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No good news in November- But still...


Der November war noch nie mein Monat. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass dieser Hauch einer viel tieferen Kälte in der Luft liegt, etwas, dass mit dem nahenden Winter nichts zu tun hat. 
Die Kälte macht mir nichts aus, es ist schön draußen, besonders wenn die Sonne scheint und die Luft schon ein klein wenig nach Schnee riecht. 

Es ist etwas, das mit dem Nebel in die Herzen der Menschen kriecht, wenn die Tage immer kürzer werden. So viel geht kaputt und die schlechten Nachrichten werden mehr. Diejenigen unter uns, die schwere Lasten zu tragen haben, verlaufen jetzt am allermeisten der Gefahr, einfach zu zerbrechen. Ich selbst habe mich allerdings schon letzten Monat dabei erwischt, mich in irgendeine dunkle Ecke meines Verstandes zurückzuziehen. Mit fest geschlossenen Augen und einem Kristallglas voll dunkelrotem Rausch, ohne dabei auch nur einen Tropfen davon zu trinken. 

In Wahrheit lag ich irre lachend auf dem Fußboden. 

Ich bin mir nicht mehr sicher, wie ich da hingekommen bin, es spielt auch keine Rolle. Die Ranken, die sich um meine Glieder gewickelt hatten, sollten mich wohl einspinnen oder am Boden halten, aber keine davon saß wirklich fest. Einspinnen ist gefährlich. Am Boden liegen bleiben auch. Ich dachte, ich müsste es mir gestatten, ein wenig von dem Schmerz ganz allein auszukosten, weil ich so schwach dabei aussehe. Meine eigene kleine Last möchte ich selbst tragen und fühlte mich tapfer, weil ich mein Gejammer ganz stolz für mich behalten wollte. Selbstmitleid kann tückisch sein, es tarnt sich gern als Stolz und vor lauter Mimimi merkt man gar nicht, was man hier eigentlich tut. 
Ich denke manchmal, es gibt nur einen einzigen Seelenverwandten, vor dem ich all das Blut ausschütten darf, dabei habe ich eine wichtige Großigkeit vergessen. Ich muss nicht allein ins Dunkel fallen, es sind genug Hände dort, die mich fangen.

Es ist schon fast zu spät. Ein paar der Ranken, insbesondere die, die sich um meine Hände geschlungen haben, waren schließlich einzig und allein da, um meinen Verstand in der Realität zu verankern. Einiges löst sich einfach auf und gleichzeitig, mit entsetzlicher Gleichgültigkeit, höre ich das leise krrrrrrrck, als sich auf meiner weißen Schulter erste Risse auftun. Erstes, langsames Zerbrechen. 

Es reicht also. Keine guten Nachrichten im November und jeder von uns, absolut jeder hat eine traurige Geschichte zu erzählen. Und dennoch: Ich habe verdammtes Glück. Zwischen all diesen grauen Nebelschwaden, vor und hinter meiner Stirn hätte ich es beinahe aus den Augen verloren. Da ist dieser leuchtende Schatz, jene goldenen Fäden, die meine Seele mit denen verbinden, die aus dem selben Stoff sind wie ich. Diese einfache, schlichte Wahrheit ist so überwältigend, weil sie sich so nahtlos in meinen Alltag einfügt und sich gern hinter den Kleinigkeiten versteckt. 
Ich darf hier einen Moment zur Ruhe kommen, es ist in Ordnung. Wenn ich mir keine Gedanken machen muss, wenn ich meinen allzu schweren Kopf auf der Schulter meiner Lieben ruhen lasse, wenn ich gestatte, dass meine Lieben sich bei mir anlehnen, um ihre eigenen kleinen Risse wieder zu kitten und Luft zu holen, ohne dabei auch nur den leisesten Hauch von Schwere zu empfinden- Dann darf ich auch glücklich sein. Liebe spricht mehr als nur eine Sprache. Diese Geborgenheit ist auf ihre Art universell. Ich darf mich erden, kann wieder atmen. 
Es hat lange gebraucht, bis ich gelernt habe, dass auch mal jemand die Arme um mich legen darf, weil ich das brauche. Selbst heute noch verlaufe ich der Gefahr, es nicht sofort zu sagen. Doch das Leuchten in meinem Brustkorb spricht für sich. Wir haben Glück.

 

 

 

~Aalto

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