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Kapitel 3: Italien


Er betrat einen offenen Raum. Ein alter Italiener saß an einem reich gedeckten Tisch. Wie kam er hierher?

Guten Abend. Ich dachte nicht, dass Sie überhaupt nochmal aufwachen. Sie müssen hungrig sein. Essen Sie doch.“

Er blieb stehen, perplex. Und wie war er hier her gekommen. Also nicht hier zum Esszimmer sondern in dieses Haus. Den Weg zum Esszimmer kannte er doch, er war aufgestanden und — war er? Aufgestanden? Wann ? Woraus? Er war sich plötzlich nicht mehr sicher. Wie ein Traum, dachte er betäubt. Er schüttelte den Kopf. Irgendwie musste er doch aufwachen!

Oh, das Essen ist nicht vergiftet, keine Sorge. Glauben Sie mir, ich wäre besser dran gewesen, Sie einfach liegen zu lassen, hätte ich Sie umbringen wollen.“

Wer sind Sie?“

Der Alte sah ein wenig enttäuscht aus. „Setzen sie sich.“ Diesmal klag es wie ein Befehl.

Sein Kopf dröhnte. Er setzte sich.

Gut.“ Der Italiener lachte. „Sehen Sie, es war halb so schlimm.“

Seine Knochen knackten, als er sich auf den harten Holzstuhl setzte.

Es war eine ziemliche Arbeit für Sascha, Sie wieder zusammenzuflicken.“

Entschuldigung, wie bitte?“ Er glaubte, nicht recht gehört zu haben. Und seine Stimme klang so seltsam. Nicht wie seine Stimme. Doch wie klang seine Stimme?

Nehmen Sie Salat.“

Er schwieg. „Wer zum Teufel sind Sie?“

Der Mann grinste. „Ich erkläre Ihnen alles. SPÄTER.“ Sehr nachdrücklich.

Eine Handfeuerwaffe lag neben seiner Serviette auf dem Tisch. Seltsame Tischgewohnheiten, die diese Leute hier hatten. Noch seltsamer war aber die Anziehungskraft, die von der Waffe ausging. Er konnte ihr nicht wiederstehen, wie einer jungen Frau,und wusste dabei nicht einmal, warum. SCHIESS. Er zuckte zusammen. „Haben Sie etwas gesagt?“

Der Italiener sah aufmerksam von seinem Steak hoch. „Nein. Nicht, dass ich wüsste. Lassen Sie's sich schmecken.“

SCHIESS. Schon wieder, lauter diesmal, und der Alte hatte niciht mal hochgeblickt. SCHIESS.SCHIESS! Die Stimme war nur in seinem Kopf, so hoch und schrill und penetrant. SCHIESS! SCHIESS! SCHIESS! Es hörte einfach nicht auf. Er konnte sichnicht wehren. Ihn traf keine Schuld. Seine Hand griff automatisch nach der Waffe, entsicherte und lud durch.

Was machen Sie da?“ Der Italiener war alamiert aufgesprungen und sah ihn entsetzt an. SCHIESSSCHIESSSCHIESSSCHIESSSCHIESSSCHIESSSCHIESSSCHIESSSCHIESSSCHIESS

Er schoss. Mehrmals. Es fiepte hohl in seinen Ohren, der Italiener sank in sich zusammen. Binnen weniger Sekunden lag er in einem See aus Blut. Seine lichtlosen Augen sahen anklagend zu ihm herauf. Die Waffe fiel aus seiner zitternden Hand. Nein. Das konnte nicht sein. Nicht wirklich. Schritte wurden laut, ein junger Mann brach in das Esszimmer und sah ihn mit offenem Mund geschockt an. „Was haben Sie getan?!“ Der junge Mann rüttelte ihn, doch er konnte ihn abschütteln. Und rannte, rannte so schnell wie ihn seine Beine tragen konnten , hinaus. In der Ferne hörte er den Donner, der baldigen Regen verhieß.

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