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Trennung


Wir waren über 7 Jahre zusammen. Und am zweiten Weihnachtstag erzählt er mir abends, dass er eine Beziehungspause möchte. Irgendwie hab ich mir das gedacht. Unsere Beziehung stand unter einem schlechten Stern. Da hat er leider Recht. Noch dazu hat er seit einigen Jahren Depressionen. Ich hab ihm nie in irgendeiner Form helfen können. Deswegen war ich immer hin und her gerissen, wenn es ihm zwischendurch besser ging. Wo seine Krankheit fest gestellt wurde, hab ich alles erdenkliche versucht ihn positiv zu fördern und unterstützen. Ohne Erfolg. Enttäuschend war es damals schon für mich, als eine alte Freundin von uns wieder in sein Leben trat. Er hatte nur mit ihr gechattet und es ging ihm blendend. Mir zuliebe brach er den Kontakt aber wieder ab. Einerseits war ich froh, da ich mit dieser Person nicht mehr klar kam, andererseits wollte ich, dass er Freunde hat und sich nicht in seinem Schneckenhaus verkriecht wo ich der einzige Besucher bin. Alte Bekannte, Außenstehende schafften es irgendwann, dass es ihm besser ging. Wieso ging es bei mir nie? Das macht mich heute immer noch sehr traurig.

Nach langer Warterei sah ich Hoffnung, dass ihn ein Psychologe betreuen würde. Doch der fand seine Krankheit zu fortgeschritten. Zumal er selbst ein Mensch ist, der seine Probleme nach einiger Zeit perfekt analysieren kann. Vor einigen Wochen kam er endlich in die Tagesklinik. Die Integrierung in den Alltag tat ihm sichtlich gut. Wenn ich ein Wochenende von meinem Studium zu ihm kam, wollte er mit mir auch mal wieder Dinge unternehmen und war auch sonst viel mehr selbstständig. In der Hoffnung auf einen rehaaufenthalt unterhielten wir uns damals schon, dass er, wenn er dort sein würde, vermutlich Zeit für sich brauchen würde.

Das war eigentlich schon ein Anzeichen für mich. Er hatte mich mit 18 kennen und lieben gelernt. In dieser Zeit hat er, wie er meint, seine "hörner" nicht abstoßen können. Naja. Wie mans nimmt. Manche Leute brauchen das, manche eben nicht. Bei ihm war und bin ich mir nicht sicher und kann es nicht einschätzen. Doch irgendwie empfand ich das auch schon als eine merkwürdige Begründung. Ein weiteres Anzeichen also.

Eine Woche vor Weihnachten hatte ich keine Vorlesungen mehr und kam etwas früher zu ihm. Mit Koffer und allem Zeugs was ich über die Feiertage zum Lernen bräuchte. An den ersten beiden Tagen war er schon komisch. Ich empfand solch eine starke Distanz zwischen uns, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Er wollte etwas allein sein, also gestattete ich es ihm. Er woltle mir aber auch nicht sagen was er hatte. Es fühlte sich wirklich an, als wäre eine Mauer zwischen uns. Und er blickt ab und zu rüber, aber nur um zu gucken. Als wolle er was sagen, aber dann doch lieber hinter dieser Mauer verschwinden.
Seine Laune verbesserte sich und einige Tage später verbrachten wir sogar einen sehr schönen Abend auf dem Weihnachtsmarkt.

Am zweiten Weihnachtstag kam er dann von seiner Mutter wieder und setzte sich vor mich auf die Couch. Streichelte meine Hand, hielt meinen Kopf. Küsste mich aber morgens schon nicht auf den Mund. Sehr merkwürdig! Das tat er noch nie. Als ich ihn drängte, mir zu erzählen was ihm auf dem Herzen liege, druckste er herum. Und als ich ihm nach 10 Minuten soweit hatte, wurde ich leider abgeholt von meiner Großmutter um zu meiner Familie zu fahren.
Natürlich hab ich dort die ganze Zeit nachgedacht was er von mir wollte. Ich wäre aber nicht auf eine Trennung gekommen. Dennoch hatte ich wohl so ein schlechtes Gefühl, dass ich zu weinen anffing. Auf der Toilette vergraben, damit die Familie nichts merkt, hab ich mich ein wenig ausgeheult. Nur mein Bruder hatte etwas gemerkt. Die Freundin meines Vaters nahm mein schniefen als Erkältung wahr. Irgendwie ein bisschen ignorant finde ich, wenn selbst mein Bruder schon etwas bemerkt.

Was er mir abends dann erzählte und wie es weiter ging, erzähle ich lieber im nächsten Beitrag.

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