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Der Reiz der Tinte


Ich bin immer noch gespannt, was bei meiner neusten "Striptease"-Aktion heraus kommt. Ich habe meine Gedanken jetzt an besagte Freundin gegeben. Nennen wir sie hier mal Empathy.

Das Projekt sieht bisher folgendermaßen aus: Empathy bekommt Auszüge aus meinem *richtigen* Tagebuch, also das Buch, wo alle meine Gedanken handschriftlich und ohne Rücksicht auf Verluste niedergeschrieben sind. Und dann schreibt sie wiederum ihre Gedanken dazu auf. Mir gefällt das, glaube ich. Eine wilkommene Alternative, sich mit seinem Innersten auseinander zu setzten.

Dieses Buch ist etwas sehr Besonderes für mich. Klar, so ein Onlinetagebuch ist auch sehr nett, aber ich muss immer bedenken, dass alles, was ich hier niederschreibe, natürlich auch von der Öffentlichkeit gelesen werden kann. Es hat sogar einen gewissen Reiz, mein Leben hier anonym und doch ganz persönlich dar zu legen, doch nur bis zu einem gewissen Grad. Und viele meiner Gedanken sind auch derart abwegig und... ja, vielleicht auch böse... Jedenfalls sind sie so extrem, dass sie im TBL erstens unverständlich und zweitens zu heftig für eine unzensierte Version wären.

Und dann wäre da noch die Tatsache, dass ich süchtig danch bin, handschriftlich Texte zu verfassen. Ich brauche das. Empathy liebt diese Schriften. Und ihr kann ich wirklich einige davon geben. Auch gerade deswegen, weil wir uns in vieler Hinsicht nicht sehr gut kennen. Ich weiß genug von ihr, um ihr vertrauen zu können. Und ich weiß wenig genug von ihr, um ihr Teile meines Tagebuchs zu geben. Ich könnte mich nie so "nackt" bzw. hautlos vor jemandem präsentieren, den ich sehr gut kennen würde. Ich müsste mir dann viel zu viele Gedanken über die Reaktion meines Gegenübers machen und wie ich zukünftig eingeschätzt werde.

Bei Empathy ist das anders. Ihre Faszination an meinen Texten ist sehr... Aufrichtig. Ich mochte es, wie sie es umschrieben hat. "Nein, ich finde es nicht interessant. Ich finde es faszinierend. Und faszinierend sind für mich nur Dinge, die mich berühren."

Ich denke, etwas Schöneres hätte sie mir nicht sagen können. Irgendwo sind wir uns ein wenig ähnlich.

Ich kann wirklich nur ihr diese Texte geben. Bei meiner lieben Freundin Aya könnte ich das wohl nicht, obwohl sie mir sehr nahe steht und ich sie über alles liebe. Wir haben im selben Bett geschlafen und sind am selben Tag zur Welt gekommen, aber gerade diese tiefe Vertrautheit macht es mir im Grunde unmöglich, ihr meine schriftlichen Gedanken zu offenbaren.

Tinte... So reizvoll... Es ist fast beängstigend.

Mich bringt dieses neue Projekt wieder ein wenig zurück. Es zieht einen Großteil meiner Aufmerksamkeit auf sich und hält mich davon ab, an gemeinere Dinge zu denken.

Ich denke weniger daran, andere zu verletzen. Außer bei Kiusuke. Seit ich ihn verstoßen habe, hat er auch nicht mehr versucht, sich an mir festzuhalten. Das ist auch sehr gut so.

Gut geht es ihm allerdings gar nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht der Auslöser davon bin, aber sein Anblick macht mich unglaublich aggressiv.

Man sieht es ganz genau an seinem Blick, er ist gebrochen. Dieser Anblick weckt in mir jedoch nicht das Bedürfnis, ihm zu helfen. Dazu habe ich selbst auch gar keine Kraft mehr. Nein, jedes Mal, wenn ich den Schleier in seinen Augen sehe, werde ich wütend auf ihn. Irgendwie einfach wütend. Über diese Resignation vielleicht. Ich möchte mit voller Wucht zuschlagen, nur um zu sehen, ob es ihm überhaupt etwas ausmachen würde. Ob er das überhaupt noch spüren könnte. Er sieht so tot aus.

Das ist der einzige Punkt, der meine Wut immernoch anfachen kann. Auch, wenn ich gerade mit Seelenstriptease beschäftigt bin.

 

 

~Aalto

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