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Schweigen ist Gold. That sucks.


Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich am eigenen Leib nachvollziehen, was ich meinen Lieben damals angetan habe. Zumindest ansatzweise, ich denke, ich habe ihnen noch mehr weh getan, als ich es jetzt spüre.
Zeit tut gut und dann auch wieder nicht, weil sie eine Fremde aus mir macht. Was Kisu wohl empfunden haben muss, als ich mich mehr und mehr aufgelöst hatte... Das ist nun schon ein paar Jahre her. Ich wurde immer weniger, entfernte mich immer weiter von denen, die ich liebe und auch vom Leben selbst. Es muss weh tun, jemandem dabei zusehen zu müssen, wie er langsam stirbt. Ob er das jetzt freiwillig tut oder nicht... Ich kann das nicht selber beurteilen, denn mir ist bisher eine Menge erspart geblieben. Aber in beiden Fällen gilt es, eine Hand loszulassen, die immer blasser wird, je mehr man sich daran klammert. Und es gibt nichts, nichts, was man tun kann.
Ich sehe es anders als Nietzsche; was einen nicht umbringt, macht einen nur angreifbar. Sehr sogar. Alte Wunden werden immer brennen, der Schmerz wird nicht weniger, er wird nur älter. Eines Tages so alt, dass das Brennen zur eigenen Hitze beinahe passt. Oder zur eigenen Kälte. Was dich nicht umbringt...
Mir ist kalt, das liegt am eisigen Feuer alter Wunden. Sie haben mich ganz gewiss nicht stärker gemacht. Sie haben mir Erkenntnisse gewährt. Mahnmale. Ich bin wohl daran gewachsen. Wachstum ist wichtig und muss auch gewährt werden, fürchte ich. Egal, wie weit man an seine eigenen Abgründe getrieben wird. Und wie viele Scherben es geben muss.

Aber nicht nur ich bin es, die vom Zerbrechen ihre Spuren tragen muss. Das habe ich nun begriffen. Egal, wer sich vom Leben entfernt und egal, wer von der Kante gestoßen wird- am schlimmsten ist es immer für die, die zurück bleiben. 


Es ist ein seltsames Gefühl. Einerseits gewachsen, wenn auch nicht gerade auf angenehme Art und Weise und auch erfahren, wenn man das schon so nennen darf. Auf der anderen Seite unglaublich unsicher, weil ich glaube, all das schon einmal erlebt zu haben. Es ist mir zuwider, jemanden kennen zu lernen und plötzlich der Meinung zu sein, diesen Menschen schon in seiner ganzen Persönlichkeit zu kennen. Auf manches Wissen und besonders auf manches Scheinwissen kann ich gerne verzichten.

Als müsste ich Zwillinge auseinanderhalten, die ich gerade erst kennen gelernt habe. Wer von euch ist echt?

Schweigen ist das einzige, was ich tun kann. Das behagt mir nicht, doch es muss sein. Immerhin so viel ist mir klar.
Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Man darf schließlich erst dann etwas für gut und heilsam erachten, wenn man es sorgfältig für sich selbst erprobt hat.

Und wenn ich jemanden sehe, der mit dem Kopf gegen eine Wand rennt, die ich selbst bereits einmal eingerannt habe- Dann darf ich höchstens zusehen. Vielleicht kann der andere die Wand ja hinaufrennen und bekommt ein vollkommen neues Gefühl der Schwerelosigkeit eröffnet. Oder er rennt sich schmerzhaft den Kopf ein. Aber auch das muss dann gut sein. Denn nur so kann man sich gegen seine eigenen Mauern schützen- Man muss einmal mit Karacho dagegen rennen, bevor man es besser weiß. Manchmal sogar dann, wenn es offensichtlich ist.
Und oft ist es schon passiert, dass jemand einfach daran emporschwebte, als halbbesorgte Stimmen gerade eine Warnung riefen.

Das Offensichtliche ist trügerisch.

Three monkeys, dear.




~Aalto



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