Ich bin falsch in dieser Welt

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Beruf und Familie Teil 2


Ich möchte meinen Kindern Werte vermitteln die mir selbst mit auf den Weg gegeben wurden doch ich merke immer mehr, dass diese Werte nicht mehr wichtig sind. Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Vertrauen. Um nur ein paar zu erwähnen.

Ehrlichkeit? Wahrheit? Wer ehrlich ist kommt heute nicht mehr weit.
Eine Freundin wurde vor etwa drei Jahren gekündigt weil sie verschwiegen hat dass eine Kollegin stiehlt. Sie war sehr gut befreundet mit der Kollegin die aufgrund privater Sorgen und Probleme die Firma bestohlen hat. Meine Freundin wusste es, aber hielt sich raus und als alles aufflog bekam sie ebenfalls die Kündigung. Zwischenzeitlich hatte sie eine Arbeit die aber aus anderen Gründen nicht das Richtige für sie war.
Heute bewirbt sie sich bei verschiedenen Unternehmen und wenn die Frage nach der früheren Kündigung kommt, dann ist sie ehrlich und sagt dass sie davon gewusst hat aber nichts getan hat. Sie weiss das es ein Fehler war, das hat sie längst eingesehen. Dennoch glaubt sie daran mit der Wahrheit am weitesten zu kommen. Aber was kommt? Eine Absage nach der anderen. Keine Chance. Trotz der Ehlichkeit. Was wird sie wohl bei den nächsten Bewerbungen tun?
Sie wird lügen. Vielleicht dieses Zeugnis gar nicht erst mitschicken, nicht davon sprechen. Hausfrau und Mutter wird sie in den zukünftigen Aussagen gewesen sein. Die Wahrheit ist in unserer Gesellschaft fehl am Platz. Man darf sich keine Fehler erlauben. Fehler sind menschlich, aber Menschlichkeit gibt es ja keine.

Ich habe neben meinem Beruf meine Oma gepflegt, gemeinsam mit meinem Lebensgefährten, der die ersten eineinhalb Jahre in Elternzeit war. Sie hatte Brustkrebs und bereits Metastasen in den Knochen, Wirbelsäule, Arme und Beine. Sie verfiel immer mehr, konnte irgendwann nicht mehr laufen und brauchte eine Rund um die Uhr Betreuung. Im Kopf war sie völlig klar. Wir machten Essen halfen ihr bei Arztbesuchen, Erledigungen, Einkaufen, Toilettengängen usw. Es kam auch ein Pflegedienst, täglich morgens um Oma zu versorgen und ihre Wunde zu verarzten.
Es sollte sich jeder bereits jetzt darüber Gedanken machen was mit seinen Eltern oder aber mit sich selbst einmal geschehen soll. Wir werden alle irgendwann alt, vielleicht auch krank, dann brauchen wir Betreuung, ob wir wollen oder nicht. Kinder werden kaum noch geboren, und die Menschen die Kinder haben sind oftmals trotzdem alleine weil die Kinder aus verschiedenen Gründen die Stadt verlassen und viele Kilometer entfernt wohnen. Vielleicht denken manche "dann gehe ich ins Pflegeheim wenn ich nicht mehr kann".
Hat sich das mal jemand angeschaut? Wie es dort aussieht, wie es riecht und wie dort der Ablauf ist. Unterbesetztes, genervtes, überarbeitetes Pflegepersonal. Wer noch einigermaßen laufen kann, der hat vielleicht noch Glück und kann sich in der Anlage frei bewegen. Die Bettlägerigen starren den ganzen Tag über an die Decke oder liegen eben alleine rum. Besuch, eher selten. Mit Krankheit,  Alter und sterben will kaum jemand was zu tun haben.
Meinem Opa haben sie immer die Klingel hoch gehangen damit er nicht ständig nach der Schwester klingelt. Wer will dort freiwillig hin gehen? Übrigens lag der Eigenanteil für ein einfaches Heim in dem mein Opa lag, bei der Pflegestufe 2 bei 1250,- € monatlich, und da ist noch kein Friseur, Pediküre oder Wäsche waschen dabei.
Dann lieber daheim, so entschied ich mich bei meiner Oma und wir liessen einen Pflegedienst kommen, der im Schnitt pro Tag 15 min anwesend war zum Waschen und zur Wundversorgung. Die Kosten deckten sich mit der Pflegeversicherung (ebenfalls Stufe 2). So bekam der Pflegedienst monatlich zwischen 600 und 800 Euro. Für 15 min täglich wohlbemerkt. Mein Lebensgefährte und ich haben den Rest erledigt. Haushalt, Anziehen, Frisieren, mit Essen und Trinken versorgen, und der Gang zur Toilette. Das hätte auch der Pflegedienst gemacht, aber er hätte es auch berechnet.
Bei meinem Chef stieß ich auf taube Ohren. Bekannte verstanden nicht warum wir sie nicht ins Pflegeheim brachten. Nur Unverständnis. Man ist wirklich alleine. Auch von der Emotionalen Seite. Es ist die Mama (für mich war sie das), die mich auch ein Leben lang unterstützte. Sollte ich mich jetzt wo sie mich braucht von ihr abwenden?
Da denke ich an Früher. Früher lebte alt und jung unter einem Dach und es war selbstverständlich die Oma, den Opa zu pflegen und ihn zu versorgen. Davon abgesehen, gestorben wurde auch daheim und nie allein. Man hört es doch oft genug...... ".....wurde erst nach 3 Wochen gefunden weil der Briefkasten überquoll"

Fortsetzung folgt

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