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WeinachtenBeiDenMannheimers6


„Ach, stimmt ja, du arbeitest hart. Du musst ja nicht die Gans machen und Kinder behüten!“

„Das habe ich die letzten Jahre ohne Murren gemacht. Ist es jetzt zu viel verlangt, dass du auch einmal diese Aufgabe übernimmst?!“

„Frauen können das viel besser.“

„Ich glaube, ich geh' auch mal“, sagte Marianne und wollte aufstehen.

„Moment, musst du nicht deiner Mutter noch die Medikamente geben?“

„Was?“ Marianne sah ihn verwirrt an.

„Was du aus der Apotheke geholt hast.“

„Als du im Supermarkt die Gans gekauft hast?“, fragte Marianne unschuldig um abzulenken.

„Marianne!“
„Wie bitte, Mannfred? Wir kaufen die Gans doch immer bei Jörg! Kein Wunder, dass die nichts geworden ist. Du hättest früher hingehen sollen!“

Marianne sprang auf und rannte weg. Papa Mannheimer hielt sie fest. „Moment, Fräulein. Sag' mir erst, was mit dir los ist!“

Sie schluckte. „Ich...ich glaube, ich muss euch was sagen...“

„Schon wieder 'ne fünf in Mathe?“, fragte Henriette mitfühlend.

„Nein, ich - - Mama, Papa...ich bin schwanger.“

„WAS?!“Papa Mannheimer war außer sich. Henriette fiel die Gabel schon zum zweitenmal aus der Hand. „Du bist erst 14, Kind!“

„Bist du sicher?“, fragte Henriette, leichenblass, lieber nochmal nach.

„Ich hatte hundert Tests in der Apotheke gekauft.“

„Und, wer war's?“,fragte Papa Mannheimer entrüstet.

„Nicht mein Freund. Der ist impotent.“

„Das ist ja - - ! Du hast einen Freund?! Moment!“ Papa Mannheimer war ziemlich sprachlos.

„Du weißt ja gar nichts von mir, Dad!“ Sie brach in Tränen aus und war auf dem Weg in ihr Zimmer.

Papa Mannheimer stützte seinen Kopf auf die Arme. An weihnachtliche Stimmung war gar nicht mehr zu denken.

Henris Telefon klingelte. Lars. Sie drückte ihn weg.

„Wer ist dieser Lars denn jetzt schon wieder?“

„Kollege.“

„Wenigstens sind wir mal alleine“, flüstere Papa Mannheimer Henriette ins Ohr.

„Denk' nicht mal dran!“, fauchte sie zurück, „wir haben genug Babyprobleme.“

„Wir könntenso tun, als hätten wir Zwillinge.“

„Vergiss' es.“

„Aber mit Lars machst du wohl liebend gerne Überstunden?“

„Was unterstellst du mir?“

„Das musst du selbst wissen. Bei Überstunden kommt man sich bestimmt mal näher.“

Sie gab ihm eine Ohrfeige und stand mit der Kleinen auf. „Du schläfst heute abend auf der Couch!“

Er seufzte und goss sich noch ein Glass Wein ein. Die Spendengala lief schon acht Stunden und er überlegte gerade, ob er etwas spenden sollte, als es an der Tür klingelte.

Zwei lange Gesetzteshüter standen vor der Tür und leuchteten ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht. „Mannfred Mannheimer?“

„Mit dem reden Sie.“

„Ihr Nachbar vermisst einen Weihnachtsbaum und dessen Bruder hat Sie bei der Entwendung desselben beobachtet. Können wir reinkommen?“

Als er in Handschellen im Polizeiauto saß, fasste er den Entschluss, wieder einen Job zu finden. Sonst wäre all dies niemals passiert.

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