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[zwischen Abgrund und Käfig]


Ich habe das Gefühl, als würde die Zeit wie ein Wasserfall an mir vorbei stürzen, ohne, dass ich selbst aus dieser Abwärtsbewegung herauskäme.
Es geht alles viel zu schnell, so viele Bilder rauschen vor meinen Augen davon, ein verschwommen bunter Schleier, der hinter den Lidern brennt. Die Taubheit breitet sich als schleichende Kälte aus; es fängt in meinen Fingern an und kriecht langsam in Richtung Herzen.

Allein der Gedanke daran lässt mich zittern, die Zähne schlagen panisch aufeinander und nur ein paar gebrochene Worte kommen noch über meine blauen Lippen.
Im Kopf ein unendlicher Abgrund, außerhalb des Schädels steht die niedrige Decke eines Zimmers gegenüber. Die Wände sind bedrohlich nahe an meinem Atem.

In all der Stille dröhnt dieser Lärm in meinem Kopf, den ich kaum mit irgendetwas übertönen kann. Er ist so brachial laut wie eine tickende Uhr und genauso furchtbar wie das dumpfe Pochen meines Herzens, das so laut schlägt, als wolle es mich damit ärgern.
In einigen wenigen Momenten werden die Wände jedoch ein wenig durchsichtig. Die richtigen Melodien wischen den Nebel hinter dem Wasserfall fort. Es können Bilder auftauchen, die durch ihre Kurzlebigkeit perfekt sind. Es reicht gerade, um sie anzuschauen und ihre Schönheit ganz zu genießen, dann sind sie wieder fort und nichts wird sie trüben, weil niemand nach Trübheit suchen kann.
Dann sind da noch die Worte, hinter denen selbst Stahl durchsichtig werden kann. Sie lassen das dumpfe Pochen langsamer werden und sind in viel angreifbarer als die Bilder, die sie erschaffen. Aber  kunstvoll zusammen gewebte Worte sind beständig wie Gebirge, sie suchen keine Perfektion in Flüchtigkeit.

Wie seltsam, im Fallen ist alles so unglaublich laut. Aber der Aufprall selbst ist nur ein leises Rauschen, wo nur ganz zarte Geräusche in kleinen Perlen nach oben steigen. Die Zeit ist auf einmal aus Glas. In dieser kostbaren Stille dehnen sich die Sekunden, bis sie zäh werden und auch das Glas anfängt, zu einer trägen flüssigen Masse zu werden und der Moment der Ablenkung wieder vorrüber ist.




~Aalto

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Kommentare

Arcangelo - 20.12.2010 00:44
wow.
Wie kommts dass du so poetisch wurdest?
Ich hab wohl eine Menge verpasst =)

LG
Arcangelo


awtwahl [Tb: arnowa 2013] - 19.12.2010 10:22
jetzt kommt diese -fuer mich fuerchterliche- da so verlogene- weihnachstresswoche die einem so
neurovegetativ heimsucht, aber wir werden das
alles gut ueberstehen, denke ich. Cordialement,
ar***no


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