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03 Unser Zusammenkommen


Am nächsten Tag überlegte ich die ganze Zeit, ob ich mit ihm nun wirklich diese Strecke fahren sollte oder nicht. OK, zwar (mal wieder) riskant, aber
a) könnte ich ihn besser studieren,
b) die Spritkosten gehen nicht auf meine Kappe (es geht mir bei einem Mann nicht um's Finanzielle, aber das es ihm finanziell nicht wirklich schlecht geht, kann man einfach nicht übersehen: Das Auto, die Klamotten und fast immer nur 500er) und
c) jep, in'nen Cayenne passt eindeutig mehr, als in meinen Corolla. Und es ist nicht langweilig.

Also mit ihm telefoniert, mich für ein eher sportliches Outfit entschieden und er hat mich um 18 Uhr abgeholt. Seine erste Bemerkung "Oh, du siehst aber müde aus..."
'Bin ich auch, immer. Kein Wunder, wenn ich Nachts arbeite. -Aber ist es taktisch einer Frau das beim ersten Treffen zu sagen??? Immerhin ist es ehrlich. Also eigentlich ja nicht verkehrt.
Wir in's Auto rein und er fragt "hast du Hunger? Sollen wir erst Essen gehen, bevor wir los fahren?" Diese Frage kam die nächsten Wochen bei jedem Telefonat und jedem Treffen. Er ist also aufmerksam. GUT... :-) Er hat mir auch fast immer die Autotür auf und zu gemacht. Ja, Anfangs hat er mir sogar den Stuhl unter meinen Arsch geschoben. -Also beim Essen. Aus Höflichkeit. Ich denke ihr wisst, was ich meine...
Egal, wir also schön Sushi futtern gewesen. Die Locations dafür gibt's in Berlin echt an fast jeder Ecke. An disem Abend waren wir im Sagano am Olivaer (wird der so geschrieben?) Platz.
Dann ging's los Richtung Ruhrgebiet. Auf eine Art fand ich ihn und seine ganze Art richtig süß, aber ungewohnt war seine Farbe... :-) Ich hatte da noch nie Vorurteile, aber wirklich Kontakt -auch nur freundschaftlich- hatte ich nie zu einem richtig Farbigen. Gut, auf der Arbeit bin ich mit denen meistens sehr gut zu recht gekommen, weil die a) auf meinen Hintern stehen und b) meistens aus Amiland sind. Und Leute aus Amiland haben größtenteils einen an der Klatsche und ich auch. Dat passt einfach. Aber privat hatte ich halt (komischerweise) noch nie was mit einem zu tun.
Ich schweif' schon wieder ab.
Als wir irgendwo in der Pampa getankt haben und weiter wollten, hat uns ein Polizeiwagen angehalten. Seine Reaktion "oh man, in Berlin ich werde so gut wie nie angehalten, aber hier haben die wohl noch nie eine schwarz gesehen...".
Der Polizist war -zugegeben- wirklich etwas arschig und hat nach irgendwas gesucht, um ihm einen reinzuwürgen. Gut, jetzt im Nachhinein kann ich's vestehen, wenn die mit seinen Personalien Zugriff auf seine Akten hatten. Aber davon wusste ich damals ja noch nichts...
Die wollten wissen, warum er mit einem fremden (!) Wagen unterwegs sei. Er musste de Halterin anrufen und denen so bestätigen, dass er "ihren" Wagen nutzen kann.
Als wir dann endlich weiter konnten, wollte ich natürlich wissen, was es damit auf sich hatte. Er sagte, er sei Anfang des Jahres mit einem Kumpel und 80.000 Euro im Gepäck auf dem Weg nach Paris gewesen, um ein Café oder so dort zu eröffnen. In Iserlohn haben sie sich dann ein Hotel genommen, um Pause zu machen. Sein Kumpel wollte aber Party machen und ist nach Dortmund in's Nightrooms. Dort hat er dann zwei Frauen mitgenommen. Eine für sich und eine für ihn. Im Hotel angekommen wurde ihm aber wegen den 80.000 mulmig und er hilt es für angebracht, dass Geld an der Hotelrezeption in den Safe zu bringen. Die Frau an der Rezeption hat aber Droogengeschäfte vermutet und die Polizei alamiert. Die haben den Porsche und das Geld beschlagnahmt. Nachdem sie im Porsche aber keine Drogen oder ähnliches finden konnten, haben sie ihm den nach ein paar Wochen wieder gegeben. Da aber keine plausible Erklärung für die Geldherrkunft besteht (der "Kevin" macht offiziell nämlich nix, womit man Geld verdienen könnte), ist das vorerst noch weg.
Damit sowas aber nicht nochmal passiert, hat er den Wagen auf eine "Bekannte" ummelden lassen.
Den Brief von der Polizei deswegen hab' ich nach ein paar Wochen auch zu sehen bekommen.
Wir also weiter, er noch etwas angepisst wegen der Polizeiaktion und sich 20mal dafür bei mir  entschuldigt.
Die Fahrt hat sich dann wieder normalisiert und wir haben uns gut verstanden. Laut Musik gehört und viel gelacht. Als wir dann totmüde bei mir ankamen hatte ich nicht wirklich Kraft direkt nachzuschauen, was ich noch alles brauchen könnte, schlug ich vor für 'nen Stündchen auf dem Sofa 'nen Nickerchen zu machen. Er also auf der einen ich auf der anderen Seite der Rundecke eingeschlafen. Denn Wecker hab' ich bei jedem Klingeln heimlich 'ne Stunde weitergestellt und nach drei Stunden tippt er mir von hinten ganz vorsichtig auf die Schulter und fragt mich, ob ich nicgt eigentlich nur 'ne Stunde schlafen wollte. Na gut, also wieder aufstehen. Ein paar Sachen gepackt, meine Stange abgebaut und wieder los. Noch kur zu McDonalds frühstücken und wieder Richtung Berlin. Auf halber Strecke sollte ich dann etwas fahren. Na toll, automatik und etwas andere Ausmaße, als meine kleine Nuckelpinne... Aber nach'ner halben Stunde gings. Abgesehen davon, dass er sich nicht ausgeruht hat, sondern mich permanent angestarrt und gegrinst hat. Nachdem wir die Plätze wieder getauscht hatten ging das Geflirte weiter. Irgendwann griff' er nach meiner Hand und versicherte sich immer wieder, ob das OK sei. Klar war das OK. Nur der Anblick unserer ziemlich verschiedenen Hände war neu. 'Musste ständig an Jing und Jang denken... :-)
Nicht mehr allzuweit von Berlin entfernt kam er langsam immer näher, bis wir uns bei 160km/h auf der Autobahn küssten. Gut, wegen der doch nicht völlig ungefährlichen Situation konnte ich mich nicht 100%ig drauf konzentrieren.
Ach ja, sein Handy hab' ich vergessen zu erwähnen. Ich dachte zwischendurch ich hätte 'nen Arzt neben mir sitzen, sooft wie der angerufen wurde. Leider hab' ich nicht immer alles verstanden, da die meisten Gespräche auf französisch waren. Die wenigen Male, die er auf deutsch telefoniert hat, sagte er immer, er sei mit seiner Freundin unterwegs. Danach fragte er immer, ob das OK gewesen sei. Da ich die Leute am anderen Ende der Leitung eh nicht kannte, war's mir relativ schnuppe.
Ich kann nicht genau sagen, ob wir auf der Rückfahrt mehr auf den Verkehr oder auf einander geachtet haben. Immer zwinker zwinker hier, Kussmund da, immer ein Grinsen oder Augenverdrehen zwischendurch... Der war schon süß. Süß und romantisch...
In Berlin angekommen, hat er mir geholfen die Sachen in meine vorübergehende Bleibe zu schaffen. Als wir das erledigt hatten, wurde erstmal ausgiebig geknutscht. Kurz aber ausgiebig. Schließlich waren wir beide KO und wollten nur noch schlafen. Jeder bei "sich" logischerweise...
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