• kostenlos mitmachen

2009-07-01


Draußen wird es schon dunkel. In ihrem Zimmer brennt nur die Schreibtischlampe. Vor ein paar Wochen hat sie der Glühbirne mit einem Filzstift ein Gesicht aufgemalt. So kann sie sich besser vorstellen, dass die Lampe eine Freundin ist, mit der sie reden kann. Auf der Fensterbank steht ein weißer Blumentopf, mit einer Blume darin. Früher war er umgedreht gewesen, mit der Öffnung nach unten. Sie hatte ihn als Kerzenhalter benutzt. Damals hat sie auch ihm ein Gesicht verpasst, ein freundliches. Mit lachenden Augen und einem großen Mund. Schwarzen Haare und einem zierlichen Oberkörper. Heute, wo wieder eine Blume darin war, stand das Bild auf dem Kopf.
Eines der beiden Fenster steht offen. Man kann die Vögel zwitschern hören. Ihre Mutter hat es geöffnet, genau wie die Zimmertür. Damit frische Luft hindurch weht. Es sei stickig. Sie findet das gar nicht. Sie hat sich wohler gefühlt als alles geschlossen war. Und dunkel. Es ist Sommer. Sie hat Ferien.

Sie sitzt alleine in ihrem fast dunklen Zimmer. Sie hört die Uhr ticken. Und die Vögel singen. Der Computer läuft. Sie bekommt E.Mails aber sie ließt sie nicht. Sie sitzt auf dem weißen Läufer, mit den großen schwarzen Blumen. Sie weint, ganz leise, obwohl sie laut schreien möchte. Sie hat sich die Kapuze ihrer Jacke über den Kopf gezogen. Ihre schwarze Schminke und ihr blasses Make up sind verlaufen, verschmiert vom Weinen. Dann schließt sie die Augen, versucht das Weinen zu unterdrücken. Es funktioniert. Sie legt ihre rechte Handfläche in die Linke und umschließt sie dann. Sie stellt sich vor das er jetzt ihre Hand hält. Das er jetzt bei ihr ist. Nein eigentlich denkt sie das nicht. Sie denkt das irgendwer, irgendwer anders jetzt bei ihr ist und ihre Hand hält um sie zu trösten. Um ihr zu sagen das alles okay ist. Um einfach nur bei ihr zu sein. Dann öffnet sie die verheulten Augen und schaut in ihren Schoß auf ihre Hände die ineinander liegen. Sie ist ganz alleine, weint ganz alleine. Niemand ist bei ihr. Sie hat niemanden. Und in solchen Momenten merkt sie wie alleine sie doch wirklich ist.

Kommentar schreiben

Du musst dich Einloggen oder kostenlos anmelden um Kommentare zu schreiben