Geschichten aus meinem Alltag

  • kostenlos mitmachen

Typisch Montag!


Es sind Sommerferien.  Was für ein Tag. Den ganzen Morgen regnet es schon in Strömen.  Es ist grau und finster draußen und ausgerechnet heute muss Kristin zu ihrer „SchönheitsOP“. Lust bei dem Wetter vor die Tür zu gehen hatte ich keine. Aber Ihr sollte eine riesige, ekelig aussehende Wundvernarbung auf dem linken Schlüsselbein entfernt werden. Diesen Termin hatten wir schon vor Wochen gemacht und wer weiß wie lange eine Verschiebung gedauert hätte. Um 12.00 Uhr haben wir einen Termin in einer kleinen Praxis, welche sich im Anbau des Krankenhauses in Scharnebeck befindet. Da wir seit fast zwei Jahren kein Auto mehr besitzen, müssen wir mir dem Bus in den 11km entfernten Ort fahren. Also holte ich den Busfahrplan aus der Schublade der Kommode und schaute nach den Abfahrtszeiten. Da ich wusste das Kristin immer Stunden brauchte um sich fertig zu machen, weckte ich sie zeitig.  Wie erwartet trödelte sie den ganzen Vormittag herum. Meine Nerven wurden ziemlich strapaziert und meine Laune sank mit jeder Minute. Ständig musste ich sie antreiben unf war jedesmal die träge antwort:" Ist ja gut, bleib mal locker, Mama!" Ich wurde immer hektischer, je langsamer Kristin wurde. Andauernd machte sie andere Dinge als die, die ihr angetragen waren. Erst spielte sie mit ihren Plüschtieren, dann mussten die Cyberhunde im Nintendo DS gefüttert werden, ihr Bruder rief ständig nach ihr um ihr was zu zeigen oder zu erzählen, die Klamotten gefielen ihr nicht usw. Die Zeit Schritt voran und Kristin war immer noch nicht angezogen. 10.30 Uhr – Zwei Stunden war Kristin schon damit beschäftigt sich in Schale zu schmeißen. Doch ein Ende war nicht abzusehen. „Nun sieh mal ein bisschen zu!“ ermahnte ich sie genervt. „ Nun bleib mal locker, ich mach ja schon“ war ihre schnodderige Antwort. Meine Laune hatte ihren Tiefpunkt erreicht. „ Kristin, nun mach mal hinne.“ Dröhnte es  plötzlich von hinten. Endlich meldete sich mein Mann mal zu Wort. Bisher hatte er sich die ganze Sache in aller Seelenruhe aus der Entfernung angeschaut. Doch nun drängte die Zeit und es musste voran gehen. Und siehe da – Kristin stand nach einer Viertelstunde geschniegelt und gestriegelt abmarschbereit. Kurz nachdem wir an der Bushaltestelle angekommen waren, kam der Bus, welcher den direkten Weg in die Stadt fuhr. Wir mussten jedoch mit einem anderen fahren, weil das der einzige Bus war der die kleineren Umliegenden Orte anfuhr. In der Regel kam diese Linie zuerst.   Ich wurde unruhig und riskierte nochmal einen Blick auf den Fahrplan. Zu unserem Ärger musste ich feststellen, dass die Busse in den Ferien anders fahren als sonst und diese Linie nur in der Schulzeit fuhr. Da standen wir nun. Im Regen, fein herausgeputzt und mit Termindruck im Nacken. „ So ein Mist“ schimpfte ich „Was machen wir denn jetzt?“ wandte ich mich fragend an meinen Mann. „Tja, keine Ahnung“ zuckte er mit den Schultern. „Wir können ja Heiko fragen“ schlug Kristin vor. Heiko war der Vater ihrer besten Freundin und wohnte gegenüber der Bushaltestelle. Ich hielt auf dem gegenüberliegenden Parkplatz Ausschau nach seinem Auto und blickte Olaf wieder fragend an. „Bleibt uns ja nichts anderes übrig!“ beantwortete er meinen Blick. Der Regen hatte ein wenig nachgelassen aber meine Nerven lagen inzwischen blank. Ich hasste es zu spät zu einem Termin zu erscheinen und das drohte heute zu passieren. Viel Zeit hatten wir nicht mehr. Als wir bei Heiko klingelten öffnete Anna, Heikos Tochter und Kristins Freundin, uns die Tür. „Hallo Süße, ist Papa da?“ lächelte ich ihr entgegen. „ Jaa!?“ gab sie zurück und guckte ganz erstaunt aus der Wäsche. „Ich komme“ rief Heiko aus dem Hintergrund als er mitbekam dass nach ihm gefragt wurde. Wir hatten ihn aus dem Bett geschmissen. Im Nachtzeug  kam er aus dem Schlafzimmer getorkelt. „Oh, entschuldige dass wir Dich so überfallen.“ Entschuldigte ich unseren spontanen Auftritt und erklärte ihm die Kurzfassung unserer  Situation. „Könntest Du uns hinfahren?“ fragte ich ihn abschließend. „ Kein Problem, mach ich.“ Erklärte er sich sofort bereit. „ Dauert aber einen kleinen Moment!“ „ Klar, kein Thema“ sagte ich. Heiko verschwand im Bad. Olaf, Kristin und ich warteten solange im Wohnzimmer am Esstisch. Nach 10 Minuten tauchte Heiko wieder auf „ Wir können.“ Punkt 12.00 Uhr kamen wir auf den Klinikgelände des Scharnebecker Krankenhauses an. Pünktlicher ging es nicht. „Vielen lieben Dank“ verabschiedeten wir uns und sahen zu das wir schleunigst  in die Praxis kamen. Abgehetzt mit ein paar Sekunden Verspätung und leicht verregnet kamen wir am Tresen des Chirurgen an. Aufgeregt wühlte ich in meiner Tasche nach meiner Geldbörse um Kristins Krankenversichertenkarte vorlegen zu können. Ich stellte meine ganze Umhängetasche auf den Kopf, jedoch mein Portemonnaie war weg. Kristin lief wie ein aufgeregtes Huhn durch die Gegend und Olaf stand vor mir und begann zu lachen. „ Hast Du Dein Geldbeutel vielleicht bei Heiko auf dem Tisch liegen lassen?“ witzelte er. „Möglich! Und nun?“ fragte ich recht dümmlich. „Dann muss ich die Karte eben später nachreichen!“ stellte ich fest. „Ja, aber wie kommst Du wieder nach Hause?“ grinste Olaf mich belustigt an. „Ach ja, Du scheiße“ schlug ich mir an den Kopf „ ich hab ja jetzt auch gar kein Geld für den Bus dabei!“ wurde mir schlagartig klar. Olaf und Kristin hatten ihre Fahrkarten bei sich, die konnten ohne Probleme wieder nach Hause aber ich musste eine Fahrkarte lösen. Doch ohne Geld? Wie ein HB Männchen hüpfte ich von einem Bein auf das andere und ärgerte mich über meine Schusseligkeit. Fieberhaft dachte ich über meine Möglichkeiten nach. Doch auf die schnelle und nach dem ganzen Theater wollte mir so schnell nichts einfallen. „Ruf doch Malte an!“ schlug Olaf vor. „Der ist doch eh nicht zu erreichen! Aber versuchen kann ich es ja mal.“ Antwortete ich. „Könnte ich bei Ihnen mal telefonieren?“ bat ich die Arzthelferin hinter dem Tresen. Wortlos und ungerührt hielt sie mir den Telefonhörer entgegen. „ Danke, das ist nett“  Wie erwartet konnte ich Malte nicht erreichen. „Und nun?“ wendete ich mich wieder an meinen Mann. Doch bevor er antworten konnte hörte ich eine Schwester ins Wartezimmer rufen „Kristin Blendermann, bitte!?“ „Ja, hier“ meldete ich uns und wir wurden umgehend in den OP geführt. Erstmal konnte ich mir keine Gedanken mehr um meine Heimfahrt machen. Jetzt war erstmal Kristins Operation wichtig und das wir ihr Beistand leisteten. Nach knapp einer Stunde war alles vorüber. Kristins unschöne Vernarbung war entfernt, die Wunde versorgt und wir durften wieder gehen. Für ihre elf Jahre hat sie die OP super gut gemeistert da hätte sich manch Erwachsener noch eine Scheibe abschneiden können. Es regnete wieder als wir die Praxis verließen. Ich wollte mir gerade  Gedanken über meine Rückreise machen, als ich die Rücklichter des Busses sah der uns nach Hause bringen sollte. Olaf stöhnte, ich fluchte und Kristin stand immer noch leicht unter Schock von den vergangenen Erlebnissen. Doch dann fiel mir ein dass der Bus eine Schleife fuhr um dann an einer 500 Meter entfernten Haltestelle  vorbeizukommen. Ich trieb meine beiden Süßen an um den Bus an dieser Stelle noch zu erwischen. Wir mussten laufen. Da Kristins Wunde noch unter Betäubung stand hatte sie kein Problem damit und rannte los. Auch Olaf und ich begannen zu laufen. Kurz vor dem Ziel sahen wir uns mit dem Bus an der Kreuzung auf gleicher Höhe und hektisch deutete ich dem Fahrer an das wir mitfahren wollen. Ich hoffte dass er auf uns warten würde. Kristin und Olaf liefen voraus. Der Bus fuhr an mir vorbei. Meine Beine wurden immer schwerer und ich hatte ein Gefühl als hätte man mir Betonsteine an die Füße gebunden. Ich konnte nicht mehr laufen. fragte ich mich selbst. < Ich kann doch eh nicht mit!“ dachte ich weiter und wurde langsamer. Die vor mir liegende Kurve ließ den Blick auf die Haltestelle nicht zu. etwas traurig und enttäuscht über mich selbst bog ich in die Kurve. Der Bus stand noch da. überlegte ich. „Nun los.“ rief Olaf mir fordernd entgegen. Er war aus dem Bus gesprungen und fuchtelte wild mit den Armen. „Nun komm“ Immer noch außer Atem und mit schmerzenden Beinen lief ich automatisch los.  „Er nimmt Dich so mit“ sprach er mit gesengter Stimme. Die zwei anderen Fahrgäste sollten das nicht mitbekommen. Völlig außer Puste, mich kaum noch aufrecht haltend, stolperte ich die Stufen in den Bus hoch. „Das ist super lieb von Ihnen, vielen vielen Dank“ keuchte ich dem Fahrer entgegen und schmiss mich schweißüberströmt und übel riechend hinter ihm auf die Bank. Mein Versuch ihm meine Dusseligkeit und meine Dankbarkeit noch einmal zu verdeutlichen schmetterte er mit Wortlosigkeit und Desinteresse ab. Das hatte ich verstanden. Den Rest der Fahrt blieb ich ruhig und erholte mich von meiner sportlichen Höchstleistung. Endlich wieder zurück in Neetze bedankte ich mich nochmals beim Fahrer und holte mir mein Portemonnaie bei Heiko ab. Zu Hause angekommen musste ich mich erstmal bei einer Tasse Kaffee und einer Zigarette von den Strapazen generieren. Es regnete noch bis zum Abend weiter. Kristin hatte diesen Tag erstaunlich gut weggesteckt, keine Schmerzen, kein Gejammer oder Gezeter. Mein Tag war gelaufen, ich war gestresst, genervt, völlig erschöpft und hundemüde. Am frühen Abend bin ich auf dem Sofa eingeschlafen und erst am nächsten Morgen wieder erwacht. Was für ein Montag!!!!!


Kommentar schreiben

Du musst dich Einloggen oder kostenlos anmelden um Kommentare zu schreiben

Sedo - Buy and Sell Domain Names and Websites project info: tagebuchland.de Statistics for project tagebuchland.de etracker® web controlling instead of log file analysis