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Von der Freiheit gefesselt.


Ich habe heute darüber nachgedacht, dass viele Leute eigentlich unglaublich viel Potential haben, dass sie nicht ausnutzen können, weil sie nicht genug Grenzen haben. Ganz recht, es fehlen die Einschränkungen.

Als Beispiel nehmen wir mal einen kreativen Schüler, der in Deutsch irgendeinen Aufsatz schreibt. Wenn es gilt, einen Text zu interpretieren, eine Kurzgeschichte fortzusetzten oder ähnliches, dann schreibt dieser Schüler extrem durchdachte, schöne Texte, die man sich auch gerne durchliest.
Gibt man diesem Schüler aber nun die Freiheit, sich an einen PC zu setzen, um ihn frei heraus eine Geschichte über was auch immer zu schreiben, dann wird da mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit nichts Großartiges bei herauskommen. So ist das bei vielen, glaube ich.

Bei mir ist es oft so. Ich stecke voller Ideen, ganz viel Schönes, Hässliches, Interessantes und Grausames, das in der einen oder anderen Form verschriftlicht bestimmt irgendwie wertvoll wäre, wenn ich mich nicht immer selbst so ausbremsen würde. Schreibblockaden sind ja schon schlimm, aber ebenso ärgerlich ist es, wenn so viele Ideen im Kopf stecken, dass vor lauter Innovation alle im Sand verlaufen. Als wollten alle gleichzeitig durch eine sehr enge Tür.

Selbst auf diesen Gedanken bin ich nicht allein gekommen. Das tue ich nie, ich brauche zum Schreiben immer etwas, das mich aufregt oder etwas, das mich inspiriert. Es ärgert mich, denn ich sitze oft mal an kürzeren Geschichten oder denke mir Charaktere aus. Die Charatere sind ja noch recht einfach, nur die Geschichten sind nichts, was ich zu einem mir passenden Ende bringen könnte. Weil da nur ich bin die sich etwas ausdenkt. Nichts, worauf ich mich konkret beziehe, keine festen Regeln, an die es sich zu halten gilt. Diese Freiheit schränkt mein Handeln ein wie sonst nichts.

Und dieser eine EInfall? Warum Wilhelm es geschafft hat und Hamlet scheiterte.

Dieses Mal ging die Idee sogar ohne die übliche Abneigung gegen irgendetwas vostatten, es war stattdessen ein Buch, über das ich nachgedacht habe.
Es handelt sich dabei, ganz hochgestochen, um "Wilhelm Meisters Lehrjahre". Der gute Wilhelm war ganz ähnlich dabei, als Kind schon. Er hat ein Marionettentheater mehr oder weniger verunstaltet, um damit nicht nur das vorgesehene Stück, sondern auch andere spielen zu können. Am Ende hatte er einen ganzen Haufen verschiedene Kostüme für die Puppen, aber nicht ein einziges Stück abgeschlossen und die Originalkleidung war verschwunden.

Später wäre er wohl beinahe genauso gescheitert, als er den Hamlet spielen wollte. Er fing extrem innovativ an, sich in Hamlet hineinzuversetzen und hätte er von seiner Theatergruppe keinen Druck gehabt, so wäre er daran gescheitert, seine Gedanken an den Hamlet zu sehr zur Perfektion zu treiben.

Da er aber Grenzen auferlegt bekam, konnte er seine Kreativität ausschöpfen und erreichte, wenn auch über leichte Umwege, eine gute Inszenierung. Und überhaupt ist Wilhelm deswegen keine gescheiterte Persönlichkeit: Da sind immer Leute, die ihn einschränken. Das stelle ich einfach mal so in den Raum :) Natürlich gehört da noch viel mehr dazu, doch ich bin mir dennoch sicher: Ein allzu freier Mensch steht sich meistens selbst im Wege.

Funktioniert bei den fiktiven Charakteren ja wunderbar. Wenn Hamlet nicht die ganze Zeit mit sich gehadert hätte, dann wäre Claudius zum richtigen Zeitpunkt getötet worden und der gute Hamlet hätte seine Ruhe gehabt. Aber da war niemand außer ihm selbst, im Gegenteil, er hatte sich ja nur Feinde gemacht. Er hatte die komplette Handlungsfreiheit. Und am Ende waren alle tot...

Dieses Prinzip funktioniert vielleicht nicht bei jedem Menschen, ich kann es nur auf mich selbst und ein oder zwei sehr gute Freunde anwenden. Zugegeben, ich stelle hier nur irgendwelche Wahrheiten in den Raum und belasse es dabei. Manche Gedanken wollen einfach mal aufgeschrieben werden, auch ohne Grenzen.




~Aalto


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