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Toleranz


 

Ich habe mich schon oft gefragt, wie man Toleranz definieren sollte.
Mir war es immer ein Rätsel, wo man die Grenze zwischen Toleranz und Ignoranz  ziehen soll und wann es gerechtfertigt ist, andere zu versuchen von der eigenen Meinung zu überzeugen.
Man sagt ja immer, man sollte anderen ihre Meinungen und Überzeugungen lassen und nicht schlecht darüber denken, sie deshalb ausgrenzen oder sonst irgendwie anders behandeln. Das ist Toleranz.
Aber was ist mit Rechtsextremisten? Oder pädophilen Vergewaltigern? Oder dem Ku-Klux-Klan? Ganz allgemein alle Fanatiker und Extremisten?
Man gilt nicht als tolerant wenn man sagt „Ach, die Nazis. Ja, die machen halt ihr Ding. Sollen sie doch, wenn sie das für das Richtige halten.“ Sondern das wird eher als Desinteresse betrachtet, oder gar als eine Form der Unterstützung und somit steht man selbst als Nazi da. Kann ich ja auch verstehen, ich heiße das alles absolut nicht für gut, aber wer schreibt uns die Regeln von Toleranz vor? Man kann doch nicht einfach beschließen, dass das Christentum und der Islam und das Judentum okay sind, Scientology aber nicht, weil die komische Überzeugungen haben! Ich wette, es gibt auch Scientology Mitglieder, die echt in Ordnung sind, und es gibt trotzdem einen Haufen Moslems, die Ehrenmorde begehen, weil die Kinder den Glauben ablegen oder auch nur jemanden heiraten wollen, der nicht denselben Glauben hat. Mir kann keiner erzählen, dass das besser ist, als die Verfolgungen von Scientology. (Und ich hab dem Islam gegenüber keine Vorurteile, aber es passiert, genauso wie es bei Scientology passiert!)
Außerdem, wann darf ich denn jemanden versuchen, von meiner Meinung zu überzeugen, ohne intolerant zu sein? Ich versuche immer die Leute zu überzeugen, dass Schwule (zum Beispiel) voll in Ordnung sind, aber dann bin ich ja doch wieder intolerant, weil Schwulenfeindlichkeit zum Beispiel in ihrem Glauben verankert ist! Wenn ich das aber nicht mache, bin ich Schwulen gegenüber wieder nicht tolerant, bzw. ich bin total passiv.
Ich habe schon versucht es so zu erklären, dass man alle tolerieren sollte, die mit ihren Überzeugungen keinem Schaden zufügen. Das fand ich schon eine ganz gute Richtung, andererseits gibt es da wieder die Schwierigkeit, dass man erstens nicht feststellen kann, wann Schaden angerichtet wird und zweitens bin ich der Meinung, dass es manchmal wichtig ist, anderen Leuten Schaden zuzufügen, weil man ansonsten über sich drübertrampeln lässt.
Zum ersten: Nehmen wir das Beispiel Christentum. Ich habe absolut nichts gegen religiöse Menschen, solange sie mich damit in Ruhe lassen. Die breite Masse würde auch durchaus behaupten, dass sie keinen Schaden anrichten mit ihrem Glauben. Das tun sie direkt auch gar nicht, aber indirekt dann wieder schon. Der Glauben nimmt teilweise einen großen Einfluss auf ihre Entscheidungen und so sieht man, wie in Amerika die Religion immer mehr droht die Regierung und die Bildung zu beeinflussen. Und DANN stört es mich!
Zum zweiten: Laut Jesus soll man zwar die andere Wange auch hinhalten, wenn die andere geschlagen wurde, aber davon bin ich nicht so recht überzeugt. Man sollte die Konsequenzen seines Verhaltens tragen und es sollte Konsequenzen geben meiner Meinung nach. Sonst könnte ich auch die Exekutive „nicht tolerieren“. Andererseits könnte jetzt jeder von euch sagen, er toleriert meine Meinung nicht und ist trotzdem noch ein toleranter Mensch, weil meine Meinung schadet Anderen. Und zwar denjenigen, die hinter Gitter wandern oder irgendwelche Strafen zahlen müssen. Man kann natürlich sagen „das ist ja nicht so schlimm und die haben es ja auch verdient“, aber trotzdem schadet es ihnen! Und wer schreibt vor, wann etwas schlimm ist, oder ob es angemessen ist? Nazis sind auch der Meinung, Juden haben „es verdient“.
Deswegen fällt es mir unglaublich schwer, den Begriff Toleranz vernünftig einzuordnen und ich kämpfe mit mir, wenn ich versuche jemanden als tolerant oder intolerant einzustufen.. Ich weiß noch nicht mal, ob ich mich selbst als tolerant bezeichnen kann, zeitenweise halte ich mich für sehr tolerant und dann aber wieder für extremst intolerant… Tja, mal sehen, vielleicht habe ich oder irgendjemand anders, den ich kenne irgendwann noch die Erleuchtung ;D

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