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12.August 1944 Das Massaker in Sant Anna di Stazzema


 

 

ZWEIMAL DEUTSCH IN

SANT´ANNA DI STAZZEMA

                    

Oben

Nahe am Himmel 

Blau  die Blume

In der Ferne Das Meer - 

Dort die  Freiheit

mit dem Himmel berührt

Wie der Tod  damals

Und dunkel der Himmel

verdeckt und geöffnet

Bach Schubert Beethoven  

Lösen  auf die Schwere

des Sterbens  hier

Sie klingen wie „Gott“.

 „Du siehst die Schuld 

Die mir den Fluch verkündet“

Damals geschrieen geweint.

Gebetet:

O Dio Dio. O mio Dio

In deutsche Schüsse

Geweint.

Sie hallen noch immer.

Du singst. Die Kirche tönt.

Will sie enthüllen

Will sie verbergen?

Wir mit dem Rücken zum Altar

Christus wo warst du?

Umhüllt ist der Klang / bei

Offener Tür

Unschuldig grün  die Wiese

Im Auge jetzt

Wo Blut in die Gewehre floss

Das Schreien.

Es knattert knattert  mitleidslos

Die Welt

starb damals hier

Im Dröhnen der Berge.

Löst nun die Orgel 

und deine Stimme

Mit deutschem

Gesang

Die deutschen Befehle:

FEUER! Gebrüllt

Zur Kirchentür

Mit  den drei

Maschinengewehren.

Und du singst dazwischen

Brahms die Bibel

 (Prediger, 4, 1-3)

Dass sie verstummen müssen

Die Klage:  „… sie

hatten keinen Tröster;

und die ihnen Unrecht taten

waren zu mächtig.

Da lobt ich die Toten,

die schon gestorben waren

mehr als die Lebendigen,

die noch das Leben hatten;

und der noch nicht ist,

ist besser als alle beide,

und des Böen nicht inne wird,

das unter der Sonne geschieht.“

„O Gott der Langmut und Geduld“

Sant´Anna die Stazzema.

 

„Ach Gott, mein Gott

Wie lange soll ich sorgen.“

Hältst du mich fest

In dieser blutenden Kirche

Die alles sah?

Bach Schubert Mahler

Beethoven Brahms

Die Toten sind hier

Und sie warten.

 

Sant´Anna di Stazzema,

28. Juni 2009

Wikipedia

 

Im Sommer 1944 waren die deutschen Streitkräfte in Italien, wie an fast allen Fronten, auf dem Rückzug. Der Frontverlauf war mittlerweile bis in die Toskana vorgerückt. Da die deutsche Besatzungsmacht junge Italiener zwangsrekrutierte und viele kampfunfähige Zivilisten zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie verpflichtet wurden, führte dies bei Teilen der italienischen Bevölkerung zu einer Antipathie gegen den ehemaligen Verbündeten. Mehr und mehr schlossen sich dem bewaffneten Widerstand, der Resistenza an, um als Partisanen gegen die Besatzung vorzugehen. Die bewaldeten Berge der Toskana boten den Irregulären Schutz und ideale Bedingungen, um deutsche Nachschublinien zu stören.

Das deutsche Oberkommando reagierte auf diese Entwicklung mit äußerster Härte. Angeblich hatten Offiziere keine Strafe wegen „zu harten Vorgehens“ zu erwarten. Da Partisanen selbst nur schwer aufzuspüren waren, reagierte man mit Hinrichtungen von gefangenen Freischärlern und Geiselerschießungen von Zivilisten, um potentielle Unterstützer in den toskanischen Bergdörfern, welche die Partisanen mit Nahrungsmitteln und Informationen versorgten, abzuschrecken.

 

 

Hergang des Massakers 

Am 12. August 1944, kurz nach 6 Uhr, umzingelten vier Kompanien der 16. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS” der Waffen-SS das Dorf. Sant’Anna hatte etwa 400 Einwohner und beherbergte mehrere hundert Flüchtlinge. Offiziell sollte die SS gegen Partisanen vorgehen, doch zu den etwa 560 Opfern zählen überwiegend Frauen und 116 Kinder. Sie wurden in Gehöften und auf dem Kirchplatz zusammengetrieben. Die SS warf Handgranaten in die Menge, erschoss wahllos Männer, Frauen und Kinder und brannte die Häuser nieder. Nach nur gut drei Stunden war das Dorf ausgerottet. Das jüngste Opfer war 20 Tage alt.

 

 

Nachkriegszeit und juristische Aufarbeitung 

Sant’Anna di Stazzema wurde zum Teil wieder aufgebaut. Das Massaker wurde nach dem Krieg wie viele deutsche Kriegsverbrechen totgeschwiegen, da Westeuropa eine politische Einheit gegen die Sowjetunion bilden sollte. Die Akten über den Vorfall lagerten bis 1994 in einem versiegelten, mit der Tür zur Wand gestellten Schrank im Palazzo Cesi, dem Sitz der Militärstaatsanwaltschaft in Rom, der auch unter der Bezeichnung „Schrank der Schande“ bekannt war. [1] [2] So blieben die Täter fast 60 Jahre unbehelligt. Erst im April 2004 eröffnete dasMilitärgericht von La Spezia einen Prozess gegen mehrere noch in Deutschland lebende Täter, die jedoch in ihrer Heimat als hochbetagte Rentner kein Strafverfahren oder gar den Strafvollzug fürchten müssen. Am 22. Juni 2005 endete dieser Prozess mit der Verurteilung von 10 früheren SS-Angehörigen zu lebenslanger Haft sowie Entschädigungszahlungen in Höhe von ca. 100 Millionen Euro. Alfred Mathias Concina, Karl Gropler, Georg Rauch, Horst Richter, Gerhard Sommer, Alfred Schöneberg und Ludwig Heinrich Sonntag legten Revision gegen das Urteil ein, welches jedoch 2006 von einem Militärgericht in Rom bestätigt wurde. [3]

Karl Gropler - verurteilt nach italienischem Recht

Georg Rauch - verurteilt nach italienischem Recht

Gerhard Sommer - verurteilt nach italienischem Recht

Alfred Schönenberg - verurteilt nach italienischem Recht (inzw. verstorben [3])

Ludwig Heinrich Sonntag - verurteilt nach italienischem Recht (inzw. verstorben [3])

Alfred Mathias Concina - verurteilt nach italienischem Recht

Horst Richter - verurteilt nach italienischem Recht (inzwischen verstorben)

Werner Bruss - rechtskräftig[4] verurteilt nach italienischem Recht

Heinrich Schendel - rechtskräftig[4] verurteilt nach italienischem Recht

Ludwig Goering - rechtskräftig[4] verurteilt nach italienischem Recht

In Deutschland hat dieses Urteil allerdings keine praktische Bedeutung, so dass keiner der Angeklagten bisher eine Strafe verbüßen musste. Dazu wäre eine Verurteilung vor einem deutschen Gericht notwendig, die allerdings aufgrund der deutschen Rechtslage als unwahrscheinlich gilt.[5]

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt zwar seit 2002 gegen neun der in Italien Verurteilten, bis heute wurde jedoch mangels Beweisen in keinem der Fälle eine Anklage erhoben. Fünf weitere Personen, die nicht in dem Prozess in La Spezia angeklagt waren, blieben von Ermittlungen ausgenommen. Der aktuelle Stand der Ermittlungen ist unklar, da die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Einsicht in die Ermittlungsakten verweigert. Die Hamburger Rechtsanwältin Gabriele Heinecke, die den Verband der Opfer von Sant'Anna in Deutschland gerichtlich vertritt, stellte 2005 bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart einen Antrag auf gerichtliche Entscheidung, welcher mit der Begründung einer zu vermeidenden Gefährdung der Ermittlungen durch die Opfer abgelehnt wurde. [6] Gegen die drei rechtskräftig Verurteilten wurde im Juni 2007 ein Europäischer Haftbefehl gestellt. Dieser dürfte jedoch wirkungslos bleiben, da Deutsche zum Zwecke der Strafvollstreckung nicht gegen ihren Willen ausgeliefert werden dürfen.[4]

Kritiker werfen der Staatsanwaltschaft Stuttgart vor, die Ermittlungen eher aus symbolischen Gründen zu führen und in Wirklichkeit nur den natürlichen Tod der heute noch lebenden Täter abzuwarten. Dadurch versuche die Staatsanwaltschaft eine Einstellung des Verfahrens mangels Beweisen oder einen Freispruch zu vermeiden, was beides als Niederlage für die Justiz gelten würde.

Die Staatsanwaltschaft erklärte hierzu: „Die Ermittlungen dauern noch an, ein Ende ist nicht abzusehen. ... Wir wollen den Sachverhalt vollständig aufklären. Und es ergeben sich immer wieder neue Hinweise.“ Neue Zeugen hätten sich gefunden, weitere würden gesucht, jedoch könnten oder wollten sich vielleicht die Zeugen häufig nicht mehr erinnern. [7] 2007 erklärte eine Sprecherin im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau: „Nach dem deutschen Rechtssystem müssen wir jedem einzelnen eine Tatbeteiligung nachweisen, und wir brauchen Mordmerkmale wie Grausamkeit und niedere Beweggründe, weil nur Mord nicht verjährt.“[4]

Die Staatsanwaltschaft hat ihrerseits die Verurteilung in Italien kritisiert. Sie sei ein „Schnellschuss aus der Hüfte“, bei dem sich die italienische Justiz zehn Angehörige der Einheit „herausgepickt“ und pauschal verurteilt habe.[4]

Am 60. Jahrestag des Massakers besuchte mit dem deutschen Innenminister Otto Schily erstmals ein deutscher Politiker eine Gedenkfeier im Ort.[8] Enio Mancini, der das Massaker als Junge miterlebte und nicht von den Deutschen erschossen wurde, hat an der Stelle des ehemaligen Dorfes eine Gedenkstätte und ein Museum aufgebaut, in dem Fotos, persönliche Habe, und Anderes zu besichtigen sind.

 

Verweise 

Interne Verweise 

Christiane Kohl, Journalistin und Schriftstellerin, Ehrenbürgerin von Sant'Anna di Stazzema.

Massaker von Marzabotto

Literatur 

Friedrich Andrae: Auch gegen Frauen und Kinder. Piper-Verlag, München, 1995, 311 Seiten, ISBN 3-492-03698-8

Claudia Buratti/Giovanni Cipollini: Vite bruciate. La strage di Sant’Anna di Stazzema 1944-2005, L’Unità, Rom 2006.

Carlo Gentile: Le SS di Sant’Anna di Stazzema: azioni, motivazioni e profilo di una unità nazista, in: Marco Palla (Hg.), Tra storia e memoria. 12 agosto 1944: la strage di Sant’Anna di Stazzema, Carocci, Rom, 2003, S. 86-117.

Carlo Gentile: Politische Soldaten. Die 16. SS-Panzer-Grenadier-Division „Reichsführer-SS“ in Italien 1944, in: „Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken“, 81, 2001, S. 529-561.

Carlo Gentile: Sant’Anna di Stazzema, in: Gerd R. Ueberschär (Hg.), Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg, Primus, Darmstadt, 2003, S. 231-236.

Gerhard Schreiber: Deutsche Kriegsverbrechen in Italien - Täter, Opfer, Strafverfolgung. C. H. Beck, München, 1996, 278 Seiten, ISBN 3-406-39268-7

Weblinks 

Partigiani – Widerstand gegen deutsche Besatzung und Faschismus in Italien 1943–1945

Stazzema

Eine Orgel für Sant' Anna di Stazzema

Dokumentarfilm über die Initiative: Eine Orgel für Sant' Anna di Stazzema

Erinnerungen von Enio Mancini – Überlebender des Massakers von Sant' Anna

Web-Portal von Sant’Anna di Stazzema

elenco delle vittime (italienisch) – Liste der Opfer

Aktuell (16.01.2007) laufende Sendung zum Thema im Deutschlandfunk

Die größten Massaker in Italien - Eine Übersicht

Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema am 12. August 1944 - Materialiensammlung 1 für eine bundesweite Kampagne zur Anklageerhebung in Deutschland Mai 2006, (Pdf 880 KB)

 – Kontraste: In Italien verurteilter Kriegsverbrecher als Nachbar – Dorfbewohner verteidigen ehemaligen SS-Mann (RealVideo & Mitschrift), 3. August 2006

Einzelnachweise 

 Heike Demmel: Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema - Schleppende Ermittlungen in Deutschland www.resistenza.de

 Wolfgang Most: Der Schrank im Palazzo Cesi - Späte Prozesswelle gegen ehemalige deutsche Soldaten in Italien. www.resistenza.de

↑ a b c Lars Reissmann: Verurteilung wegen des SS-Massakers von Sant’Anna di Stazzema bestätigt. Lokalberichte Hamburg, 17. Jahrgang, Nr. 24, 23. November 2006, S. 8, (Pdf 553 KB)

↑ a b c d e f Frankfurter Rundschau: http://fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1161615">Haftbefehle gegen Ex-SS-Männer beantragt, 26. Juni 2007

 http://www.broschuere.resistenza.de/material/broschuere_santanna_web.pdf Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema am 12. August 1944. Materialiensammlung 1 für eine bundesweite Kampagne zur Anklageerhebung in Deutschland S. 26

 Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema am 12. August 1944 - Materialiensammlung 1 für eine bundesweite Kampagne zur Anklageerhebung in DeutschlandMai 2006, S. 19-20, (Pdf 880 KB)

 Franz Schmider: Ein Massaker und eine Mauer des Schweigens. In: Badische Zeitung vom 6. Mai 2006, S. 3

 Otto Schily: Ansprache auf der Gedenkfeier zum 

 

 

 

BESSER, ES

zu vergessen, wer es nicht kann,

wird der schuldig?

 

So hörte ich denn ins Grillenzirpen

wie es jenseits der Historie verging

und weiß doch nicht wie´s innen klingt

von ihnen selbst  zu schweigen.

 

Wehmut die am  Wahnsinn verging

wider das Vergehen ist nichts zu machen

dessen Anfang / und kein Ende

dort zwischen dem Gras

und schon beim Erwachen

ein Blitz/ in der Spitze ein Biss.

 

Hochhäuser/ Touristenburgen

sind wie früher die Panzer im Blick!

 

Je weiter wir uns von einander entfernen

auch vom Feierabend/ Kinderlied und so weiter im Kanon

umso mehr brauche ich dieses / die Fuge den Riss

in allem / Oh Gott wie das wendet / in eins setzt

verspätet / wiederholt / die Melodie

auf der Wendeltreppe / Zeitspirale in mir.

 

Alles gewesen / und wie es sich umkehrt

zum alten Leben das jetzt im Augenblick

schon vergeht

 

 

 

 

 

Im Frühjahr 2002 haben wir, selbst Musiker, eine Benefizinitiative ins Lebengerufen, derenZiel es ist, mit Hilfe von Konzerten von Musikerfreunden in Deutschland und Italien Spenden zu sammeln für den Neubau einer Orgel für die Kirche von Sant`Anna di Stazzema, deren alte Orgel bei einem SS-Massaker am 12. August 1944, bei dem 560 Menschen den Tod fanden, zerstört worden war.

 

 

Nach vielen Jahren intensiver Kontakte in der Toskana hatten wir 1997 bei einem Besuch des Museo Storico della Resistenza von Sant`Anna den Gründer und Leiter des Museums, Enio Mancini, kennen gelernt, der selbst als Siebenjähriger das Massaker überlebt hatte. Bei unseren wiederholten Besuchen in Sant` Anna entstand schließlich die Idee zur Benefizinitiative als Zeichen für Frieden und Versöhnung.

Inzwischen wird die Initiative durch zahlreiche Musiker, darunter Mitglieder der Essener Philharmoniker und der Düsseldorfer Sinfoniker, von Organisten und Chören sowie von Professoren der Musikhochschulen Essen und Düsseldorf unterstützt.

Die Initiative wird außerdem aktiv unterstützt von der Comune di Stazzema und der Provincia di Lucca.

Nach ersten Konzerten in Essen in Anwesenheit einer Delegation aus Italien haben bereits zahlreiche weitere Konzerte stattgefunden, darunter auch ein gemeinsames Konzert von italienischen und deutschen Jugendlichen in der Kirche von Sant`Anna.
 

 


Im Dezember 2001 wurde Sant`Anna durch Beschluss des italienischen ParlamentesNationaler Friedenspark. Dort werden nunmehr Veranstaltungen zum Thema Friedenskultur durchgeführt, eine zukunftweisende Arbeit insbesondere mit Jugendlichen, bei der Musik als sprach-unabhängiges und grenzüberschreitendes Medium einen besonderen Platz einnehmen wird. Der Orgel wird hierbei eine herausragende symbolische Bedeutung zukommen.

 

 

 

 

 

 

 


 

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