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Sonntag, 29.04.


Heute war mal wieder ein typischer Sonntag in meinem Leben, den ich in erster Linie mit Haushalt, Internet und Fernsehn verbracht habe. Irgendwie hatten wir beide heute keine Lust raus zu gehen. Mein Freund fühlt sich immer noch nicht so gut, die Bronchitis macht ihm immer noch zu schaffen, hoffentlich wirkt das Antibiotikum bald!!

Im großen und ganzen geht es mir heute echt gut, von den "üblichen" Schmerzen (insbesondere am Steißbein) habe ich heute gar nichts gemerkt. Das heißt aber nicht, dass ich völlig schmerzfrei gewesen bin. Der Muskelkater ist vom Feinsten.... Aber damit habe ich ja gestern schon gerechnet. Das Training beim PT hat es halt mächtig in sich. Am schlimmsten merke ich heute die Oberarme, den hinteren Bereich, das war zumindest mal ein ganz anderer Schmerzbereich als sonst, dort hatte ich bisher noch keine Probleme (da lernt man mal neue Muskeln in seinem Körper kennen.... Grins....). Dazu kam der Muskelkater im Rücken, dieses Mal mehr im oberen Bereich, also nicht im LWS-Bereich (wo ich sonst häufig Schmerzen habe), sondern mehr mittig, im unteren Bereich der BWS, auch dort hatte ich bisher noch keine Probleme. Als ich vorhin die Wäsche sortiert habe und mich dabei mehrmals bücken musste, fühlte ich mich wie eine alte Oma, habe gestöhnt ohne Ende, mein Freund konnte sich ein Lachen nicht mehr verkneifen. Die Oberschenkel habe ich kaum gemerkt, der Muskelkater an den Armen und im Rücken war dagegen viel intensiver.

Außerdem habe ich eine dicke Blase im Mund. Ich habe seit vielen Jahren, eigentlich schon seit der Schulzeit, eine ganz blöde Angewohnheit. Jedes Mal, wenn ich mich total auf eine Sache konzentriere (also im Rahmen der Therapie auf die Übungen), dann beiße ich mir (natürlich völlig im Unterbewusstsein) mit den Zähnen auf die Unterlippe. Im Rahmen der KG ist das bisher nur einer Physiotherapeutin aufgefallen, bei der ich vor rund 2 Jahren die KG hatte. Sie hat mich mehrmals darauf angesprochen. Ich selber merke das meistens gar nicht. Schon in der Schulzeit wurde ich zum Teil von meiner Lehrerin darauf angesprochen, wenn es ihr bei Klassenarbeiten aufgefallen ist. Teilweise mache ich das dann so intensiv, bis die Lippe "kaputt" ist, bis es blutig ist, erst dann fällt es mir meistens selber auf.

Meinem Trainer beim PT ist es schon nach kurzer Zeit aufgefallen, er hat seine Augen wirklich überall. Er hat mich inzwischen auch schon des Öfteren darauf angesprochen, trotzdem mache ich es bei den Übungen, bei der Konzentration dann doch immer wieder. Obwohl er mich gestern zu Beginn des Trainings erneut darauf angesprochen hat, habe ich es während des Trainings dann doch wieder gemacht. Im Laufe der Stunde ist es dann passiert und ich habe mich unterhalb der Lippe (also im Mund) kräftig "gebissen" (selber Schuld...!!). Über Nacht ist diese Stelle ziemlich dick geworden, eine richtige Blase halt. Wie heißt es so schön, "Wer nicht hören will, muss fühlen". Aber sich Angewohnheiten wieder abzugewöhnen, die man völlig aus dem Unterbewusstsein heraus macht, das ist nunmal verdammt schwer. Aber trotzdem finde ich es im Grunde gut, dass mein Trainer auch auf solche "Kleinigkeiten" achtet, wer weiß, wie oft ich mich bei diesem intensiven Training sonst schon "gebissen" hätte.

Im Moment werde ich wirklich sehr viel an meine Schulzeit erinnert. Durch meinen Trainer an den Schulsport und vor ein paar Wochen habe ich an meiner Haltestelle, an der ich regelmäßig die Straßenbahn nehme, eine "kleine" Nachbarin kennengelernt. Sie ist 10 Jahre alt und geht in die 5. Klasse. Als einmal die Bahn ausgefallen ist, sind wir ins Gespräch gekommen. Für ihr Alter ist sie total schlagfertig und selbstsicher im Reden. Sie erzählt mir jetzt regelmäßig, welchen Unterricht sie in der Schule hat und wie die Klassenarbeiten so laufen, wie ihre Noten sind. Dabei werden bei mir natürlich sehr viele Erinnerungen an meine eigene Schulzeit wach.

Mein persönliches Lieblingsfach war von Anfang an Deutsch, das schlimmste Fach war Chemie (darin hatte ich mehrmals eine 6). Bei Physik hatte ich Glück, dass das ein Hobby von meinem Vater war. Darin haben wir sehr viele Experimente gemacht, mussten auch zu Hause viele vorbereiten und dann vortragen. Mein Vater hat sich immer wieder sehr viele Sachen dafür einfallen lassen, hat mir dann alles so erklärt, dass ich es verstanden habe und auch so meinen Mitschülern vermitteln konnte. Ich kann mich noch an einige Experimente erinnern (unter anderem mit Wasser und auch mit Magneten), die ich vor der Klasse vorgeführt und erklärt habe. Normalerweise habe ich vor meiner Klasse ja nie den Mund aufbekommen, aber bei diesen Experimenten habe ich mich dann entweder auf meinen Lehrer (ein ganz toller, lockerer Mann, mit dem die meisten per Du waren) oder aber auf einen einzigen Mitschüler konzentriert. Ohne meinen Vater, ohne seine Vorbereitungen bei diesen Experimenten hätte ich auch bei Physik (so wie bei Chemie) ziemlich schlecht ausgesehen. 

Mein schulischer "Genickbruch" ist eigentlich durch den Schulwechsel passiert. Ich wollte unbedingt auf die Gesamtschule, weil dort fast alle meine Schulkameraden aus der Grundschule und auch alle Nachbarskinder hingegangen sind. Leider bekam ich von dort eine Absage und kam dann schließlich auf die Realschule. Dort war ich ziemlich gut und ich möchte auch behaupten, dass ich diese Schule geschafft hätte. Mitten in der 5. Klasse, im Februar, bekam ich dann das blöde Gipskorsett, das ich dann ein Jahr lang von morgens bis abends tragen musste (laut Ärzten müsste ich mich ansonsten damit abfinden, spätestens mit 30 Jahren im Rollstuhl zu sitzen, ein saublöder Satz der Ärzte, den ich bis heute nicht vergessen habe, damit kann man einem Patienten, auch wenn es noch ein Kind ist, wirklich sehr viel Mut nehmen!!).

Meine Schulkameraden waren total klasse, keiner ließ mich im Stich, alle haben mir geholfen, wo sie nur konnten, haben mir z. B. die Tasche vom Boden angegeben, so dass ich mich nicht bücken musste. Als ich dieses Korsett nach einem Jahr, im Februar mitten in der 6. Klasse, dann wieder losgeworden bin, hat sich das Gesundheitsamt eingeschaltet und hat mich, damit ich die Bücher nicht mehr hin und her tragen musste (und in der Schule Hausaufgaben machen konnte), von heute auf morgen in die Gesamtschule, in die Ganztagsschule geschickt. Dieser Übergang war für mich mächtig hart. Ich hatte in der Realschule längst gute Freundschaften gebildet, die ich damit alle aufgeben musste. Ich habe damals zu Hause ein großes Abschiedsfest gegeben (das meine Mutter organisiert hatte), das sehr tränenreich gewesen ist. 

In der Gesamtschule ging es mit mir dann steil bergab. Man meint ja immer, dass der Unterricht in der Realschule schwerer sei als in der Gesamtschule. Zumindest damals war das nicht der Fall. In sämtlichen Fächern war die Klasse in der Gesamtschule weiter, ich kam nirgends mehr so richtig mit.  Dazu kam, dass ich mich mit den Klassenkameraden nicht verstanden habe, so gut wie alle haben mich gemieden, ich bekam keinen Anschluss. Gegen Ende der 6. Klasse nahmen mich dann die 3 größten Mädchen zur Seite und haben mich verprügelt und mich auf der Toilette eingeschlossen, wo ich abends von der Putzfrau gefunden worden bin, von oben bis unten mit blauen Flecken. Danach hatte ich dann 2 Wochen lang einen Krankenschein, war nicht mehr in der Lage, zur Schule zu gehen. Dann hat sich mein Klassenlehrer für mich eingesetzt und ich kam zur 7. Klasse in eine neue Klasse.

Gleichzeitig hat meine Mutter mir Nachhilfe organisiert, die ich dann bis zum Ende meiner Schulzeit, also bis zum Ende der 10. Klasse regelmäßig hatte. Mit Englisch war die Gesamtschule sehr viel weiter, ich kam mit dem Vokabel-Lernen gar nicht mehr nach, dafür bekam ich 2 Mal wöchentlich Nachhilfe bei einem Studenten (der inzwischen in einem Gymnasium Oberstudiendirektor ist, wie ich zufällig erfahren habe). Seit damals habe ich Probleme mit Englisch, es ist für mich ein "Buch mit sieben Siegeln" geworden, womit ich mich frewillig inzwischen nicht mehr beschäftige. Außerdem mussten wir in der 7. Klasse ein Fach hinzu wählen. Da meine Tante kurz zuvor einen Franzosen geheiratet hat, haben meine Eltern darauf bestanden, dass ich Französisch lerne (um mich mit ihm unterhalten zu können). Damit hatte ich noch größere Probleme als mit Englisch und bekam auch dafür eine Studentin, die ebenfalls 2 Mal wöchentlich kam (heute kann ich nur noch ganz wenige Wörter auf Französisch, habe so gut wie alles vergessen, ich habe es schließlich ja auch nicht "freiwillig" gelernt). Deutsch hat der beste Freund meines Vaters mit mir über Jahre geübt (er kam extra dafür einmal wöchentlich zu mir, um mit mir Diktate, also die Rechtschreibung zu üben) und in Mathe (und halt auch Physik) war mein Vater super gut, darin bekam ich von ihm mindestens einmal wöchentlich Nachhilfe. Außerdem half er mir auch in Musik, hat mir die Noten beigebracht. Meine Mutter war für Kunst und Textilgestaltung "zuständig", so hat mir halt jeder auf seine eigene Art und Weise geholfen.

In der 8. Klasse war ich so weit "unten", dass ich noch nichtmals mehr den Hauptschulabschluss geschafft hätte, aber mit der ganzen Nachhilfe (dabei haben wir alle immer sehr viel "gepaukt", die Anderen haben sich mit mir auch sehr viel Mühe gegeben) habe ich es schließlich geschafft, in der 10. Klasse sogar die Zulassung zum Abi zu bekommen. Meine Lehrer wollten mich unbedingt dazu überreden, hatten aber keine Chance. Mir reichte es, diese ganze Nachhilfe, ich konnte nicht mehr, wollte endlich Arbeiten gehen. Natürlich hatte ich die Berufsschule noch vor mir, aber immerhin mit Fächern, die mich mehr interessiert haben, als Chemie und Physik. 

In der 9. Klasse hatte ich ein Praktikum in einer Bank, wollte danach unbedingt Bankkauffrau werden, das war anfangs mein größer Berufswunsch (dass ich überhaupt ins Büro wollte, das stand für mich schon seit frühester Kindheit fest, da meine Eltern beide früher im Büro waren). Als Bankkauffrau hatte ich jedoch keine Chance. Ich wurde von mehreren Banken eingeladen, musste immer einen Eignungstest mitmachen. Ich sage mal so, im Gegensatz zu meinem Vater kann ich kein Kopfrechnen, ohne Taschenrechner bin ich völlig aufgeschmissen. Egal wie intensiv mein Vater das mit mir geübt hat, ich schaffe es nicht, ich kann halt kein Kopfrechnen. Bei diesen Eignungstests waren dann immer Rechenaufgaben dabei, einschließlich Prozentrechnen (natürlich alles ohne Taschenrechner). Ich bin bei allen Tests durchgefallen (während der Schulzeit habe ich bei Mathe immer "geschummelt", was nie aufgefallen ist, ich hatte immer einen super kleinen Taschenrechner dabei und da ich Frierpitter so gut wie immer einen Pulli mit langen Armen an hatte, konnte ich diesen Taschenrechner immer ohne Probleme im Ärmel verstecken, mal eben schnell unter dem Tisch was ausrechnen.....). 

Nach vielen Absagen habe ich dann schließlich noch ein Jahr in der Höheren Handelsschule drangehangen, im kaufmännischen Bereich, was dann schließlich sogar sehr gut gewesen ist. Dort hatte ich im Prinzip alle Fächer, die ich später auch in der Berufsschule hatte, also alles, was ich beruflich später auch gut gebrauchen konnte (auch die Buchhaltung, Organisationslehre, also Computer, usw). Eigentlich war es eine zweijährige Handelsschule, aber ich habe mich immer weiter beworben, allgemein als Bürokauffrau, bis ich schließlich eine Zusage hatte, wo ich dann auch meine Ausbildung gemacht habe. Dieser Chef hatte mir zwar noch angeboten, dass ich zunächst das zweite Jahr dieser Handelsschule beenden könne, er mir den Ausbildungsplatz für das nächste Jahr freihalten würde, aber davon wollte ich nichts wissen, ich habe diese Schule dann nach einem Jahr abgebrochen und habe endlich angefangen zu Arbeiten. 

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