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Die Stimme


Die Gedanken schwirren durch ihren Kopf wie ein Insektenschwarm, aber irgendwo am Ende der Gedankenschleifen surrte es, klar, deutlich und bestimmend, da war er der Befehl zum Aufbruch, die innere Stimme die rief:“ Jetzt, lauf los, fang an und nimm dir was dir zusteht!“

Lange Jahre war Tonja einem Ideal gefolgt, einer Idee davon wie ihr Leben laufen soll, aber es fehlte ihr mehr und mehr an Sinn, an Tiefe und dem was man gemeinhin unter Lebensauftrag verstand. Im Auge ihrer Freunde und Bekannte führte sie ein beneidenswertes Leben: Verheiratet mit einem attraktiven, erfolgreichen und lebensklugen Mann, Mutter einer intelligenten und hübschen Tochter. Sie selbst wurde von ihrer Umwelt als charismatische, starke Frau von subtiler Attraktivität, mit breitgefächertem Allgemeinwissen und messerscharfer Zunge wahrgenommen, sie verdiente ihr eigenes Geld und bestimmte augenscheinlich ihr Leben selbst. Aber ist das was es scheint auch das was es ist? Eher selten, wenn man ehrlich ist.

Mittlerweile 43 Jahre alt fragte Tonja sich beinahe täglich, ist dies das Leben was ich führen will, sind dies die Menschen die ich an meiner Seite haben möchte, was wäre wenn ………..

Heute an diesem Sonntag im März wurde die Stimme unüberhörbar laut, und Tonja beschloss auf sie zu hören. Aber zuvor musste sie noch einmal ihren eigenen Idealvorstellungen Folge leisten und ihrem anbetungswürdigen Mann, nebst seiner unfassbar familiären Familie eine unglaublich gute und durchaus nachahmungswürdige Geburtstagsfeier ausrichten. Gregor wurde morgen 49 Jahre alt, da kann sie heute nicht einfach gehen, ihn und ihre gemeinsame 16-jährige Tochter Elena zurücklassen. Sie wird gehen, aber erst übermorgen - für wie lange werde ich fortbleiben - überlegte sie, eine Antwort blieb sie sich schuldig, alles zwischen ein paar Monaten, Jahren oder aber für immer war möglich. Frei sein, sie wollt nichts mehr als das. Dafür konnte sie diesen verdammten Familienscheiß noch einmal durchziehen, jahrelange Übung hatte sie ja darin, um genau zu sein 20, aber es würde kein weiteres hinzukommen, soviel war klar.

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