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Was ist wahr?


Ich kann es noch immer nicht glauben. Johannes' Mutter hat mir von ihrem Dilemma erzählt. Seit 2 Jahren geht ihr Sohn nicht mehr zur Schule, weil das Jugendamt die Zahlung der Eingliederungshilfe bzw. die Finanzierung der Schulbegleitung verweigert. Mit ganz dubiosen Argumenten. "Der Junge müsste erst in die Psychiatrie, da ist doch noch was außer Autismus, der ist doch unglücklich, geht manchmal nicht in den Unterricht. Da muss man doch mal nachgucken, was der so hat."

Nun sind aber die Therapeuten vor Ort völlig anderer Meinung. Sie sehen das Problem bei der fehlenden Kooperation der Schule mit der Schulbegleitung. Und dass ein Lehrer gegenüber einem Schüler handgreiflich wird, sogar vor der ganzen Klasse, das ist auch nicht gerade für den Schulerfolg förderlich. Schon erst recht nicht, wenn nachweislich eine Rippenprellung dabei rausgekommen ist. An so einen Schmerz nach einem Übergriff eines Lehrers erinnert man sich doch noch lang. Kein Wunder, dass man dann denen nicht mehr traut, die einen in der Situation im Stich gelassen haben.

Und als es in der Schule immer ungemütlicher wurde und es immer häufiger zu Ausgrenzungen kam, was machte da das Jugendamt, als Johannes' Mutter dort um Hilfe bat? Immerhin kostet Eingliederungshilfe viel Geld. Tja - sie machten gar nichts. Es dauerte etwa 2 Jahre und keiner hörte ihr und ihrer Familie zu. Und das Ende vom Lied? "Auf Wiedersehen Schüler, wir können hier mit dir nichts anfangen. Und auf Wiedersehen Hilfeempfänger, die Hilfe fruchtet bei dir nicht. Lass dich mal untersuchen, was denn mit dir ist."

Bald zwei Jahre dauerte der Kampf vor den Gerichten. Und gleich von Anfang an war der Wurm drin. Der Anwalt genauso blauäugig wie die Eltern, hat seinen normalen Beweisanfrageweg genommen und ist damit sang- und klanglos untergegangen. Die wichtigen Beweisanträge wurden nicht gestellt und somit gab es auch keine Möglichkeit bei den nächsten Instanzen diese unsäglichen Zustände der Ämter prüfen zu lassen.

Und was lernen wir daraus: Recht bekommen ist eine Frage von Formalien und leider keine von Recht haben.

Und der einzelne Mensch bleibt auf der Strecke. Ohne Schulabschluss, ohne Hilfen, ohne Kontakte. Was ist das für eine Welt?!

Traurige Grüße

Klara Westhoff

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Kommentare

Kuhi (QI) [Tb: Ein Tag wie jeder andere ?] - 29.11.2013 09:53
Stimmt. Das mit dem schriftlich Einfordern musste ich auch schon erfahren. Das Menschenwürde unter Kosten steht, finde ich totzdem nicht zulässig.

Trotzdem schönes Wochenende

QI


Veritas [Tb: In Felix veritas] - 28.11.2013 18:41
Liebe QI,

tja - viel schlimmer ist: das ist kein Einzelfall. Schon gar nicht auf Regelschulen, erst recht nicht auf Gymnasien.

Ich habe gelernt, dass man niemals telefonisch oder im Gespräch mit Jugendämtern verhandeln darf. Immer zurückfragen, alles schriftlich fordern.

Naivität und Vertrauen muss ich mir langsam abgewöhnen. Und Johannes' Mutter? Für sie, ihren Mann und insbesondere für ihren Sohn hat die Ausgrenzung Methode - sie heißt Kosten einsparen. Kalt und effektiv.


Kuhi (QI) [Tb: Ein Tag wie jeder andere ?] - 28.11.2013 18:32
WAS?! Das ist ja furchtbar! Nur weil sie diese Menschen nicht verstehen bzw. sich in sie reinversetzen können, können sie sie doch nicht einfach im Stich lassen oder ausschließen. Das nimmt bedenkliche Ausmaße an, jemanden, der gerne zur Schule gehen will, einfach daran zu hindern.

Ich bin wahrscheinlich ebenso fassungslos wie du!
Gruß
QI


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