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Auszug für immer



„Hallo Schwesterchen,“ so stand sie vorm Haus


„Wird immer schlimmer, ich muss da raus.


Ma und Pa ständig am motzen, nerven extrem,


ich zieh zu dir, wird das wohl gehen?“


 


„Nun komm erstmal rein,“ sagte ich dann zu Ihr.


„Wenn’s nicht anders geht, ziehst halt erstmal zu mir.“


Wir redeten den ganzen Abend, es wurde noch recht nett


lachten und weinten, doch musste ich langsam ins Bett.


 


„Fahr nach Hause sonst machen sie sich Sorgen,


ich red mit ihnen, sehn uns dann ja morgen.“


„Das ist lieb von dir“, sagte sie und drückte mich doll


„Bei dir zu wohnen das wäre echt toll“


 


Ich stand an der Tür und schaute ihr hinterher,


meinen Eltern das beizubringen wird sicher recht schwer.


Was humpelst du denn, komm mal her, ich kann’s doch sehen,


Ach nicht so schlimm, so tat sie’s ab, morgen wird’s schon gehen.


 


Am nächsten Mittag, es klopft an der Tür, ich weiß es noch als wäre es heut,


als hörte ich bis zu mir das Glockengeläut.


Mein Onkel? Der ließ sich doch sonst hier nicht sehn.


„Ich soll dich holen, es ist was geschehen“


 


„Dein Vater“, er stottert, „heut morgen, tot auf dem Bett, sie gefunden.“


„Das kann nicht sein,“ weinte ich .“..sah sie doch noch vor ein paar Stunden.“


Ich konnte es nicht glauben, wollt es nicht wissen


Hab um mich geschlagen, geschrieen, in die Faust mir gebissen.


 


„Lass uns fahren, willst sie sicher noch sehn bevor sie sie fort tragen.


Deine Eltern brauchen dich jetzt und die Polizei hat auch noch fragen.“


„Polizei? Was hat die damit zu schaffen?“


„Kann mir schon vorstellen wie die Nachbarn tuscheln und gaffen.“


 


Die nächsten Stunden kamen mir vor wie Tage,


die Polizei fuhr weg ohne weitere Frage.


„So jung zu sterben und dann noch so plötzlich da müssen wir kommen.“


Doch schnell ging die Lüge rum, die hat doch Tabletten genommen.


 


Meine Eltern am Ende, meine Tränen die schluckt ich, musste stark sein für sie.


Der Leichenwagen draußen, ihre Sachen in meiner Hand…vergesse es nie.


Erzählte meinen Eltern nicht, von dem Gespräch am Abend davor, dachte mach es nicht noch schlimmer.


Dann zog sie aus…für immer


Jetzt ist es schon 4 Jahre her. So schnell vergeht die Zeit, doch trotzdem fehlt sie mir jeden Tag. Ich war gestern mit Mum an ihrem Grab, hab ein kleines aus Moos gestecktes Herz mit roten Rosen zu ihrem Todestag hingelegt, ich wäre lieber allein gegangen. Mutter hat wieder schrecklich geweint und ich wußte wieder nicht was ich ihr sagen sollte. Ich rede nicht gern mit ihr über Ramona, ich kann es nicht ertragen sie so traurig zu sehn. Sie meint ich wäre kalt, würde nicht mehr an Ramona denken. Ich würde sie so selten am Grab besuchen, doch muss ich dort hin um zu trauern? Ich frage mich oft wie es wäre wenn sie noch leben würde. Ja ich bin mir sicher das Verhältnis zu meiner Mutter wäre einfacher. Ich bin die letzte von ihren drei Töchtern, im Grunde bewundere ich meine Mutter wie sie damit umgeht, zwei Kinder verloren zu haben. Ich bin selbst Mutter und ich könnte nicht sagen wie ich mein Leben in so einer Situation weiter führen würde. Vielleicht ist ihr/unser Verlust das Problem das zu unserem schwierigen Verhältnis zu einander führt?


Es klingt verrückt wenn ich jetzt sage das ich kurz nach dem Tod meiner Schwester, Kontakt zu einer Hexe im Internet aufgenommen hatte, wenn ich heut dran denke muss ich selbst schmunzeln, im nachhinein war es das beste was ich machen konnte. Angeblich konnte diese Person Kontakt zu Toten aufnehmen, was hätte ich drum gegeben wenn ich ihr hätte sagen können was mir noch so schwer auf dem Herzen lag. Ich habe ihre Übernatürlichen Dienste nie in Anspruch genommen doch gab sie mir den Rat, der Toten einen Brief zu schreiben und bei der Urnenbeisetzung ins Grab zu legen. Das habe ich getan, ja ich habe mich Verabschiedet. Und meine Schwester, tat es ebenfalls in einen meiner Träume. Ob einfacher Wunsch meines Unterbewußtseins oder nicht, ich bin einfach dankbar für diese Erfahrung. Ab dem Moment konnte ich mit der Situation umgehen.


Dum spiro spero....Marsalie


 


 


 


 


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Kommentare

wirlis [Tb: Stumme Tränen] - 03.03.2006 16:15
es tut immer weh, jemanden zu verlieren, doch manchmal frage ich mich, ob es mir weitergeholfen hat und dann weiß ich, das vielleicht hätte so sein sollen und ich gelernt habe... wünsch dir viel Kraft...

Sharim [Tb: Gedichte eines Wanderers] - 03.12.2005 19:54
Mein Beileid. ich bewundere euch, das ihr so stark seit und selbst nach 4 Jahren noch dermaßen trauert. Aber auch ihc verstehe es nciht warum ein Ort, auf dem verschiedene tote Leute in der erde begraben sind (das soll jetzt nicht abfällig wirken) besser sein soll als tief im herzen ehrlich und (für mich) persöhnlicher zu trauern. keinen geht es an, wie ich trauere, denn das sind eine der Persöhnlichsten angelegenheiten die es gibt.

Tschüss und alles gute,
Sharim.


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