Der Punkt hinter dem linken Auge.

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The Flaw


Ich habe nicht viel geschlafen in der letzten Nacht. Da schwirrte etwas Neues hinter meiner Stirn herum, etwas das mich sowohl beunruhigt als auch bestätigt. Träume von Schmerz und Hilflosigkeit, die beim Weckerklingen noch als zartbitterer Nebel um meine Augen schwirrten, bis ich sie aufschlug.

 

Ich bin grausam.

 

Wenn du vor mir auf den Abgrund zu rennst, solltest du keinesfalls anhalten. Und wehe, du greifst dabei nach meiner Hand, ich stieße dich ohne mit der Wimper zu zucken hinunter.

 

Ich dachte, ich wäre stärker geworden, nach all dem was mir widerfahren ist. Wollte Nietzsche recht geben, schließlich lebe ich noch. War stolz auf meine Entwicklung. Nur, weil ich den Preis dafür vergessen hatte. Alles hat seinen Preis. Es gibt immer das Kleingedruckte. Und jeder muss zahlen. Da stehe ich nun, halte mich für so stark, trotz Punkt, trotz Schmerz oder vielleicht auch gerade deswegen. Schaue belustigt beim Veitstanz der anderen zu als ginge mich die Welt nichts an.

 

Ich trage das Korsett auch, damit niemand das Loch in meiner Brust sieht.

Dort schlägt noch ein Herz, fein säuberlich zusammengeflickt und ausgetauscht mit anderem Narbengewebe, damit mir das Atmen leichter fällt. Herzen sind ja dazu da, zerrissen und mit fremden Teilen getauscht zu werden, nicht wahr?

 

…And finally… the flaw.

 

Es macht mich angreifbar. In mir ist tatsächlich ein ganzer Teil meines Selbst gestorben. Vor Jahren und nun erst fällt es auf. Ich bin so kalt geworden. Wenn es die Musik nicht gäbe, die mein Innerstes noch berühren kann- Ich könnte wohl nie wieder weinen. Nicht über Dinge, die es wert wären, beweint zu werden. Wenn man mir rasenden inneren Terror eines anderen auf dem Silbertablett servieren würde, selbst wenn es der persönliche Terror eines Freundes wäre: Ich müsste entweder darüber Lachen oder wütend werden. Kein Mitleid, keine Hilfe und erst Recht keine Trauer über irgendetwas.

Es ist so kalt und leer an dieser einen Stelle, dort wächst nichts mehr und selbst die Erinnerungen sind ein vager Nebel. Wäre es noch da, könnte ich  nun wahrscheinlich nicht mehr atmen.

 

Wenn du dein Herz ausschütten willst, trinke ich alles in nur einem Zug.

 

Ich kann mir diese Wunden nicht ansehen. Das meine ich ganz buchstäblich, wenn mir Menschen mit ihren Wunden zu nahe kommen wollen, falle ich ganz stumpf in Ohnmacht. Entweder das, oder ich werde unwahrscheinlich wütend, was in meinem Fall ein seltener und ausgesprochen beunruhigender Anblick ist.

Was ist, wenn jemand es schafft, genau dieses Loch zu treffen, das eher ein weißer Fleck ist? Ich weiß nicht, was dann passieren wird. Ich habe Angst davor, Angst, genau dort getroffen zu werden, wo ich mich nicht wehren kann. Vielleicht ist es gefährlich. Vielleicht verliere ich die Kontrolle.

 

Und das gestatte ich mir nur, wenn ich schlafe. Hinter meinen Augen darf alles passieren.

 

Ei saa päästä silmiin.

 

Ich bin grausam. Anderen tut es weh, mir geht es einfach nur auf die Nerven. Als hätte ich Dornen an den Fingern, jedes Mal, wenn jemand getröstet und gestreichelt werden muss. Als würden keine Worte, sondern Gift aus meinem Mund fließen.

 

 

 

 

 

~Aalto 

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Kommentare

awtwahl [Tb: ARNOWA33] - 03.09.2010 21:49
3. absatz : geht nicht, ICH bin schneller !

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