigen Raumes stand ein alter Tisch, auf dem sich eine Kerze und eine Schüssel, sowie ein Krug befand.
Mit aller Kraft rollte sich der Prinz aus dem Bett und ging zum Tisch. In der Schüssel war ein frisch gebratenes Stück Fleisch und in dem Krug dünnes Bier. Der Prinz merkte erst jetzt wie hungrig er war, also setzte er sich und begann zu essen. Er war erstaunt, nie hatte er etwas Leckeres gegessen, das war viel besser als die magere Suppe auf dem Schloss und während er so aß blickte er sich um. Alles war schwarz und mit einem seltsamen rauchigen Film überdeckt, es war stickig in der Hütte gerade so hauchdünne Luft zu atmen. Wo bin ich hier bloß, fragte sich der Prinz.
Er studierte die Schaufeln und seltsam aussehen Werkzeuge an der Wand, als eine Gestalt die Tür öffnete. „Oh mein Gott!“, schrie der Prinz entsetzt. Vor ihm stand eine kohlraben schwarze Gestalt mit einem langen Mantel und einem Hut tief in das Gesicht gezogen.
„Bist du der Tot? Bin ich etwa in der Hölle?“ Das Entsetzen des Prinzen fand kein Ende.
„Beruhige dich Sohn“, eine tiefe aber freundliche Männerstimme huschte unter dem Hut hervor. „Du bist weder tot, noch in der Hölle. Du bist beim Köhler, ich hörte du suchtest mich, nun anscheinend hast du mich gefunden.“
„Beim Köhler? Du bist der Köhler? Wie bin ich denn hier her gekommen?“, dem Prinzen schmerzte der Kopf, hatte er nicht eben noch gegen Wölfe gekämpft?
„Ich hab dich gefunden auf meinem Rundgang, dich und den toten Wolf. Er hat dich schlimm verletzt, aber ich habe es verarztet so gut wie ich konnte und jetzt erzähl mir, was suchst du in meinem Wald und bei mir?“
„Der Wolf ist tot?“, der Prinz kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, hatte er doch tatsächlich eine wilde Bestie ganz alleine erlegt? Er der schwache Prinz?
„Ja, mausetot und bereits in deinem Bauch wie ich sehe“, der Köhler zeigte schmunzelnd auf die fast leere Schüssel. „Igitt.“, schrie der Prinz. „Wolfsfleisch, wer weiß was die für Krankheiten haben.“
„Ihr solltet nicht so wählerisch sein junger Mann. Harte Zeiten erfordern harte Mittel, besser einen Wolf gegessen, als von einem gefressen zu werden. Außerdem ist es dem Hunger wohl egal, Hauptsache er wird gestillt.“
Der Prinz fühlte sich getadelt und erkannte dass er zu hochmütig war. „Verzeiht Köhler. Ich wollte mich nicht falsch verhalten, es ist nur…“. „Was ist nur mein Sohn, erzählt, was führt euch her. „ Und der Prinz begann seine Geschichte zu erzählen, vom Tod seines Vaters über die Aufgaben bis hin zur alten Frau. „Und so habe ich gehofft, sie könnten mir vielleicht eine Antwort auf der Suche nach dem Sinn des Lebens gebe.“
„Hmmm.“ Der Köhler tat als würde er überlegen, er umfasste sein Kinn und nach einer Weile antwortete er. „Und was ist mit der wahren Liebe?“ Der Prinz duzte. „Was soll damit sein.“  
Fragte er. „Ich bin ein Prinz, die Liebe kommt von alleine, irgendein Mädchen wird mich schon nehmen.“
 Irgendein Mädchen ?“
„Ja, ich bin ein Prinz, darum mache ich mir keine Sorgen, aber nun sag mir, was ist der Sinn des Lebens?“
Der Köhler schwieg. Nach einer Weile antwortete er. „Nun mein Sohn, mir scheint ich habe keine Antwort auf eure Frage, ich bin nur ein einfacher Köhler, was weiß ich schon. Aber geht in die Berge. Dort leben drei weise Schwestern, vielleicht können sie dir helfen. Aber gib acht, frage nicht die Falsche der Dreien, dies könnte dein Untergang sein.“
„Drei Schwestern? Köhler was heißt das?“ Der Köhler gab dem Prinzen einen kleinen Beutel.
„Hier etwas Proviant der Weg ist weit mein Sohn und nun geht.“
„Aber meine Wunde?“, protestierte der Prinz, doch der Köhler schwieg und aß von seinem Braten. Trotzig nahm der Prinz sein Säckchen und bewegte sich unter Schmerzen zu Tür, als er schon  aus dem Haus war rief der Köhler ihm leise hinterher „Vielleicht sucht ihr das Falsche?“
Der Prinz drehte sich um, doch das Haus war verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Eigenartig, dachte der Prinz, sehr eigenartig.
 

 
                                                                                   5
 
In Gedanken verloren wanderte der jung Prinz in die Berge. Drei Tage und Nächte ohne an zu halten schleppte er sich erst durch das Moor, dann durch ein Stück kahles, dürres Land und schließlich kletterte er ausgehungert und viel zu müde die felsigen Vorsprünge zum Inneren des Gebirges hoch.
Seine Füße waren blutig, seine Kleidung von Wind und Wetter durchnässt und zerfetzt. Die Haare hingen in fettigen Strähnen an seiner hohen Stirn hinab und nur die Neugier auf des Rätsels Lösung hielt ihn wach.
Am höchsten Berg angekommen, dort wo ihm ein eisiger Sturm um die Nase pfiff, sah er in ein kleines Tal hinab umgeben von massigen Felsklumpen.
Erschöpft rutschte er den schlammigen Weg auf seinem Hinterteil nach unten, dort war ein kleiner See direkt zu seinen Füßen. In dem Tal war es angenehm warm und aus dem Wasser stieg heißer Dampf. Eine warme Quelle, dachte sich der Prinz. Nun ich werde wohl ein Bad gebrauchen können, meinte er zu sich, denn er sah furchtbar aus, wie ein zerlumpter Bettler. Also zog der Prinz seine Sachen aus und ging nackt, wie Gott ihn schuf in das Wasser.
Ein wohlig warmes Gefühl machte sich auf seiner Haut breit. Er fühlte sich endlich wieder wie ein normaler Mensch. Zarte Sonnenstrahlen wärmten sein durchfrorenes Gesicht. Der Prinz legte sich auf den Rücken und ließ sich einfach treiben.
Unverdrossen schwamm er auf dem Rücken dahin und regte sich gen Sonne, bis sein Kopf ganz sachte an etwas hartem anstieß. Er erschrak und drehte sich hastig um. Ach, nur ein kleiner Fels dachte er, doch als er seinen Blick nach oben wandte standen dort drei Gestalten nebeneinander und richteten ihre Köpfe auf ihn.
 Ihre Körper waren in merkwürdige Fetzen gehüllt und nicht ein Schimmer Haut stach durch, die Gesichter unter dicken Schleiern versteckt, sie sahen aus wie wandelnde Mumien.
Im Chor sprachen alle drei gleichzeitig: „Du, bist der Prinz der uns sucht. Sag was begehrst du von uns zu wissen?“
Ihre Worte klangen wie ein Lied in einem hohen Sirenenton und der Prinz erkannte nun, dass es sich wohl um die drei weisen Schwestern handeln musste.
Zitternd, weil das Wasser auf einmal eisig wurde, blickte er zu den Gestalten hinauf in der Hoffnung irgendeine Regung bei ihnen zu erkennen und er musste sich wieder an die Worte des Köhlers erinnern. „Frage nicht die Falsche es könnte dein Unglück sein…“, doch welche ist wohl die Richtige, was hat er damit gemeint, sie sehen doch alle gleich aus. Da kam ihn eine Idee. „Nun, weise Schwestern. Ich frage EUCH. Was ist der Sinn des Lebens?“
Die Schwestern schwiegen kurz, dann sprachen die Linke und die Rechte in gleichen Worten. „Gehe weiter gen Norden in die eisige Kälte und dort wo die Nacht Tag ist und der Tag Nacht, dort wirst du eine Antwort finden.“ Der Prinz bemerkte das die Schwester in der Mitte schwieg, stattdessen trat sie vor und hob ihren Arm, der Ärmel verrutschte und eine dürre, blasse Hand kam zum Vorschein. Wie gebannt starrte der Prinz auf das verhüllte Wesen. Sie kam ihm näher und legte ihre Hand auf seine Brust. Ein wohlige Wärme und Vertrautheit, wie er es noch nie gespürt hatte durchfloss seinen Körper, als würden sich alle Adern öffnen und das Herz mit voller Kraft das Blut durch seinen Körper pumpen. Ihm war als würde er diese vermummte Gestalt schon immer kennen, als hätte er diese Wärme die von dieser zierlichen Hand aus in seinen Körper floss schon immer vermisst. Ihm schnürte es die Kehle zu und er bekam ein unermessliches Verlangen nach etwas, was er wohl noch nie besessen hatte.
Dann hörte er in seinen Gedanken eine liebliche, sanfte Stimme, es muss wohl die der Frau ihm gegenüber gewesen sein.
„Nur in und mit deinem Herzen wirst du die Wahrheit erkennen. Nur du allein kannst den Sinn des Lebens finden und erkennen junger Prinz. Folge deinem Herzen.“ Sie hatte eine so schöne Stimme nur zu gerne wollte der Prinz unter den Schleier sehen, doch sie zog ihre Hand zurück und reihte sich wieder zwischen ihre Schwestern ein.
Der Prinz verbeugte sich tief als Zeichen der Dankbarkeit und als er es wagte hinauf zu sehen waren die drei Schwestern schon verschwunden, aus dem See stieg wieder der heiße Dampf und alles war wieder wie vorher.
 
In dieser Nacht hatte der Prinz einen seltsamen Traum. Er träumte von der alten Frau, die sich in eine wunderschöne Prinzessin verwandelte und er lebte mit ihr auf einem wunderschönen Schloss mit drei bezaubernden Kindern, doch dann zogen dunkle, schwarze Gewitterwolken auf und das Gesicht der Prinzessin wurde zu einer hässlichen Fratze.
Der Prinz schreckte schweißgebadet hoch, das kleine Feuer, welches er entzündet hatte war schon fast erloschen, es musste tief in der Nacht gewesen sein, denn hoch am Himmel stand noch der volle Mond.
Er grübelte. Nach Norden gehen? Ins Eis, dachte er, nein dort würde ich wohl nichts finden,  außer den Eistod, dessen war sich der Prinz sicher. Er konzentrierte sich vielmehr auf das wohlige Gefühl, welches ihm die dritte Schwester gab. Er verspürte es immer noch und da kam ihm der Gedanken nach Süden zu gehen, Ja, dies war die richtige Entscheidung, nach Süden der Sonne entgegen gehen, der warmen Sonne die so warm ist wie dieses Gefühl.

Kommentare

Rain Bird [Tb: Mein Leben ...] - 24.09.2011 22:05
Du hast dir, wie ich sehe, viel Mühe gegeben, schön geschrieben, gut zu lesen, nur drei , vier Rechtschreibfehler drin.. Aber ich finde es wird nach einiger Zeit langweilig, eintönig. Es sollte etwas unerwartetes passieren, etwas Neues.
Freu mich auf die Fortsetzung ?!!


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