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Klippentänze


Haha, lass mich doch fröhlich singend am Abgrund torkeln, ich mag es hier. Mit dem Wahnsinn verhält es sich tatsächlich wie mit der Schwerkraft, manchmal genügt nur ein kleiner Stoß.

Wer weiß, wer meine Steine ins Rollen bringt...? Oftmals wartet man als Mensch vergeblich auf einen Moment der Klarheit, ein kurzes Lüften des Schleiers, was nie passieren wird. Also bleibe ich in diesem Hauch von Realität stecken und versuche, nicht allzu viel darüber zu sagen. Eher träufele ich noch ein paar Tropfen Eskapismus in meinem Tee und warte noch ein bisschen, bis er mir zu Kopf steigt. Das, und die dünne Luft, die Abgründen nun mal zu eigen ist, tun ihr Übriges. Solange ich hier oben tanze, kann ein Teil von mir auch fliegen. Natürlich könnte ich allen anderen sagen, wo sie hin müssten. Nun ja, fast. Dennoch ist es für die Leben der anderen immer so leicht, die richtigen Worte zu finden. Wenn man es wünscht,. Nur für das eigene Gesicht braucht man einen Spiegel. Oder jemanden, der sagt, was er sieht.
Vielleicht bin ich ein wenig zu überzeugt von mir selbst, dass ich so zweifele. Wenn ich in dieses Gesicht schaue, dass dem meinem so gar nicht ähnlich ist, passiert etwas seltsames. Die plötzliche Kälte oder die verschlossenen Türen dahinter erschrecken mich jedes Mal, wenn ich einen wirklichen Blick riskiere. In meiner Erinnerung steht in diesem Antlitz stets viel mehr offen. Nicht nur, dass ich meine hellen Augen in dieser zarten Sumpflandschaft wieder erkenne, auch meine Ängste gucken mich an, manchmal ein ganzes Stück größer, als ich es ihnen zugetraut hätte. Und dann schaue ich außerhalb meines Kopfes hinein und sehe eine Angst, die auf mich gerichtet ist. Eine Angst, die besser einem anderen gegolten hätte. Dort höre ich es schon leise knacken, wenn Glas unter zu viel Druck ganz langsam aufspringt.
Ich meine sogar, eines dieser goldenen Bänder erkannt zu haben, die von einem Seelenverwandten zum Nächsten über die Brust verlaufen. Doch im Gegensatz zu all den anderen fest geknüpften Fäden, die ich so beobachten kann, wird dieses Band mit viel Misstrauen und sogar Ärger beäugt, wenn es zaghaft aufflimmert. Da hat wohl jemand eine Reißleinenphobie.

Besser so, denke ich. Ich sollte wissen, mit wem ich meine Verantwortung teilen kann und mit wem nicht. 

Mit seligem Blick knie ich davor, vollkommen verfallen. Oder eher schon verwittert, wer weiß das denn schon so genau? Diese Woche bist du dran mit Rissen, die sich wohl sichtbar über die Stirn ziehen. Was immer es ist, was an mir so furchterregend ist: Ich bin sehr gut darin, diese Risse zu kitten.

 

 

 

~Aalto

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