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rose


Dr. Ferdinand Böker dachte an diesem herrlichen Sommertag nicht an den Tod. Durch das offene Fenster, blickte er hinauf in einen Himmel, der für die hiesigen Breitengrade das eher seltene, tiefe Blau des Südens trug. Er schloss für einen Moment die Augen, genoss die wohlige Wärme und überlegte, später einen Spaziergang zu machen. Doch zunächst warte noch eine Menge Arbeit auf ihn. Er wollte die neuen Objekte, die am Vormittag aus Südamerika eingetroffen waren fotografieren und katalogisieren. So bemerkte er das Auto nicht, das langsam an seinem Anwesen vorbeifuhr und in gesicherter Entfernung anhielt.


Der Fahrer schaute kurz in den Rückspiegel, schnappte sich seinen Rucksack von der Rückbank und stieg langsam aus. Alles deutete darauf hin, dass der Fremde nur bewundernd das historische Gebäude betrachten wollte, so wie es fast täglich unzählige Male geschah. Diese Wanderer machten mittlerweile vor nichts mehr halt.


Die stattliche, bergische Fabrikantenvilla lag in einer vornehmen Wohngegend, umringt von liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern, die bereits zu Beginn des 19. Jahrhundert erbaut worden waren. Im Foyer der Villa standen Vitrinen, die mit südamerikanischen, ethnischen Objekten vergangener Kulturen gefüllt waren. Dr. Ferdinand Böker war gerade im Begriff einen der Schaukästen zu öffnen, als er ein Geräusch hörte. Die schwere Haustür fiel hinter ihm ins Schloss. Er fuhr herum und erblickte eine schwarze Silhouette, die aus dem Schatten trat. Fast noch in gleichem Atemzug, erkannte er das breite Messer, mit der sichelförmigen Klinge und dem senkrechten Mittelgriff. Sofort wusste er was es war. Es handelte sich um ein Tumi, das breite Ritualmesser, der altperuanischen Völker.


Dr. Ferdinand Böker stieß einen Schrei aus, doch sofort wurde ihm ein Lappen in den Mund gestopft. Der Geschmack von Öl und Fett ließ ihn würgen. Gleichzeitig schleuderte ihn der Unbekannte gegen die Wand.


Fremde Hände in Latexhandschuhen drückten ihn auf den Boden. Eine unbekannte Stimme kroch ihm über die Haut. Es war ein boshaftes Flüstern, fast schon ein Grunzen, dass ihm ausmalte, was der Maskierte mit der Klinge anstellen würde, wenn er sich wehrte. Er versuchte es trotzdem, aber sein Gegner schlug auf ihn ein. Eine behandschuhte Faust traf ihn mitten ins Gesicht.


Für einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen und er schluckte Blut. Dann spürte er die kalte Klinge an seiner Kehle. Er konnte nicht einmal mehr schreien, als das Opfermesser eindrang. Ein gezielter Schnitt trennte den Kopf vom Rest des Körpers, und der Rumpf glitt auf den Steinboden.


Der Mann wusste genau wonach er suchte. Gezielt griff er in die geöffneten Vitrinen und nahm sich, was er wollte. Die Gegenstände packte er vorsichtig in den Rucksack. Dann blickte er noch einmal auf den Toten. Die Augen des abgetrennten Kopfes starrten ihn leblos an. Er atmete tief ein, um den Geruch des Blutes in sich auf zunehmen. Dann führte er zügig sein Werk zu Ende und drehte den Kopf in östliche Richtung. Vorsichtig...ganz vorsichtig...


Später würden ihm die Beamten der Remscheider Polizeiinspektion den Namen Ritualmörder geben, die Presse würde sofort darauf anspringen, und ihm würde der Name gefallen...

 

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