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Johannes Geschichte geht weiter


Ich habe hier ja schon öfter von Johannes berichtet. Ein Fall, der so unglaublich ist, dass man meinen sollte, er wäre erfunden. Ist er aber nicht. Er ist auch kein Synonym für Vieles zusammengenommen, was anderen Autisten passiert ist. Nein, er ist ein Fall von vielen. Ein Fall, der nachdenklich macht. Ein Fall, der die Behörden aufrütteln sollte. Ein Fall, der eigentlich keiner sein sollte.

Und nun geht er in eine neue Dimension:

2 Jahre geht Johannes nun nicht mehr zur Schule, weil ihm das Jugendamt die Hilfe verweigert hat, soviel ist bekannt.

Doch seit langem wartet er auch auf die Möglichkeit endlich einen Schulabschluss zu bekommen. So mitten im Schuljahr von heute auf morgen nicht mehr zur Schule zu dürfen, haut einen einen ganz schön um. Und ohne Schulabschluss oder Abgangszeugnis darf man gar nichts. Nicht  zu einer anderen Schule, nicht wegen einer Lehre nachfragen, keinen externen Abschluss machen - gar nichts.

Also saß Johannes zu Hause - ohne Klassenkameraden, ohne Gleichaltrige, ohne Ziele.

Nun rückte zum 01. Februar, wie jedes Jahr, der Schlusstermin für die Anmeldung zur Externenprüfung näher. Doch noch immer keine Antwort der Schulbehörde und somit kein Abgangszeugnis.

Und was passiert einen Tag vor Anmeldeschluss? Wer hätte es gedacht - das Zeugnis ist da!

Und Johannes musste innerhalb von 24 Stunden, alle Unterlagen zusammensuchen, Zeugnisse beglaubigen lassen, Anträge schreiben, Dokumente scannen, Wunschthemen für die Prüfung raussuchen, Lehrpläne wälzen und vorher erst mal finden ... Zuguterletzt war die Anmeldung eine Minute vor Schluss per eMail raus. Stresspegel wieder runter, sollte man meinen.

Doch leider geht es ab Februar erst mal richtig los: Lehrer finden, die mit einem üben. Nach über 2 Jahren muss so einiges verschüttete Wissen erst wieder ausgegraben werden. Dann alles nachholen, was so eine Schulklasse in ihrem Abschlussjahr für die Zentralen Prüfungen lernt. Und für 4 schriftliche und 6 mündliche Prüfungen üben, üben, üben ...

Viel zu tun in 11 Wochen, doch Johannes ist voller Energie. Er will es den Behörden zeigen, dass sie ihm Unrecht getan haben. Dass sie ihm Zeit gestohlen haben. Dass sie ihn im Stich gelassen haben.

Ihn genauso wie viele andere Autisten an Regelschulen, die mit ähnlichen Sorgen zu kämpfen haben.

Ach, eines darf man dabei nicht vergessen:

Johannes ist noch schulpflichtig. Das hat bisher keinen interessiert. Doch anstatt die Unterstützung zu bekommen, die ihm zustehen würde, um seinen Abschluss machen zu können, darf er alles selbst bezahlen. Jede einzelne Lehrerstunde, jedes einzelne Arbeitsblatt, die Beglaubigungen und die Briefmarken, die Bücher und alles, was man braucht, um auf die Schnelle alles Wissen anzusammenl, das man für so einen Abschluss braucht.

Das kommt davon, wenn man sich einfach zwangsauschulen lässt, nicht wahr? Das kommt davon, wenn Behörden auf diese Weise versuchen, Dinge, die nicht sein dürfen, zu vertuschen.

Doch ganz egal, was war: jetzt ist Johannes dran. Und er will es wissen!

Ich wünsche ihm alles Gute und jede Unterstützung, die er kriegen kann.

Klara Westhoff

 

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