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Abschied von Mama ...


 

 

 

Je weiter du gehst, desto mehr verschwinden deine gegangenen Fußabdrücke. Aber so bleibst du als liebevoller Gedanke für immer in unsere Mitte...

 

 

… mit diesen Worte endet im Dezember 2006 mein offener Brief zu Opas Beerdigung. Zu dem Zeitpunkt habe ich nicht erwartet, dass wir im November 2007 auch Oma werden beerdigen müssen. Und nun, im April 2009 sitzen wir erneut hier zusammen um Abschied zu nehmen von Ellen

 

 

Ich denke, beinahe jeder wird behaupten, er habe die beste Mama auf Erden. Und ich schließe mich dieser Meinung an – aber ich möchte noch hinzufügen, wie besonders das Gefühl ist, wenn die eigene Mama auch gleichzeitig eine beste Freundin ist.

Als Kind oder Jugendliche habe ich mir das so sicher noch nicht vorstellen können. Aber nun, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ein schönes Gefühl ist, die „Rolle“ als Tochter ein Stück weit aufzugeben und als gleichwertige Freundin gesehen zu werden. Eine Freundin, auf deren Meinung Wert gelegt wird, mit der man zusammen weinen und lachen und auch mal albern sein kann. Eine Freundin, die man gerne trifft, telefoniert oder etwas Gemeinsames unternimmt.

Und egal, ob es nun der Begriff Freundin oder Mama ist – wichtig alleine ist das besondere Gefühl jemanden wie DICH gehabt zu haben; dem ich immer vertrauen konnte und zu dem ich mit all meinen kleinen und großen Kümmernissen immer gehen konnte.

 

Wer dich kennt, hat dich als einen sehr offenen und warmherzigen Menschen kennen lernen dürfen. Schon früh morgens steigst du gut gelaunt aus dem Bett, bist immer hilfsbereit und freundlich.

 

Du warst Ehefrau und Mutter, Tochter und Schwiegertochter, Schwester und Schwägerin, Tante und Cousine, Nachbarin, Bekannte und Freundin … und doch warst du noch so Vieles mehr...

 

Für mich bist du die beste Mama und Freundin

 

 

Liebe Mama,

 

ich kann nicht alles aufzählen was du in 33 Jahren für mich getan hast. Aber ich möchte nochmal Danke sagen. Wir beide hatten immer eine enge und sehr besondere Beziehung.

 

 

Als Michel 1996 stirbt, bist du in jeder Sekunde für mich da und gibst mir trotz aller Ängste und Sorgen den Raum, meine Traurigkeit und Trauer nach meiner ganz eigenen Art zu verarbeiten …

 

Auch als ich schon lange erwachsen bin, kommst du morgens vor der Arbeit noch in mein Zimmer, um mich zu wecken – manchmal krabbelst du sogar für 5 Minuten zu mir ins Bett.

Ich erinnere mich noch heute daran, wie ich als kleines Kind morgens nach dem Aufstehen Barfuß in die Küche tappse und zu dir auf den Schoss krieche um langsam wach zu werden. Diesem Gefühl von Schutz und Geborgenheit kann ich mir mein Leben lang sicher sein.

 

Eure Silberhochzeit am 23.8.1998 ist ein großes Fest. Du hast immer gerne gefeiert und getanzt. Im Vorfeld basteln, schreiben und tüfteln Heiko und ich, denn wir wollen Euch einen einmaligen Tag bescheren. Haus und Zaun werden geschmückt. Als Überraschung haben wir dir deinen Brautstrauß für die Silberhochzeit nachbauen lassen. Rote Rosen und weiße Lilien hast du auch heute in der Hand. Noch Wochen nach der Silberhochzeit hast du dich für all die schönen Überraschungen bedankt.

 

Kurz nach der Silberhochzeit ziehen  erstmals dunkle Wolken auf – Diagnose Brustkrebs...

Ich erinnere mich noch heute wie stark und mutig du dagegen angehst. Oft habe ich mich gefragt, woher du soviel Optimismus nimmst. Und du hast einfach gesagt: „Ich habe von innen heraus ein gutes Gefühl.“

 

Du hast diese Krankheit zwar ernst genommen, aber zu keinem Zeitpunkt zugelassen, dass sie dir deine Lebensfreude nimmt. Im Gegenteil, auf die Bemerkung du hättest ja Krebs, hast du nur erwidert: „ Ich habe keinen Krebs mehr, den haben sie mir abgeschnitten.“ Vielleicht ist das der Grund, warum du dieser Krankheit solange hast trotzen können.

 

Ganze 8 Jahre hat es gedauert, bis der Krebs dann doch wieder auftauchte. Ich weiß noch, wie du bei mir anrufst und sagst: „Ich bin im Krankenhaus, bei der Krankengymnastik ist mein Arm gebrochen.“

So allerlei auf einmal ist  mir da durch den Kopf geschossen. Als wir zusammen in deinem Krankenzimmer sitzen wissen wir doch beide schon, womit eigentlich zu rechnen ist und die Diagnose bestätigt diese dunkle Vorahnung dann.

 

Ich muss nicht erwähnen, was du in den vergangenen 2 Jahren auf dich genommen hast um gegen den Krebs anzugehen. Operationen, Chemotherapie, Bestrahlungen... 

Wieder hast du den Kampf aufgenommen, auf und ab, und zu Beginn scheint es auch wieder zu helfen. Über eine lange Zeit hast du wieder gesagt: „Ich habe von innen heraus immer noch ein gutes Gefühl.“ Und tatsächlich gehen die Tumormarker zurück.

 

In all dieser Zeit habe ich dich nie hadern oder zweifeln gehört. Im Gegenteil – du hast gesagt: „Man bekommt nur so viel auferlegt, wie man auch tragen kann.“ und „ Was soll ich denn machen, ich muss da halt durch, anders geht es nicht.“ Für diese Stärke und Haltung bewundere ich dich sehr.

 

Heute denke ich, du hast schon eine längere Zeit gewusst oder geahnt, dass du dieses mal vielleicht nicht gewinnen wirst. Seit dem Sommer hast du kontinuierlich abgenommen, am Telefon sagst du unvermittelt zu mir: „Sabine, du musst dich damit auseinander setzten, dass ich nicht mehr für immer da sein werde.“ Wir haben beide das gleiche Gefühl, auch wenn es lange Zeit unausgesprochen bleibt.

 

Ich für meinen Teil kann nur sagen, wie sehr mich dein Mut, deine Kraft, deine Haltung, dein Lebenswillen beeindruckt haben.

 

Zum Schluss ging es nun doch irgendwie ganz schnell und ich bin geneigt zu sagen „Gott sei Dank“. Denn es hat mir weh getan, dich so leiden sehen zu müssen und nicht wirklich helfen zu können. Ich habe versucht dir etwas von all deiner Liebe zurückgeben zu können und es war mir wichtig, dich auch am Schluss dieses Weges nicht alleine zu lassen. 

 

Püppchen, so hab ich dich immer genannt, beste Mama und liebste Freundin .. bis wenige Tage vor deinem Tod hast du der Krankheit noch immer getrotzt. Hast mit uns im Krankenhaus gelacht und Späße gemacht. Ich habe noch im Ohr wie du sagst: „Casi, ich liebe Dir!“ Oder wie wir beide im letzten Sommer im Garten sitzen und du inbrünstig singst... Wir haben soviel zusammen gelacht.

 

Und das ist nun, was am Ende auch über bleibt. Deine gegangenen Fußabdrücke werden nicht verschwinden – immer werden sie hier und da mal wieder auf blitzen. Immer werde ich mich erinnern an deine Stärke, Kraft, Einzigartigkeit, Liebe und nicht zuletzt dein Lachen. Aus genau diesem Grund haben wir aus dem kleinen Prinzen den Spruch für deine Traueranzeige gewählt:

 

„Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können. „

 

Auch wir haben nun einen Stern mehr dort oben, der lachen kann. 

 

 

Ich sage dir danke, für eine wunderschöne Zeit und bin stolz, daß ich deine Tochter sein darf. 

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