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Der Nächste bitte


Der Nächste bitte

 

Die nächste Zeit brachte nicht viel neues. Der Spaß den ich zuvor bei der Arbeit gehabt hatte wurde durch „die Neue“ auf ein Minimum reduziert.

Es ist einfach erstaunlich wie eine einzelne Person ein Arbeitsklima stören kann.

Man könnte jetzt denken, na dann läuft jetzt ja alles wieder in einem zwar weniger gutem aber dennoch geregelten Gang, aber das wäre viel zu einfach und auch nicht spannend genug. Denn offenbar lebt „die Neue“ nach dem Motto: The Show must go on! Und damit die Quoten nicht sinken muss man immer darauf achten, dass man nicht zweimal hintereinander dasselbe Opfer nimmt... sonst wird’s langweilig.

Also nochmal ein kurzer Rückblick: Zuerst war der Azubi dran, dann ich, und da man sich nur an schwächeren vergreift ist demzufolge wer wieder dran? Richtig, der Azubi.

Für diese Geschichte muss ich etwas ausholen,

Ich bin Montag und Dienstag von 8:00 – 13:00 Uhr, Donnerstag von 08:00 – 17:00 Uhr im Büro.

Dienstags kommt eine Aushilfe die allerdings für den anderen Rechtsanwalt – dieser kam in meinen Erzählungen bislang nicht so wirklich vor, was allerdings nicht heißen soll, dass er langweilig ist. - zuständig ist. Unser Azubi ist Dienstag einige Stunden in der Schule und Donnerstags den ganzen Tag.

Da, wie wir alle wissen, auch Azubis Anspruch auf Urlaub haben und dieser sich näherte, musste eine Vertretung her. Für solche Fälle haben wir eine besondere Person die uns immer gern zur Verfügung steht, aber wie der Teufel es will, hat unser Trumpf genau zu der Zeit Urlaub wie unser Azubi... was also liegt näher als mich für die Vertretung zu bestellen. Kein Problem man hilft ja immer gern.

Um den Kostenrahmen nicht allzusehr auszureizen, beschloss meine Chefin, die Mehrstunden ich ich würde leisten müssen, vorher durch freie Zeit auszugleichen. Das hieß also für mich, dass ich die beiden Wochen vor der Urlaubsvertretung jeweils Montags und Dienstags frei hatte.

Das freute mich natürlich tierisch... weil das bedeutete, dass ich fast eine ganze Woche ruhe vor unserer Kanzleihydra hatte... (Unsere Hydra eine besondere, sie braucht keine neun Köpfe, ihr reichten 2 Gesichter, eine Mutation, die leider keineswegs ausgestorben ist).

 

Aber es sollte anders kommen:

In der ersten Woche (09.03 + 10.03) war noch alles wie geplant ich freute mich auf die freie Zeit, doch Dienstag gegen 15:00 Uhr bekam ich einen Anruf von unserem Azubi. „Du musst morgen leider zur Arbeit kommen ich bin krank geschrieben bis Freitag... also müsstest du auch Freitag kommen. Am Donnerstag bist du ja eh da.“

„Na großartig.“, dachte ich, irgendwo gibt es einen, der mir sowas wie Urlaub missgönnt, aber na ja... das war einfach Pech, egal... dafür kann ja keiner war also versicherte ich, dass ich den Dienst übernehmen würde.

Der Rest-Dienstag war im Eimer....

Also erschien ich am Mittwoch, äußerlich wie immer gut gelaunt, im Büro.

Dort wurde ich – ebenfalls wie immer, von meiner schon anwesenden Chefin begrüßt allerdings diesmal mit den Worten „Wenn man mal nicht da ist geht immer gleich alles drunter und drüber was?“

ich grinste und nickte dann begann meine Chefin zu erzählen, wie sie den Dienstag erlebt hatte (Am Montag war sie urlaubsbedingt ortsabwesend) .

Unser Azubi war offenbar am Montag schon nicht ganz auf der Höhe gewesen, klagte über Hals und Kopfschmerzen und wollte zum Arzt gehen, was insofern ein Problem darstellte, als das sie die einzige war, die das Büro besetzte.

Also entschieden die beiden anderen Anwälte, dass sie unsere spezielle Notfallvertretung anriefen und zum Dienst bestellten und das gleich für Montag und Dienstag.

Als meine Chefin am Dienstag ins Büro kam, es wenig später an der Tür klingelte und unsere „Spezialvertretung“ vor ihr stand fiel sie natürlich aus allen Wolken, nicht zuletzt weil auch eine Spezialvertretung für ihre Dienste vergütet werden will.

Dort wurde ihr die Situation erklärt, so auch, dass unser Azubi am Montag nach dem Arztbesuch, der so gegen Mittag stattfand, nicht wieder zur Arbeit gekommen war, trotz der Tatsache, dass sie nicht krank geschrieben wurde mit der Begründung: Solange kein Fieber auftreten würde, könne man auch arbeiten gehen. Am Dienstag kam sie dann nach der Schule also wieder zur Arbeit. Allerdings ging es ihr nach wie vor nicht gut sodass sie erneut beim Arzt anrief. Die Sprechstundenhilfe teilte ihr mit, dass sie nun selbstverständlich krank geschrieben werden würde.

Das blöde war, dass die „Spezialvertretung“ nur für den Vormittag „gebucht“ war und so musste unser Azubi den Tag durchstehen und mich für die übrige Woche zum Dienst bestellen.

Alle waren natürlich erstaunt, verwundert bzw. ein wenig verärgert über das Verhalten unseres Azubis... einfach nicht zurück zur Arbeit zu kommen, obwohl man nicht krank geschrieben ist...

Aber es ging noch weiter... wir wissen, so eine Krankmeldung muss innerhalb von drei Tagen beim Arbeitgeber eingehen.... also warteten die Chefs... Mittwoch, Donnerstag, Freitag... kein gleber Schein im Briefkasten. Also bekam ich den Auftrag unseren Azubi telefonisch zu kontaktieren und mich nach dem Verbleib der Krankmeldung zu erkundigen.

Sie versicherte mir, dass ihr Freund diese Freitag vorbei bringen würde allerdings wisse sie nicht wann.

Diese Info gab ich weiter und bekam nur ein „Hm... alles sehr merkwürdig.“ zu hören.

Wie dem auch sei, Montags darauf (16.03) hatte ich wieder frei. Den Dienstag allerdings nicht.

 

Gut so, denn sonst wäre mir einiges entgangen.

Los ging es erst, als unser Azubi gegen 12:30 aus der Schule kam. Sogleich wurde sie von meiner Chefin auf einen Termin angesprochen, den sie am Mittwoch (25.03) bei einem Arzt gegen 11:00 Uhr wahrnehmen wollte. Diese Untersuchung sollte wegen des bevorstehenden Urlaubs stattfinden ( 26.03 – 01.04). Wobei da wieder das Problem der Bürobesetzung im Raume steht. Diesen Termin hatte sie bei den beiden anwesenden Rechtsanwälten angekündigt. Und beide hatten dies zur Kenntnis genommen... allerdings ohne zu erwähnen, dass dieser Termin denkbar der schlechteste war... nunja... so hatte wiedereinmal meine Chefin die wenig dankbare Aufgabe unserem Azubi mitzuteilen, dass sie diesen Termin würde verschieben müssen.

Gesagt getan... Sie ließ den Termin vorverlegen. Alles kein Problem.

Wenig später... sahen wir „die Hydra“ zu meiner Chefin ins Büro verschwinden, das war insofern merkwürdig, weil die beiden ja eigentlich nicht miteinander redeten, aus welchen Gründen auch immer.

Irgendwann hörten unser Azubi und ich (wir waren beide im Anmeldungsbereich) die Stimme meiner Chefin lauter werden.

Sofort schalteten die innerlichen Alarmglocken auf Hochbetrieb :Achtung! Alle begeben sich UMGEHEND in den Lufschutzkeller! Dies ist keine Übung! Ich wiederhole: Dies ist KEINE Übung!

Genau bekamen wir den Grund der Auseinandersetzung nicht mit, soviel steht aber fest, es ging um die Bürobesetzung die während der Abwesenheit unseres Azubis nicht ganz so rund lief wie gewohnt und die Hydra muss auch versucht haben einen Teil der Verantwortung diesbezüglich auf meine Chefin zu schieben, die aber ja gar nicht zugegen war, und soviel steht fest.... bei Ungerechtigkeit wird das Eis hauchdünn.

 

Kurz vor 13 Uhr zitierte meine Chefin unseren Azubi zu sich ins Büro. 10 Minuten später kam sie zurück und bedeutete mir mit einer klaren Geste das ihre Halsschlagader die dicke ihres Halses angenommen hatte, dieser wiederum hatte sich so ausgedehnt, dass darin eine ganze Familie platz gehabt hätte – und ich meine in dem Fall eine Familie mit Großeltern, Tanten, Großtanten, Nichten, Neffen Enkeln und Urenkeln. Dazu war der Kopf rot wie die Abendsonne.

Ich sah sie nur mit großen Augen an: Was? Was? Was? Was war los?“

„Die erzählt lügen über mich!“

„Aber was denn?“ wollte ich genauer wissen.

Dann erzählte Sie. Ich gebe euch mal die Zusammenfassung... Es war NICHT so, dass sie einfach so nach dem Arztbesuch am Montag nach Hause gegangen ist, nein, sie hatte die Hydra gefragt ob sie nach dem Arztbesuch, der ohne Termin ja leider immer viel Wartezeit beinhaltet nochmal in die Kanzlei kommen sollte und bekam zur Antwort: Nein nein, ich regele das schon. Machen Sie sich da keine Sorgen.“ ... Ich hoffe inständig, dass sie nie für mich irgendetwas regeln will...

Abgesehen davon hatte „die Hydra“ unserem Azubi die 10,00 € für die Praxisgebühren geliehen soweit so nett, aber dann erzählte sie meiner Chefin, dass unser Azubi ihr diese 10,00 € nicht zurückgeben würde.

Vielleicht habe ich ja die falsche Einstellung zu solchen Dingen, aber wenn mir jemand Geld schuldet, spreche ich meinen Schuldner doch darauf an, BEVOR ich ihn vor anderen... in dem Fall ja auch noch Vorgesetzten.... niedermache und es als böse Absicht darstelle, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass ja nicht jeder funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk... Außerdem kann auch unser Azubi kein Abitur nachweisen... eine Schande, aber wahr :D

Vielleicht kann man von hochqualifizierten Juristen nicht erwarten, dass sie wissen, wie man in solchen Fällen vorgeht.

So macht man sich auf jeden Fall Freunde....

 

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