• kostenlos mitmachen

Meine Nickpage



Hinter der Tinte


Ich lasse mich ein Stück weit nach Innen fallen, in immer enger werdenden Spiralen drehe ich mich um mich selbst. Ich möchte bis zum Kern kommen. Dorthin, wo ich mich versteckt habe, hinter Linien, geschwungen und gerade, hinter Tinte, hinter dem Ende der Feder und den spitzen Statzzeichen. Es kommt mir ein wenig vor, wie Tauchen. Alles verläuft doch letztendlich in samtener Schwärze.
Was suche ich hier? Wie kann man seinen eigenen Schatten betrachten, wenn man das Gesicht in die Sonne hält?

Immer tiefer... Obwohl die Tinte pechschwarz ist, so kann ich doch immer besser hindurchsehen, je tiefer ich komme. Wenn meine Hände durch die dunkle Flüssigkeit gleiten, fühle ich mit der ganzen Haut einen immer wiederkehrenden Impuls.
Ein Herzschlag. Dumpf, hohl. Angenehm.
Er beruhigt mich und leitet mich. Ich folge dem Pochen, schwimme gezielt in seine Richtung. Dort kann ich die Schwärze immer besser durchschauen. Es leuchtet ja! An einer Seite... Es sieht warm aus. Ich nähere mich. Ja, zwei Seiten. Sie sind gleich groß, ein Glück! Wie der Mond, man sieht nur auf einer Seite ein Leuchten. Die andere ist eher dunkel und kühl. Ich kann sie nicht richtig erkennen.
Aber sie ist da, und das ist gut so. Sollte ich es mir genauer ansehen? Ich bin noch recht weit weg. Es wäre möglich. Dennoch...
Ich weiß, dass ich ab hier nicht mehr näher kommen darf, auch wenn ich danach strebe. Es ist so schön hier.
"Wenn du jetzt noch tiefer gehst, wirst du nie wieder zurück können."
Das ist es wohl. Ich mache mich daran, wieder nach Außen zu schwimmen. Etwas gleitet in meine Hand. Ich kann es erkennen, es fühlt sich zart und... -Ja, ich glaube- es fühlt sich auch warm an. Eine rote Lilie.
Natürlich. Ein Stück von mir. Weil ich noch immer am Leben bin. Ich fühle ein leichtes Ziehen zwischen meinen Schulterblättern. Der Name, der sich dort hinschreiben wollte, musste wegen der Blume verzichten. Ein Glück für mich. Die schweren Buchstaben hätten mich hier bis auf den Grund gezogen.

Die zarten Blütenblätter tragen mich wieder zurück.




~Aalto
<< vorheriger Eintragnächster Eintrag >>

Kommentare

Nothing [Tb: glass houses] - 14.12.2008 17:24
Es ist so schön, mehr und mehr zu verstehen, was du schreibst...

Kommentar schreiben

Du musst dich Einloggen oder kostenlos anmelden um Kommentare zu schreiben