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Verlieben


Was braucht es denn schon um sich zu verlieben?
Ich meine Liebe auf den ersten Blick mag möglich sein, aber ich würde spontan behaupten, dass das was mit Glück zu tun hat, denn es ist doch ziemlich sicher, das man auf den ersten Blick nicht soviel über einen Menschen sagen kann. Worauf kann man sich denn beim ersten Blick verlassen? Den Blick in ein paar wunderschöne Augen? Einen netten Hintern? Oder vielleicht eine Geste? Einen Satz? Aber wieviel sagt das denn schon über einen Menschen, wenn mich doch Menschen, die ich seit 20 Jahren kenne immer noch erstaunen können?
Aber wie funktioniert es dann? Und warum verliebt man sich überhaupt?
Ich neige dazu mich in Männer zu verlieben, von denen ich weiß, dass sie mich mögen...aber ich verliebe mich ja auch nicht in jeden Mann der mich mag... also muss da ja noch mehr sein, oder nicht?
Aber die meisten Menschen sind interessant, beim ersten Kontakt, beim zweiten, beim dritten...und dann? Verliebt man sich dann automatisch? Und wenn das so ist, was hat es dann auf sich mit der Vorstellung von ewiger Liebe?
Oder verliebt man sich, weil man spürt, dass der andere vielleicht in der Lage ist, dich zu einem besseren Menschen zu machen, weil ihr voneinander lernen könnt? Aber was passiert dann, wenn ihr ausgelernt habt aneinander? Was wenn einer sich verändert?
Jemand hat mir mal die Geschichte von den Kugelmenschen erzählt, einer Theorie nach der wir alle die eine Hälfte einer Kugel bilden und deshalb nicht so richtig voran kommen, bis wir unsere andere Hälfte gefunden haben und zu rollen beginnen...und wenn es nicht exakt der Richtige ist, dann rollt man eben ein bisschen unrund...Aber das ist dann wiederrum problematisch, wenn man darüber nachdenkt, dass man sich unterschiedlich stark verändert...
Andere wiedrum sagen, die große Liebe ist ganz ohne Romantik nur eine Frage der Entscheidung, solange du dich immer wieder für sie entscheidest, ist sie deine große Liebe...aber es mag der Tag kommen an dem das nicht mehr möglich ist...und dann?
Andere glauben solange an die große Liebe, bis sie sie gefunden haben und sie ihnen so richtig in den Hintern beißt und dann? Gibt es noch eine große Liebe, nach der großen Liebe? Oder gar eine Größere?
Und was ist mit den Menschen in die man sich verliebt, die man liebt, so sehr das man für die sterben würde, die aber ihr Herz an jemand anderen verschenkt haben? Gibt es denn für jeden eine große Liebe? Und warum bleiben dann soviele Menschen am Ende alleine?
Und was ist mit der Liebe, die dir jetzt das Herz erfüllt, von der du aber ganz genau weißt, dass sie nicht für ewig ist, auch wenn sie jetzt da ist, weil die Lebenskonzepte einfach zu unterschiedlich sind? Ist das dann keine Liebe, oder sollte man sich selber aufgeben, damit diese Liebe eine Chance hat sich zu erfüllen? 
Wieso versucht man immer wieder einen anderen glücklich zu machen, wenn man doch aus eigener Erfahrung weiß, dass man selber nicht in der Lage ist, von jemandem glücklich gemacht zu werden, sondern nur dann glücklich sein kann, wenn man es selber ist? Warum sieht man dann doch diesen Einen als die perfekte Ergänzung mit der man endlich glücklich sein kann?
Und was ist mit solcher Liebe, die eine Funktion erfüllt, die dazu dient eine Sehnsucht zu stillen, eine Sehnsucht nach Nähe, Familie, Stabilität, Vertrauen? Was ist mit solchem Verliebtsein? Ist es Echt, oder wird es vom Körper nur produziert, weil es einfacher ist, als zu versuchen, sich selber glücklich zu machen? Kann man auch süchtig sein nach Liebe? Und wie lebt man dann? Wenn doch ein Alkoholiker kein Maß finden kann, wie soll man dann in Maßen lieben, wenn man süchtig ist? Kann man aufhören zu lieben? Einfach so?
Und was wenn ich mir wünsche mich zu verlieben und mich deshalb in irgendwen verliebe, ist es dann weniger echt, auch wenn es sich ganz echt anfühlt?
Was wenn man so oft verliebt war, geliebt hat, verloren hat, dass man sich fragt, ob man seinen eigenen Gefühlen überhaupt noch trauen kann? Ob dieses Gefühl von Nähe, dass da in Herzgegend wohnt, das bohrt, lockt und zieht, wirklich echt ist? Oder nur eine Flucht vor sich selber? Eine Flucht in ein WIR, in dem man mit sich selber nicht mehr allein zu sein braucht?
Denn wer ist schon gern alleine?
Vielleicht ist das ja der eigentlich Zweck, nicht mehr allein zu sein? Aber benutzt man dann den anderen nicht automatisch?
Aber was ist dann damit?

Neues Testament, 1. Korintherbrief 1-13 ( Teilausschnitt)
Die Liebe ist langmütig,
die Liebe ist gütig.
Sie ereifert sich nicht,
sie prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig,
sucht nicht ihren Vorteil,
läßt sich nicht zum Zorn reizen,
trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht,
sondern freut sich an der Wahrheit.
Sie erträgt alles,
glaubt alles,
hofft alles,
hält allem stand.
Die Liebe hört niemals auf.

Nicht das ich grundsätzlich auf die Bibel hören würde, aber ich stelle mir vor, dass es eine Idealvorstellung von Liebe wiederspiegelt, der wir alle mehr oder weniger zustimmen können, aber wieso ist es dann so verdammt unmöglich danach zu leben? Wieso benutzen wir die Menschen die wir lieben auf die eine oder andere Weise, immer und immer wieder? Wieso scheint die Liebe heute immer weniger mit diesem Ideal zu tun zu haben?
Wieso kämpfen wir nicht mehr? Wieso geben wir die Liebe auf?
Verliebe ich mich heute nur um morgen nicht alleine zu sein, oder gibt es mehr als den bloßen Nutzen, den jeder aus der Vereinigung in der Liebe zieht? Nicht alleine sein, sich fortpflanzen, Sicherheit, Wärme, Nähe... verdammt ist da nicht mehr? Irgendwas, dass so unglaublich und so gut ist, als das es sich lohnt wegen dem fehlen der großen Liebe unglücklich zu sein? Ich sag ja nicht, dass man Tag und Nacht unglücklich sein muss, nur weil man sie nicht, oder noch nicht gefunden hat, aber irgendwie scheint man in seinem tiefsten Inneren davon überzeugt zu sein, dass man nur mit und durch die Liebe wirklich glücklich werden kann...
Man schaut mitleidig auf jene herab, die einsam sind, und hofft inständig, dass es einem nicht eines Tages genauso geht...
Deshalb lässt sie zu das man sie schlägt, oder er ignoriert, dass sie ihn betrügt, deshalb gibt man sich mit der 2. Wahl zufrieden oder einem Mann der trinkt, deshalb verzichtet man auf Kinder, oder den Hund, die Karriere oder eine Weltreise...und sagt sich selber, dass man auch ohne glücklich ist, weil man nicht alleine ist...
Liebe funktioniert ( und das scheint mir schon haarsträubend, wo so etwas besonderes nicht zu funktionieren haben sollte) wenn Kompromisse gemacht werden, und man entscheidet, wie eine Waage, wieviele Kompromisse sich durch die Liebe aufwiegen lassen, aber neistens gibt es einen, der mehr (er-)tragen kann...und dann? Ist das dann Liebe in ihrer höchsten Erfüllung?
Und dann gibt es ja auch noch die Chemie, die Biologie...aber dann ist Liebe wirklich nur noch eine Funktion, wie der Stuhlgang und was dann? Was passiert dann mit unseren Vorstellungen von Liebe? Kann das wirklich alles sein?
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