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Konfrontationen


Sage mir nicht, ich sei grausam... Ich habe meine Ansichten und Theorien. Deine Augen haben nicht so tief geschaut, wie du vielleicht glaubst.

Mir ist in den vergangenen Tagen so einiges klar geworden... Der eisige Regen hing noch immer in ihren Haaren und ihre Finger fühlten sich klamm an. Sie fühlte kaum den kalten Edelstein am Ende ihres Stabes.
Nicht einmal ein Feuer brannte im Kamin. Und das zu dieser eisigen Jahreszeit.
Du hälst viel zu sehr am Eis fest. Selbst hier drin herrscht eine Kälte, die mich dazu bringt, den schweren Mantel nicht abzulegen.
So, wie sie hereingekommen war, eng in den Mantel gehüllt und die Stiefel noch an den Füßen, setzte sie sich. Nicht auf den Sessel, sie bevorzugte den Holzstuhl.

Ich muss schon sagen, ich bin recht aufgebracht gewesen. Deinetwegen.
Ein kalter Blick aus kalten Augen.
Und das nicht einmal wegen deines Benehmens, was mir so aufdringlich erschien. Das ist im Angesicht dessen, was du nun tust, nichtig.
Die Augen fixierten entschlossen ihr Opfer und hielten es fest.
Ich möchte nicht, dass du dich noch einmal an mir festhälst. Du hast den Codex gebrochen.
You are consuming people.
Ich werde nicht mehr zulassen, dafür benutzt zu werden. Ich will, dass du endlich lernst, deine Konflikte selbst zu tragen. Ich weiß, du hast es schwer. Und ich behaupte nicht, dass du mit deiner Bürde ganz allein da stehst.
Ich halte es jedoch für unangebracht, sich mit dieser Bürde und dem ganzen Gewicht an eine einzelne Person zu heften. Du hast doch das Rudel. Es würde dir liebend gerne helfen, deinen Kummer zu tragen. Als Gruppe. Nicht als Einzelperson.
Ich schenkte dir sehr viel Zeit, weil ich sah, dass es dir gut tat. Aber ich hatte ernsthaft gehofft, es könnte dir helfen. Du scheinst Hilfe jedoch gar nicht zu wollen. Du scheinst den Kummer zu mögen. Auf eine bestimmte Weise.
Immer, wenn du von deinem Kummer sprachst, wusste ich, du brauchst das Gespräch. Aber ist dir schon einmal aufgefallen, dass du nie die Initiative ergreifst?
Du siehst dich immer als Opfer und als der Schwache, der angegriffen wird. Aber was tust du, um das zu ändern?
Warum rennst du immer in deinen eigenen Käfig und schließt ihn zu?
Ich verrate dir nun etwas:
Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich.

Mit einer Obzession suchst du den Kummer anderer, um ihn mitzutragen. Sehr nobel, hm? Aber was ist mit dir selbst? Du übernimmst kein bisschen Verantowrtung für dich selbst. Vertraust dich vielleicht jemandem an, aber dann hängst du dich an eine einzelnde Person. Statt dir vom ganzen Rudel helfen zu lassen, das die Last tragen könnte.
Ich hatte versucht, dir zu helfen. Und nun habe ich das Gefühl, du willst gar nicht wirklich glücklich werden. Du trägst dein Leid vor dir her, zeigst es deinen Menschen, um ihr Interesse zu haben. Und dann hängst du dich an einen, solange, bis er es nicht mehr alleine tragen kann oder du vergisst, dass du nicht alle Privilegien im Rudel hast. Dann taumelst du kurz und hängst dich wieder an ein anderes Rudelmitglied.

Ist dir überhaupt schon mal der Gedanke gekommen, dass man dich auch einfach nur so gern haben kann, und sich nicht bloß aus Mitleid mit dir beschäftigt?
Dass du nicht alles geben musst, was dir einfällt, um dir Anerkennung zu kaufen?

Den Eindruck habe ich nicht.
Übernimm endlich die Initiative. Und Verantwortung für dich selbst. Ich war sehr erbost, als ich merkte, was du mit dir anstellst, nur, weil du nicht sterben kannst. Du sprichst von der Verantwortung gegenüber anderen. Ja, verdammt noch mal! Tu mal was um deiner SELBST Willen! Binde dich nicht immer mit irgendwelchen Dingen ans Rudel. Dann erfährst du eine Unsterblichkeit, die sich sogar gut anfühlt! Wenn du einfach mal zu dir selbst stehtst und endlich kapierst, dass nur du dich aus deinem Käfig rausholen kannst, akzeptiert das Rudel dich auch ohne diese ewige Heulerei.
Vielen von uns geht es oft schlecht. Aber wir kommen damit klar, weißt du? Wir kämpfen für unser Glück. Und wir suchen Unterstützung in der Gruppe, ohne einzelnde Mitglieder zu konsumieren.

Du sitzt im Gefängnis, sagst du. Ich habe sogar versucht, dir einen Schlüssel zu geben. Aber alles was ich tun kann, ist dir ein Fenster zu öffnen.

Aber ich habe den Schlüssel gefunden.

DU HAST  IHN!
Du kannst auf Unterstützung zählen. Aber hör auf mit diesem verdammten Zyklus
-jemandem seinen Kummer anhängen
-Verantwortung des anderen mitnehmen, um nicht an sich selbst denken zu müssen
-den Menschen konsumieren
-Suche nach Anerkennung
-Überkonsumierung
-An- ecken
-neuen Menschen konsumieren, bis dieser auch die Nase voll hat

WACH ENDLICH AUF! DU KANNST DORT HERAUS, ABER DU MUSST ES AUCH ERNSTHAFT VERSUCHEN!!

Dort, wo ich einst lebte, sagt man in einer solchen Situation:
Hanki elämä.

Das bedeutet: Sieh zu, dass du endlich mal ein eigenes Leben kriegst.
Das teilt das Rudel auch gern mit dir. Solange du nur eins hast.
Bitte! Hör auf, Dinge zu tun, deren Recht ich dir abspreche (Mir ist egal, ob ich dazu befugt bin, oder nicht.).
Wenn du so verzweifelt Zuneigung suchst, hör auf, sie zu erzwingen. Du machst dich gerade auf einen Weg, auf dem ich dich weder zurückhalten kann noch will, weil ich damit schon lange abgeschlossen habe. Und ich habe nicht mehr die Kraft, anderen beim Ausbluten zuzusehen.
Verstehst du, wenn du auf diesem Weg hinfällst, werde ich dich nicht auffangen! Und du taumelst bereits.

Ich werde mich notfalls gegen dich stellen, wenn du so weitermachst. Vielleicht findest du jemand anderen, den du konsumieren kannst. Bis auch der dich fallen lässt.
Ich fände es schön, wenn du endlich dein Herz in die Hand nimmst und hinter dir selbst stehst. Bevor du mir nicht zeigst, dass du bereit bist, für dich selbst zu kämpfen, werde ich dich nicht mehr unterstützen.
Dies hier ist ein Scheideweg. Jetzt liegt es an dir.




Die Temperatur im Raum schien noch um ein paar weitere Grad unter Null gefallen zu sein. Eiskalte Augen wandten ihren Blick ab. Sie hatte gesagt, was sie sagen wollte. Und hatte keine einzige Unterbrechung zugelassen. Auch zu einer Antwort gab sie jetzt keine Gelegenheit, denn sie wusste, ihre Worte mussten erst richtig ankommen. Das brauchte Zeit. Wie auch immer sie sich entfalten mochten.
Ohne ein weiteres Wort erhob sie sich.
Schweigend griff sie nach ihrem Stab und hinkte, schwer auf ihn gestützt, zur Tür. Den Schmerz im Fuß beachtete sich nicht. Er war ohnehin allgegenwärtig.

Ohne sich einmal umzusehen verliess sie das Haus.






~Aalto
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