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Grenzmomente


Mit jedem Schluck Earl Grey werden meine Augenlider ein wenig schwerer. Es muss wohl am hellen Vollmond liegen, dass es hinter meiner Stirn so erschreckend ruhig ist. Niemand singt heute oder versucht, mit mir zu reden.
Der Tee ist in der Tat schwerer als gewöhnlich. Was war es nur, was dich so an mir interessiert? Ich bin allein, so glaube ich, doch meine Präsenz ist dennoch nicht die einzige hier im Raum. Etwas zieht mich abwärts und es ist kein gewöhnliches Versinken in samtener Dunkelheit. Es ist mehr wie eine Hand, die mich zieht.  Langsam und bestimmt nach unten. Ein fester Griff um meinen Hals. Wäre meine Zunge nicht bereits am Gaumen festgeklebt, würde ich die Frage vielleicht tatsächlich aussprechen. Es ist sicher einer dieser Grenzmomente, zwischen Schlafen und Wachen, wenn im Kopf schon die Schranke unten ist und jede Regung unmöglich macht, der Geist aber noch erschreckend anwesend ist. Seit dem letzten Schluck Tee kann ich nur noch beobachten. 

Ich sehe noch mit halb wachen Augen, wie mir der Fußboden entgegenkommt, als ich vom Stuhl falle.  In meinem Kopf ist bereits dieses mächtige Rauschen, das meine Ohren mit dröhnender Stille füllt. Einen Moment noch bleibe ich auf dem Teppich liegen, bevor mich jemand aufhebt. Gern hätte ich meinen Kopf gehoben, um zu sehen, wer es ist. Meine Augen waren jedoch geschlossen und ehe ich auch nur versuchen konnte, sie zu öffnen, hatte mich die Dunkelheit komplett umhüllt. So lasse ich mich fort tragen, ohne Gefühl, ohne Zeit. Nur dröhnende Stille.

 

~Aalto

 

 

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